Montag, 08. Februar 2016, 20:22 Uhr

69 Tage Hoffnung: Antonio Banderas ganz unten

2010 richteten sich die Augen der gesamten Welt auf Chile, als dort beim Einsturz einer Gold- und Kupfermine 33 Bergleute lebendig begraben wurden. In den folgenden 69 Tagen bemühte sich ein internationales Team verzweifelt und unermüdlich, die eingeschlossenen Männer zu retten.

69 Tage Hoffnung: Antonio Banderas ganz unten

Unterdessen warteten in banger Hoffnung nicht nur ihre Familien und Freunde, sondern Millionen Menschen, die sie gar nicht kannten. Doch 200 Stockwerke unter der Erdoberfläche wurde die Zeit aufgrund mangelnder Verpflegung sehr schnell knapp. Der Film erzählt eine Geschichte von Durchhaltevermögen, persönlicher Verwandlung und dem Triumph der Menschlichkeit – in den tiefsten Abgründen der Erde erleben wir die privaten Schicksale und die seelische Belastung der im Stollen gefangenen Männer, die großen Mut aufbrachten und sich einfach weigerten aufzugeben.

Die packende, wahre Geschichte der Bergungsaktion entstand in Zusammenarbeit mit den tatsächlichen Bergleuten, ihren Familien und ihren Rettern. ’69 Tage Hoffnung’ schildert erstmals die persönlichen Erfahrungen und an Wunder grenzenden Ereignisse auf und unter der Erdoberfläche – nichts Geringeres als ein globales Phänomen.

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In der Hauptrollen u.a. Antonio Banderas und Juliette Binoche. Die Verfilmung basiert auf dem Buch “Deep Down Dark: The Untold Stories of 33 Men Buried in a Chilean Mine, and the Miracle That Set Them Free” des US-Journalisten Hector Tobar. „69 Tage Hoffnung“ startet am 11. Februar 2016 in die deutschen Kinos.

Der hochkarätig besetzte, aber konventionell inszenierte Spielfilm der mexikanischen Regisseurin Patricia Riggen erzählt diese bewegende Rettungsaktion durchaus berührend nach, und setzt dabei vor allem auf die Strahlkraft seiner renommierten Darsteller. Fragen nach der Schuld und politischen Verantwortung für das Unglück klammert dieses Heldenepos, zu dem der 2015 verstorbene «Titanic»-Komponist James Horner die pathetische Filmmusik geschrieben hat, weitgehend aus.

69 Tage Hoffnung:  Antonio Banderas ganz unten

Allen voran ist es natürlich Antonio Banderas, der in der Rolle des charismatischen Leitwolfs Mario Sepúlveda das Grubendrama dominiert. Dieser Bergmann ohne Furcht und Tadel hält die Gruppe der Eingeschlossenen zusammen und verteilt gerecht die spärlichen Essensrationen, bestehend aus etwas Milch und Dosen-Thunfisch. Dieser “Super-Mario”, wie ihn die Presse getauft hat, hat stets den nötigen Lebensmut und Optimismus parat, der den anderen Kumpel im Laufe der quälend langen Tage unter Tage langsam abhandenkommt. Zwangsläufig wirken die anderen Eingeschlossenen neben diesem strahlenden Protagonisten fast wie Statisten.

Über Tage kämpft derweil ein Team von Experten mitten in der Atacama-Wüste mit Spezialbohrern darum, die Eingeschlossenen zu befreien. An dieser Front darf dann der Ire Gabriel Byrne als Rettungsleiter Andre Sougarret glänzen, unterstützt von dem sehr verständnisvollen Ministeriumsbeamten Laurence Golborne, gespielt vom Frauenschwarm Rodrigo Santoro. Ihnen zur Seite steht dann noch Haudegen James Brolin als US-amerikanischer Katastrophenhelfer.

69 Tage Hoffnung:  Antonio Banderas ganz unten

Angetrieben werden die Männer von den Familienmitgliedern der Kumpel, die sich im «Camp der Hoffnung» direkt an der Grube zusammengefunden haben. Als unerschrockene Wortführerin Maria Segovia geht Oscarpreisträgerin Juliette Binoche auf die Barrikaden. Ein bisschen Humor blitzt auf, wenn sich Ehefrau und Geliebte eines Kumpel in die Haare kriegen.

Aber leider fehlen die kritischen Zwischentöne. Riggens heroisches Drama, in dem das Unglück in der uralten Kupfer- und Goldmine “San José” wie ein Naturereignis daherkommt, interessiert sich nicht für die Schlamperei der Bergwerksbetreiber, die Profit weit über Grubensicherheit gestellt hatten. Auch die Instrumentalisierung des Unglücks durch die Politiker wird nicht hinterfragt, der Präsident darf sich im Glanze des fürsorglichen Landesvaters sonnen.

69 Tage Hoffnung:  Antonio Banderas ganz unten

Während des Abspanns sehen wir zum ersten Mal die echten Bergleute am Strand. Sie feiern und umarmen sich, aber in ihre Gesichter hat sich das Trauma der 69 Tage eingeschrieben. Grund zum Jubeln haben sie nicht: Erst zum vierten Jahrestag der Rettung hat die Regierung Chiles jedem der 33 eine monatliche Rente von gut 400 Euro zugesprochen, die Hälfte ihres Einkommens als Arbeiter in der Mine. (KT/dpa)

Fotos: Warner Bros.