Donnerstag, 04. Februar 2016, 22:58 Uhr

Filmkritik "The Forest": Horch, was kommt von draußen rein

Regie-Debütant Jason Zada schafft in “The Forest” eine tolle gespenstische Atmosphäre: eine ortsfremde Amerikanerin in Japan, die sich trotz mehrfach und sehr eindringlichen Warnungen vor einem “Selbstmörderwald” mit renitent-boshaften Geistern mit zwei fremden Männern auf die Suche nach ihrer Zwillingsschwester macht.

Filmkritik "The Forest": Horch, was kommt von draußen rein

Hier die Ansage für die Freunde des gepflegten Horrors: Andere Länder, andere Sitten. In Japan, in der Nähe des Natioanlheiligtums Fuji gibt es ein Naturreservat, in dem es ausdrücklich gestattet ist, sich nach allen Regeln der Kunst das Leben zu nehmen.

Sara (Natalie Dormer) und Jess sind eineiige Zwillinge und haben diesen Draht zueinander: der eine Zwilling fühlt, was mit dem anderen los ist, in guten wie in schlechten Tagen. Sara, glücklich verheiratet und in der amerikanischen Mittelschicht angekommen, ist nach einer durchträumten Nacht ernsthaft beunruhigt. Ein Alptraum hat sie kräftig durchgeschüttelt, in dem ihre Schwester um Hilfe ruft und vor etwas in wilder Panik davonläuft. Sara kann den Traum nicht ignorieren und macht sich auf den Weg nach Tokio, wo die Schwester als Englischlehrerin arbeitet. Sie erhält von der Schulleitung die Auskunft, dass das Schwesterherz den mysteriösen Aokigahara-Wald betreten haben soll, um Selbstmord zu begehen. Dieses sehr merkwürdige Kulturgut wird in Japan seit vielen Jahrhunderten gepflegt. Entsprungen ist es der Annahme, dass “überflüssige und nutzlose Esser” dort einfach abgeladen werden können und wahlweise verhungern oder sich eben selbst meucheln dürfen.

Kein Wunder also, dass es heißt, dass die Geister der Toten immer nachts zurückkehren. Ungünstig ist aber, dass der Wald auch ein äußerst beliebtes Ausflugsziel für unvoreingenommene  Menschen jeden Alters ist. Der riesige, wirklich hinreißende schöne Park legt sich um den Fuji. Es gibt Wanderwege und naturbelassene Gebiete, vor deren Betretung in allen gängigen Sprachen auf Schildern ausdrücklich gewarnt wird. Einen Flug später zuckelt Sara ihren Rollkoffer durch diesen Wald, checkt in einer Art Jugenherberge ein, trinkt am Abend mit einem Fremden (Lady-Gaga-Verlobter Taylor Kinney) an der Bar und schwupp, am darauffolgendem Tag ist sie mit eben diesem Mann, Aiden, der sich als Journalist entpuppt hat und seinem Scout Michi (Yukiyoshi Ozawa) wie auf einem Wandertag mit leichtem Gepäck und bei schönstem Wetter in den Selbstmörderwald unterwegs.

Filmkritik "The Forest": Horch, was kommt von draußen rein

Michi ist eine Art Selbstmordwache, er läuft immer ein bestimmtes Gebiet nach Plan ab und wenn er auf andere – (noch) lebende – Menschen trifft, spricht er sie besser an. Bei den Toten markiert er die Position und gibt diese den Forstarbeitern weiter; die Leichen werden dann eine Zeitlang im Keller der schnuckeligen Jugendherberge aufbewahrt. Die Drei suchen und rufen und Sara spürt immer eindringlicher, dass ihre Schwester hier irgendwo sein muss. Als Michi nach Stunden der Suche zur Rückkehr mahnt, trifft Sara eine Entscheidung.

Und von da an bestimmen die Gesetze des Geister-Waldes wo es langgeht – und mit dem Einbruch der Nacht geht es los…

Filmkritik "The Forest": Horch, was kommt von draußen rein

Wie oft gab es schon tolle japanische Horrorfilme, mit denen Hollywood dann für das westliche Publikum haargenau mit demselben Stoff mit Stars der westlichen Welt nochmal ganz groß Kasse machte? Jedem fällt sofort “The Ring” zu diesem Thema ein. “The Forest” schiebt dieser Art von Kopier-Manie gleich den Riegel vor, in dem er US-Schauspieler in Japan in besagtem “Forest” verschwinden lässt. US-amerikanischer Cast, japanische Location; “The Forest” ist sozusagen ein “Zwei-in-eins-Horrorfilm”. (Kathrin Wessel)

Fotos: Tobis