Matthias Matschke spielt den geheimnisumwitterten Uwe Barschel

Samstag, 6. Februar 2016, 20:06 Uhr


Einen der wohl spektakulärsten Fälle der bundesdeutschen Zeitgeschichte nicht als Doku-Fiktion oder Bio-Pic aufzuarbeiten, sondern als Genrefilm in einem packenden Polit-Thriller zu erzählen, macht den Film ‚Der Fall Uwe Barschel‘, der heute in der ARD läuft, so besonders.

Matthias Matschke spielt den geheimnisumwitterten Uwe Barschel

Der ehrgeizige Politiker legte einst eine steile Karriere hin. Mit 27 Jahren hat er zwei Doktortitel, mit 35 Jahren wird er Minister, mit 38 Jahren wird er Ministerpräsident von Schleswig-Holstein und sogar als Kanzlerkandidat gehandelt. Am 31. Mai 1987 überlebt er als einziger einen Flugzeugabsturz. Nachdem Uwe Barschel der Lüge überführt wurde, tritt er am 2. Oktober 1987 von seinem Amt des Ministerpräsidenten zuru?ck.

Am 11. Oktober wird Uwe Barschel tot in der Badewanne seines Zimmers im Hotel „Beau Rivage“ aufgefunden. Uwe Barschel bleibt eine der geheimnisumwittertsten Personen – sei es aufgrund der Umstände seines Todes, seiner Verbindungen zu diversen Geheimdiensten oder seiner Verstrickungen in illegale Waffengeschäfte. Bis heute hält der BND die Akte Barschel unter Verschluss.

Barschel wird Matthias Matschke gespielt, auf dem Foto oben mit seiner Freundin, der Opernsängerin Theresa Kronthaler). Er wurde bekannt u.a. durch die Comedyserien ‚Ladykracher‘ und ‚Pastewka‘, spielte danach in vielen Krimis und Fernsehfilmen.

Wie nähert man sich einer so komplexen Figur, deren Todesursache bis heute ungeklärt ist?
Uwe Barschel ist ein Phänomen. Er wirkte rastlos, mitunter fahrig und gleichzeitig fokussiert und strebsam bis zur Übererfüllung. Ich habe mich in der Arbeit immer wieder gefragt, woher dieses Getriebene kommt: Wie greift man jemanden, der stets dem eigenen Bild hinterherläuft, so als wu?rde er sich selbst nachahmen? Das war sozusagen mein Ansatz. Ich habe sehr viel Videomaterial gesichtet. Die Selbstinszenierung Barschels, seine Home Stories, die Wahlkampfauftritte und der öffentlichkeitswirksame Kontakt mit den Bürgern wirken aus unserer medialisierten Sicht noch sehr naiv. Aber gerade darin, in den offenliegenden Strukturen der Akkumulation von Macht, lag mein Zugang zu Barschel.

Matthias Matschke spielt den geheimnisumwitterten Uwe Barschel

Wie wichtig ist für Sie die filmische Auseinandersetzung mit politischen Persönlichkeiten aus der ju?ngeren deutschen Geschichte?
Die Affäre Barschel war der erste wirkliche Skandal der Bundesrepublik,ohne dass das Dritte Reich dabei eine Rolle gespielt hat. Zuvor waren die Naziverbindungen von Politikern und öffentlichen Personen der Grund für Skandale: Als die Machenschaften in Schleswig-Holstein publik wurden, war ich in dem Jahr vor meinem Abitur. Ich war nachhaltig erschüttert in meinem Vertrauen in den Staat, in dem ich lebte. Da sich nach und nach herausstellte, dass Barschel nicht der einzige Politiker gewesen war, der die Wahrheit nach seinen Interessen definiert hatte. Die Politiker von West- und Ostdeutschland in den 80er Jahren vor der Wende werden zunehmend in den Fokus der Auseinandersetzung geraten. Diesen Teil unserer Geschichte gibt es filmisch noch zu entdecken.

Matthias Matschke spielt den geheimnisumwitterten Uwe Barschel

Was für eine Art Film ist ‚Der Fall Barschel‘ und wie aktuell kann das Thema noch sein?
‚Der Fall Barschel‘ ist ein Schneeball, der in einer Lawine endet. Die Protagonisten werden mehr und mehr mitgerissen und verlieren sich in der unerbittlichen Kraft der Avalanche. Ich glaube, unser Film stellt eine simple Frage: Jeder weiß um das Ende Barschels, jeder kennt das Badewannenbild, und eigentlich liegen alle Puzzleteile da, aber wir schaffen es nicht, sie zusammenzusetzen. Können wir nicht oder sollen wir es nicht?

Interview: ARD, Fotos: ARD Degeto/Stephan Rabold, h



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