Samstag, 30. Januar 2016, 19:16 Uhr

"Der Bunker" im Kino: Wie man den Sohnematz auf die Härten des Lebens vorbereitet...

Seit letzter Woche ist der Film ‘Der Bunker’ in den deutschen Kinos. Er feierte seine Premiere auf 65. Berlinale letztes Jahr und war auch eines der eines der Highlights des Fantasy Filmfestes 2015. Ko-Produzent ist übrigens ‘Lindenstrassen’-Erfinder Hans Wilhelm Geißendörfer.

"Der Bunker" im Kino: Wie man den Sohnematz auf die Härten des Lebens vorbereitet...

Kritiker zeigen sich noch immer ganz begeistert. ‘Der Spiegel’ urteilt beispielsweise: “Als hätte David Lynch ein Drehbuch von Helge Schneider verfilmt”. Der ‘Rolling Stone’ schrieb “Sehr, sehr komisch”. Die renommierte US-Filmseite ‘Vollider’: “Einzigartig” und das australische Kinoportal ‘Filmink’ sagt “Geistesgestört!”. Zeit, den grotesken Film näher vorzustellen. Denn das ist hier genau richtig.

Ein ehrgeiziger Student quartiert sich als Untermieter bei einer merkwürdigen Familie ein, die ihren ziemlich seltsamen, Sohn Klaus zuhause in ihrer unterirdischen Bunkerwohnung unterrichtet… ‘Der Bunker’ ist eine düstere, verstörende und witzige Geschichte über hohe Ansprüche, Familie, Bildung und Bindung.

Regisseur Nikias Chryssos über sein Regiedebüt: „Im Bunker treffen zwei Arten von extremen Ehrgeiz aufeinander: Die großen Hoffnungen, die die Eltern an ihren Sohn Klaus setzen, und die Ansprüche, die der Student an seine wissenschaftliche Arbeit und sich selbst stellt. Mich interessierte, inwiefern eine Familie als eine Art religiöse Gemeinschaft funktionieren kann, nachdem mich die Recherche für ein anderes Projekt zu Sekten wie Scientology, den Sonnentemplern und Jonestown geführt hatte. Manchmal sind Familien, die auf den ersten Blick völlig normal wirken, tatsächlich kleine totalitäre Systeme, die wie Terrorregime geführt werden. Das familiäre Umfeld verwandelt sich in etwas, das einem Horrorfilm gleicht und in dem die Kinder als schwächste Glieder am meisten betroffen sind.”

"Der Bunker" im Kino: Wie man den Sohnematz auf die Härten des Lebens vorbereitet...

“Klaus ist dabei der Inbegriff eines Jungen, der von seinen Eltern nicht losgelassen wird. Die Frage, die ich daran spannend finde, ist, wie man junge Menschen am besten auf die Unwägbarkeiten des späteren Lebens vorbereiten soll. Wie sehr sollten Schulen, Eltern, Universitäten ihre Schüler schützen und fördern, und wie sehr sollten sie sie dazu zwingen, sie abzuhärten? Was gilt noch als Motivation und Förderung, und was bereits als zu großer Druck? Sind Strenge, Disziplin und Angst eine Notwendigkeit? Ich wollte aber kein typisch deutsches Sozialdrama darüber erzählen. Ich wollte den Film immer offen lassen, die Geschichte nicht in ein bestimmtes Genre zwängen und stattdessen lieber eine eigene kleine Welt erschaffen, die sich irgendwo zwischen absurder Komödie, Horror, Melodram und B-Movie bewegt: Ein rätselhaftes ‘Gruselkabinett’ und gleichzeitig auch eine spielerische Referenz an die Art von Filmen, die ich mag.”

"Der Bunker" im Kino: Wie man den Sohnematz auf die Härten des Lebens vorbereitet...

Und darum geht’ds: Der kleine Klaus wird von seinen Eltern zuhause in einem unterirdischen Bunker unterrichtet, der im tiefsten Wald gelegen ist. Der Vater fungiert als Hauslehrer und verteilt die Strafen, die Mutter die Belohnungen. In diese scheinbare Idylle quartiert sich ein junger Student als Untermieter ein, um sich in Ruhe und Abgeschiedenheit auf eine höchst wichtige wissenschaftliche Arbeit zu konzentrieren. Die Gastfamilie empfängt ihn mit großer Freundlichkeit, anfangs scheint alles gut. Doch nach einer Weile spannen die Eltern den Studenten mehr und mehr als Hauslehrer für ihren achtjährigen Sohn Klaus ein, der bisher exklusiv vom Vater unterrichtet wurde. Der Junge soll eine umfassend gebildete Persönlichkeit und am besten später Präsident werden.

Während der Student immer weniger dazu kommt, sich um seine eigene Arbeit zu kümmern, zeigen sich in der familiären Fassade bald Risse. Ein höchst neurotisches Beziehungsgefüge kommt zum Vorschein, unter dem vor allem der kleine Klaus leidet. Von den maßlosen Ansprüchen der Eltern völlig überfordert, bleibt ihm kein Platz für Spiel und Ausgelassenheit. Als der Student sich mit ihm gegen die herrischen Eltern verbrüdert, droht die Situation zu eskalieren…

"Der Bunker" im Kino: Wie man den Sohnematz auf die Härten des Lebens vorbereitet...

In der Hauptrolle des achtjährigen „Klaus“ ist der deutsche Schauspieler Daniel Fripan zu sehen, der 1984 wurde. Im Jahr 2000 schaffte er seinen Durchbruch mit ‚Alaska.de‘ im Kino. In den Jahren darauf folgten zunächst mehrere größere TV-Angebote. 2008 bis 2015 arbeitete Daniel Fripan auch viel für Kinoproduktionen und mit namhaften Regisseuren wie Marco Kreuzpaintner (Karat), Dani Levy (Deutschland 09), Philip Koch (Piucco) oder Christian Schwochow (Der Turm).

Mit dem Film ‚Hochhaus‘ von Nikias Chryssos wurde Daniel 2006 in die Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ der Berlinale eingeladen. Der Rest ist hier erzählt.

"Der Bunker" im Kino: Wie man den Sohnematz auf die Härten des Lebens vorbereitet...

"Der Bunker" im Kino: Wie man den Sohnematz auf die Härten des Lebens vorbereitet...

Fotos: Bildstörung