Samstag, 09. Januar 2016, 18:48 Uhr

Lisa Bassenge: Die Grand Dame des deutschen Jazz im Interview

Lisa Bassenge (41) ist mit ihren fast 20 Jahren als Sängerin nicht nur ein alter Showbiz-Hase, sondern gilt auch für viele schon jetzt als die Grand Dame des deutschen Jazz.

Lisa Bassenge: Die Grand Dame des deutschen Jazz im Interview

Wenn Melancholie so verfu?hrerisch klingt wie bei Lisa Bassenge, dann tra?gt das Thema ‘verlorene Liebe‘ auch mal ein ganzes Album“, schrieb der Rolling Stone u?ber sie. Eine „Stimme, die einen in den scho?nsten Tra?umen wiegt“, ho?rte die Taz, wa?hrend der Musikexpress in ihr „bald Diva, bald Blues- Lady, bald Vamp, bald Mary Poppins“ erkannte.

Für ihr neues Coveralbum „Canyon Songs“ ist die Berlinerin nach Los Angeles gegangen, um dort den Flair der Stadt für die Platte einzufangen. Mit klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis hat sie sich über diese Zeit, Heimweh und Klapse auf den Po unterhalten.

Wenn Journalisten dich und deine Musik beschreiben, dann fallen häufig skurrile Beschreibungen wie „Mary Poppins“ oder auch „Bald Diva“. Wie würdest du dich denn selbst beschreiben?
Ich würde mich als Sängerin mit einer Stimme, die Wiedererkennungswert hat, beschreiben. Abschließend würde ich noch sagen, dass ich gerne schöne Lieder singe, die die Menschen berühren.

Dein neues Album heißt „Canyon Songs“ …
Ja, meine Idee dahinter war mal raus aus Deutschland zu gehen und das Album in Amerika aufzunehmen. Als ich dann noch sagte ‘Ich mache eine Platte über Amerika. Genau genommen über die Stadt, in der ich sein werde, also LA und nehme nur Songs aus dieser Stadt.’ war das Konzept geboren. Die Songs mussten von Leuten sein, die da gelebt und geschrieben haben. Deswegen habe ich dann Lieder von Leuten wie Joni Mitchell, den Doors und anderen genommen, die mit Los Angeles zu tun haben. Ich wollte einfach dieses Westcoast-Flavour mit auf die Platte bringen. Viele dieser Künstler haben in der Laurel Canyon-Gegend gelebt und sich dort ihre musikalischen Bälle zugeworfen. Der Laurel Canyon ist übrigens ein Canyon quasi mitten in der Stadt, der sich raus ins Valley erstreckt und da gab es früher so richtige Hippie-Kommunen, wo alternative Menschen ziemlich in der Natur gelebt haben, aber trotzdem noch in der Stadt gewohnt haben.

Gab es einen LA-Song, den du gern gemacht hättest, der es aber nicht auf das Album geschafft hat?
Wir haben echt viel probiert und überlegt. Wir wollten ursprünglich etwas von den Eagles und „City of Angels“ von den Red Hot Chilli Peppers machen. Wir haben uns dann aber doch dagegen entschieden.

Du warst für das Album drei Wochen in Los Angeles. Was hat dich in dieser Zeit da besonders beeindruckt?
Total geflasht hat mich der Ausblick von den Hollywood Hills. Sehr krass fand ich auch, dass man ständig an Orte kam, die man aus Filmen kennt. Da wird ja wirklich überall gedreht. Mittlerweile ist es echt so, dass wenn ich mal einen Film oder eine Serie sehe, ich ständig Orte wiedererkenne, an denen ich war. Was ich dort extrem prägend fand, ist dieses ständige Autofahren. Man ist dort dauernd mit dem Auto unterwegs. Diese Stadt ist einfach riesengroß und man fährt ständig wie bescheuert. Es gibt eine Redewendung, die besagt, dass der Geist im Körper des Menschen ist,in LA ist der Mensch aber der Geist im Auto. Das trifft es eigentlich ganz gut.

Lisa Bassenge: Die Grand Dame des deutschen Jazz im Interview

Klingt nach einer großen Umstellung …
Ja, und ich meine Kinder sehr vermisst. Mir hat auch das Grüne sehr gefehlt. Dass man einfach mal rausgeht und draußen herumläuft … Wenn die Leute da drüben mal rausgehen, dann nennen sie das schon „Hiking“. Mit diesem Wort sind laut Definition große Wanderungen gemeint. Die Leute da laufen einfach nicht wirklich draußen herum.

Dort leben wäre also nicht so deins?
Ne, nicht wirklich. Ich könnte mir zwar schon vorstellen mal in Kalifornien an sich zu leben, aber dann irgendwo in der Natur. Los Angeles direkt müsste es aber nicht sein.

Wenn du einen Song über die vergangenen sieben Tage schreiben müsstest, welche fünf Worte würden darin garantiert vorkommen?
‘Video’ würde darin vorkommen. ‘Kinder’, ‘Liebe’, ‘Musik’ und ‘Schlafen’.

Welchen aktuellen Radiosong würdest du gerne interpretieren?
„Klaps auf den Po“ von Romano. Den Song finde ich gut.

Lass uns über dein verrücktestes Fan-Erlebnis sprechen …
Da gibt es einige. Ich hatte früher ab und zu Fans, die die normale Distanz nicht eingehalten haben, weil sie irgendwie dachten, ich sei ihre Freundin. Ich hatte das, dass man zu freundlich ist und Leute denken man sei gut befreundet. Es gab dann mal die Situation, dass ich nach einer Show mit einem Fan Fotos gemacht habe. Der hat dann meine Adresse herausgefunden und stand dann mit Abzügen der Bilder bei mir vor der Tür. Er war extra aus Köln dafür gekommen, aber ich dachte mir nur so ‘Huch!’ Ich habe es aber öfter, dass mir Fans mir hinterher reisen, um sich meine Shows überall anzusehen. Das finde ich ganz nett, wenn man so treue Fans hat und setze sie ab und an mal auf die Gästeliste.

Vor deiner Tour zu Album geht es erst mal nach HongKong …
Genau. Dort gebe ich dann an einigen Schulen für das Goethe-Institut Workshops zum Deutschlernen mit Musik. Ich habe ja viel auch auf Deutsch geschrieben. Vor Ort werde ich dann auch ein paar Konzerte spielen.

Fotos: Edel