Donnerstag, 14. Januar 2016, 18:20 Uhr

Was macht eigentlich Caterina Valente?

Caterina Valente hat unzählige Male Freude bereitet und Herzen berührt. Im hohen Alter wünscht sich die einst populärste Schlagersängerin in Deutschland vor allem dies: Mehr Hilfe für notleidende Kinder.

Was macht eigentlich Caterina Valente?

Volle Mailboxen und Anrufbeantworter. Unzählige Bitten um Interviews und Einladungen zu Talkshows. Weit mehr als ein Jahrzehnt nach ihren letzten öffentlichen Auftritten ist Caterina Valente unvergessen. Heute feiert die Italienerin, die mit Schlagern wie ‘Tschau, Tschau, Bambina’ oder “Itsy Bitsy Teenie Weenie” den Partysound zum bundesdeutschen Wirtschaftswunder lieferte, ihren 85. Geburtstag – zurückgezogen in ihrer Schweizer Wahlheimat unweit des Luganersees und nahe der Grenze zu Bella Italia.

Auf Medienanfragen aus aller Welt hat die Grande Dame des internationalen Entertainments eine klare Antwort: “Nein!”. Ihre genüge es heutzutage vollkommen, dass sie sich wohlfühle in ihrem “gesunden, sorgenfreien, einfachen sowie ruhigen Leben” im Kreise von Angehörigen und Freunden, teilte Valente auf ihrer Homepage mit. Statt Geschenke, Blumen oder Karten zu schicken, sollten Fans lieber für die Hilfsorganisation SOS Kinderdörfer spenden: “Die Kinder sind unsere Zukunft… mehr brauche ich wohl nicht zu sagen!”

Der Leichtigkeit ihrer Hits und getanzten Revueauftritte merkte man es nie an. Doch was Leid bedeutet, hat die 1931 in Paris geborene Tochter einer italienischen Dynastie von Musikern und Varieté-Künstlern im Krieg selbst erfahren: Bei einem Gastspiel im Berliner Wintergarten verlor die Familie 1943 durch einen Bombenangriff fast ihr gesamtes Habe. Eine Zeit lang hielt sich Valente als Hilfskraft in einem Essener Hotel über Wasser.

Am Anfang ihres Weges zur populärsten Schlagersängerin der 50er und 60er Jahre in Deutschland sowie etlichen anderen Ländern standen nach dem Krieg Auftritte in Pariser Nachtclubs. Darunter mit Chansons, die Gilbert Bécaud für sie komponierte. Der erste Welterfolg wurde ihre wundervolle Interpretation des Liedes “Malagueña”, das Ernesto Lecuona komponierte. 1955 war der Song in den USA ein durchaus außergewöhnlicher Hit – ein kubanisches Lied, gesungen von einer Italienerin in deutscher Sprache.

Zur amerikanischen Erfolgsbilanz gehörten Auftritte mit Stars wie Dean Martin, Danny Kaye, Perry Como und Bing Crosby. “Wer hat Sie am am meisten beeindruckt?”, fragte 2009 die Schweizer ‘Weltwoche’ in einem der letzten von tausenden Interviews, die Valente gab. “Alle”, sagte sie. “Dean war ein richtiger Kumpel, Perry sehr bodenständig, Bing war die Eleganz in Person, und Danny war der talentierteste Komiker, den ich je kennengelernt habe.”

Ihre erste Ehe ging Valente 1952 mit einem Deutschen ein, sie hielt bis 1971. Der Jongleur Gerd Scholz mit dem Künstlernamen Eric van Aro war lange Zeit auch ihr Manager. 1972 bis 1979 war die schöne und gertenschlanke Valente mit dem britischen Pianisten und Komponisten Roy Budd verheiratet. Zwei Söhne, je einen pro Ehe, zog die Musikerin und Schauspielerin voller Hingabe auf – trotz einer kräftezehrenden Weltkarriere.

Bewundert wurde und wird Valente, die sechs Sprachen beherrscht, in vielen Ländern. Für Deutsche, Österreicher und Schweizer war sie lange Zeit die mit Abstand populärste Ohrwurm-Lieferantin. Darunter mit ihrer Interpretation des Cole-Porter-Klassikers ‘I love Paris’ – ‘Ganz Paris träumt von der Liebe’ (1955) sowie mit ‘Ein Schiff wird kommen’ (1960) und ‘Quando, quando, quando’ (1962).

Valente habe der Wiederaufbau-Ära der Bundesrepublik aus der Seele gesungen, schrieb einer ihrer Bewunderer, der Publizist und Schriftsteller Dieter Bartetzko. Mit ihrer großen, ungemein wandelbaren Stimme, ihrer Vielseitigkeit und Weltläufigkeit, ihrer optimistischen Ausstrahlung wurde sie allerdings auch auf der anderen Seite des «Eisernen Vorhang» angehimmelt.

So kam der Revuefilm ‘Liebe, Tanz und 1000 Schlager’, in dem Valente an der Seite des beliebten österreichischen Entertainers Peter Alexander glänzte, 1955 auch in die Kinos der DDR – wenngleich in einer Fassung, die um Rock’n’Roll-Szenen und andere allzu «westliche» Sequenzen gekürzt war.

Valentes Unterhaltungsshows im bundesdeutschen Fernsehen schauten sich freilich auch Ostdeutsche ganz unzensiert und gern an, wo immer das technisch möglich war. Später ging sie auf Gastspielreise in die Sowjetunion. Und 1985 auch auf eine große DDR-Tournee. “Wie sind Ihre Erinnerungen daran?”, fragte die ‘Weltwoche’. Valente: “Sicherlich das dankbarste Publikum, dem ich je begegnet bin.” (dpa)

Foto: Wöstmann