Donnerstag, 14. Januar 2016, 18:45 Uhr

Filmkritik "The Big Short": Finanzthriller mit Megastar-Besetzung

Die Finanzkrise als rasanter Thriller inszeniert, mit Stars wie Christian Bale, Ryan Gosling und Brad Pitt – diese Rechnung geht weitgehend auf.

Filmkritik "The Big Short": Finanzthriller mit Megastar-Besetzung

Bislang war die Finanzkrise von 2008 eher das Thema für eine ganze Reihe von Dokumentationen wie ‘Let’s Make Money’ oder ‘Inside Job’. Jetzt legt Regisseur Adam McKay mit ‘The Big Short‘ einen hochkarätig besetzten Finanzthriller vor, der den großen Crash am amerikanischen Immobilienmarkt und den globalen Bankenkollaps aus der Sicht von ein paar schrägen, aber hellsichtigen Außenseitern unterhaltsam in Szene setzt.

Das Kunststück, einen eher drögen und sperrigen Stoff wie den Börsenhandel und die Immobilienkrise spannend und kurzweilig in Szene zu setzen, gelingt dem hochtourig inszenierten Ensemblefilm über weite Strecken – auch dank der hochkarätigen Besetzung wie Christian Bale, Ryan Gosling und Brad Pitt. Die Story für diesen mitunter haarsträubenden Finanzthriller nach wahren Begebenheiten stammt von Bestsellerautor Michael Lewis, der bereits die Vorlage zum Baseball-Drama «Die Kunst zu gewinnen – Moneyball» mit Brad Pitt geliefert hat.

Vier Money-Musketiere gegen das Wall-Street-Establishment: Schon 2005 ahnt der leicht autistisch angehauchte, ansonsten geniale Hedgefonds-Manager Michael Burry (Christian Bale), dass etwas mächtig faul ist im Finanzsystem der USA. Aber der Heavy-Metal-Fan mit Glasauge, der barfuß am Schreibtisch sitzt und sich am liebsten an seinem Schlagzeug austobt, wird lange nur müde belächelt. So ähnlich ergeht es auch dem einstigen Star-Investor und Ökoaktivisten Ben Rickert, den Brad Pitt mit Zauselbart und randloser Professorenbrille liebevoll und schön verhuscht verkörpert.


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Filmkritik "The Big Short": Finanzthriller mit Megastar-Besetzung

Ein ganz cooler Absahner ist der Bank-Makler Jared Vennett (Ryan Gosling), der den Durchblick behält und am Ende richtig Kasse macht. «Ich bin nicht der Held in dieser Geschichte», behauptet er freimütig. Den interessantesten Part aber spielt Steve Carell als Börsenprofi Mark Baum, der völlig aus dem Ruder läuft, weil er den Selbstmord seines Bruders nicht verhindern konnte. Dieser Mark Baum, eigentlich ein knallharter Profi, wird zum wütenden Moralisten, der die Tricksereien in seiner Branche gnadenlos anprangert.

Einmal fährt er mit einem Kollegen nach Florida in ein Neubaugebiet, das schon wieder verlassen wurde. Eine Geisterstadt, gebaut aus Gier und Profitsucht.

Filmkritik "The Big Short": Finanzthriller mit Megastar-Besetzung

Solche Szenen hätte man sich noch häufiger gewünscht. Etwas zu oft zappt der rasant geschnittene Film stattdessen zwischen den einzelnen Protagonisten, deren Geschichten nicht verbunden sind, hin und her. Figuren sprechen in die Kamera, komplizierte Finanzprodukte werden am Pokertisch in Las Vegas erklärt. Bloß keine Langeweile aufkommen lassen, scheint die Devise zu sein. Etwas mehr Konzentration auf etwas weniger Figuren und deren Hintergrund hätten ‘The Big Short’ sicher gut getan. Eines ist allerdings auch klar: Dem realen Börsenwahnsinn, der 2008 in den Crash führte, wird man mit keinem Drehbuch wirklich gerecht. (Johannes von der Gathen, dpa)

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Fotos: Paramount