Freitag, 15. Januar 2016, 20:41 Uhr

Femme Schmidt: Die rattenscharfe Diva des Pop Noir meldet sich zurück

Schon ihr Name ist eine Herausforderung für den gewohnten Sprachgebrauch. Ihre glamouröse Optik hat Schmutz unter den Nägeln. Mit der selben Nonchalance, mit der sie diese Widersprüche in sich vereint, wandelt Femme Schmidt (eigentlich Elisabeth Schmidt) auch über ihr verzweigtes musikalisches Spielfeld.

Femme Schmidt: Die rattenscharfe Diva des Pop Noir meldet sich zurück

Tarantino trifft auf Bond, Jazz auf urbane Beats, während die Belle de Nuit mit rauchig-warmer Stimme und hymnenhaften Hooks ihre kratzenden Gitarren, gurgelnden Synthie-Bässe und orchestralen Streicher zu etwas ganz Eigenem verwebt. Femme Schmidts Pop Noir ist Stilbruch aus Prinzip. Weil sie es so will. Weil sie so ist: „Eine endgültige Femme Schmidt wird es wahrscheinlich niemals geben, dafür habe ich zu viele verschiedene Facetten in mir. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass daran irgendetwas Falsches ist. Ganz im Gegenteil: Das bin ich. Und ich liebe es, diese Widersprüche auszuleben. Alle Unsicherheiten und Zwänge abzuwerfen und einfach Ich zu sein – echt und raw.“

Der direkte Weg wäre für die junge, 25-jährige Wahl-Berliner Lady kurz gewesen. Luftlinie liegen nur wenige Meilen zwischen zweitem Album und Debüt, zwischen dem Londoner Stadtteil Kensaltown und den ehemaligen Sleeper Sounds Studios, in denen Femme Schmidt 2011 gemeinsam mit Robbie Williams’ Erfolgsproduzent Guy Chambers ihr selbstbetiteltes Debüt schrieb, aufnahm und produzierte. Doch die Route von einem Album zum nächsten führt selten nur geradeaus. Nach der Veröffentlichung ihres Debüt-Albums spielte Femme Schmidt ausgedehnte Clubtouren in Deutschland, eine Arena-Tour in Australien als Support von Sir Elton John, dazu Shows in Paris und Wien als Gast von Lionel Richie.

Zuletzt begleitete sie Pop-Ikone Bryan Ferry auf dessen Deutschland-Tournee. Den größten Bogen aber schlug Femme Schmidt auf der Suche nach dem richtigen Umfeld für neue Ideen und neue Songs. Ganz bewusst: „Jedes Album ist wie eine Reise mit einem unbekannten Ziel. Guy und ich kannten uns zu gut, um etwas aufregend Neues zu erschaffen, zumindest war das mein Gefühl. Ich musste raus aus meiner comfort zone.“

Vom heimatlichen Berlin aus ging es erneut um die halbe Welt. Femme Schmidt arbeitete und schrieb mit renommierten Größen wie John Ingoldsby, Peter Vettese und Eurythmics-Mastermind Dave Stewart genauso wie mit eher den Insidern bekannten Songschreibern. „Es entstanden viele Songs, die auf ihre Art und Weise großartig sind – aber das, was ich für mein neues Album suchte, ist mir auf der Reise nicht begegnet: Mein Partner in Crime. Diesen fand ich schließlich in James Bryan, mit dem ich in den Kensaltown Studios als ersten Song ,To The Edge‘ schrieb. Dieser Song beschreibt passend, dass man etwas wagen muss, um Neues zu schaffen; den Sprung ins Unbekannte – in der Hoffnung, dass dort irgendjemand ist, der einen auffängt.“

Femme Schmidt: Die rattenscharfe Diva des Pop Noir meldet sich zurück

Schmidt ließ sich auffangen. Von James Bryan, mit dem Femme Schmidt den Großteil der Songs des neuen Albums  schrieb. Von Glen Scott, der federführend die Produktion übernahm, in Kooperation mit dem Hamburger Produzenten Andreas Herbig. Und von der Studio-Gemeinschaft in Martin Terefes Kensaltown Kreativ-Komplex im Zentrum von London. Komplettiert wurde das “Raw-Team” schließlich durch den mehrfachen Grammy-Gewinner Michael Brauer, der in den Electric Lady Studios in New York das finale Mixing übernahm.

Femme Schmidt nahm sich für ihr zweites Album Freiheit und Zeit, vertiefte sich intensiv in Ideen, Songs und Sounds. Und das Ergebnis entspricht ihr deutlich hörbar: Schmidts Stimme ist markant wie zuvor, doch ihren Pop Noir legt sie auf dem Album ‘Raw’ deutlich rauer, direkter und energiegeladener an. Und anders als auf ihrem Debüt war nun nicht mehr der Herzschlag einer Metropole erste Inspirationsquelle, sondern vor allem ihr eigener: „Die persönliche Reise der letzten zwei Jahre hat vieles in mir verändert. Ich beobachte mittlerweile weniger das Drumherum, ich konzentriere mich vor allem auf mich. Bei meinem Debüt war ich noch der Voyeur und habe alles von außen betrachtet und beschrieben. Jetzt bin ich mitten drin.“

FEMME SCHMIDT RAW Tour 2016

02.03.2016 HAMBURG – Mojo
03.03.2016 KÖLN – Stadtgarten
04.03.2016 MÜNSTER – Jovel
10.03.2016 HANNOVER – Musikzentrum
11.03.2016 LUDWIGSHAFEN – dasHaus
16.03.2016 BERLIN – Lido
17.03.2016 MÜNCHEN – Technikum
18.03.2016 STUTTGART – Im Wizemann
19.03.2016 FREIBURG – Jazzhaus
26.05.2016 GÖTTINGEN – Musa
27.05.2016 KOBLENZ – Café Hahn
28.05.2016 BAD HOMBURG – Kurtheater – WOTW-Festival

Femme Schmidt: Die rattenscharfe Diva des Pop Noir meldet sich zurück

Fotos: Gabriel Everett