Sonntag, 14. Februar 2016, 10:49 Uhr

"Die versteckte Kamera" scheitert grandios und so drischt die Presse drauf

Das Gute vorweg: Von dieser Show, bei der gestern Abend 3,62 Mio zusahen, soll es wirklich nur eine pro Jahr geben! Was das ZDF gestern Abend den Zuschauern zumutete war unter aller Kanone. Die erste Garde deutscher Schauspieler trat bei “Die versteckte Kamera 2016” an, um drei Stunden lang das Fernsehpublikum zu erheitern.

"Die versteckte Kamera" scheitert grandios und so drischt die Presse drauf

Doch diese Beiträge (u.a. auch mit Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz) waren entweder grottenschlecht oder geklaut von Youtube oder alten ‚Verstehen sie Spaß?’ Filmchen. Völlig zu recht drischt die deutsche Presse auf die Show ein – mal abgesehen von dem berechtigten Shitstorm im Internet. Verhältnis mäßig milde kam Ex-ProSieben-Modeator Steven Gätjen davon, der diesen abgestandenen Mist mit seiner ersten ZDF-Show präsentieren mußte.

Nicht nur die Jury-Urteile kamen reichlich verlogen daher, sondern man fragt sich: wozu braucht es eine Jury (Schweiger, Lauterbach, Kebekus) mit Schauspielern, die entgegen ihres (hoffentlich) eigenen künstlerischen Anspruchs alle acht ideenlosen Filme der Kollegen toll fand? Am Ende stimmten ja doch die Zuschauer ab. Sämtliche , der altbackenen Filme wirkten so, als hätten die Opfer ihre Rollen einstudiert. Und: Wieso muß eigentlich in deutschen Fernsehshows immer (und überhaupt) einer gewinnen? Aber der Reihe nach.

"Die versteckte Kamera" scheitert grandios und so drischt die Presse drauf

Unter der Überschrift „‚Versteckte Kamera‘ mit Gätjen: Lass es eine Parodie sein“ schrieb die ‚Süddeutsche Zeitung‘: „Niemand ist auf die Bühne gekommen und hat gesagt, dass all das zuvor Erlittene eine einzige Verlade war, dass man den Zuschauern drei Stunden und sieben Minuten lang muffiges 80er-Jahre-Entertainment als vermeintlich frische Unterhaltungsware angedreht hat, als Parodie vielleicht oder als Protest gegen den Druck, immer wieder Neues erfinden zu müssen. Einfach mal was Steinaltes als neu ausgeben, so tun, als könne man im ZDF noch große Show. Das wäre wenigstens eine Idee gewesen.

‚Die Welt‘ schreibt: „Wer kommt ernsthaft auf die Idee, eine solche Sendung über drei (!) Stunden laufen zu lassen? Der Zuschauer hatte längst kapiert, wer gerade wie reingelegt wird und worin die Pointe besteht, da war das Filmchen nicht mal zur Hälfte rum. Willkommen im Jahr 2016, ZDF!“

"Die versteckte Kamera" scheitert grandios und so drischt die Presse drauf

‚Der Focus‘ urteilt: „Wie viele ZDF-Kreative haben eigentlich ihre Köpfe zusammengesteckt, um eine Idee zu entwickeln, die es in Deutschland seit über 50 Jahren gibt? (…) Das Setzen auf Wettbewerbselemente und zum Teil leicht verstaubte Prominenz macht aus dem „Menschen-reinlegen-und-dabei-heimlich-filmen“-Ding noch lange keine prickelnde Unterhaltung. Schon die Auswahl der Prominenz belegt, dass der Sender vor allem eines wollte, keinen schlimmen Fehler machen. Großes Kino ist das nicht und überdies so altbacken, als wolle der Sender seine Fuß lahme Zielgruppe noch ein letztes Mal mobilisieren.“

Der Branchendienst ‚DWDL.de‘ meint: „Man hätte glatt denken können, es handle sich um eine Show aus grauen Vorzeiten des Fernsehens, so behäbig und langatmig kam die Neuauflage des TV-Klassikers über weite Strecken daher. (…)Dass am Ende ausgerechnet Fernsehkoch Nelson Müller für die Inszenierung des geklauten Hunde-Filmchen von den Zuschauern zur Nummer eins gewählt wurde, sagt nicht nur viel aus über die anderen Streiche mit versteckter Kamera, sondern verleiht der Show eine besondere Tragik, immerhin wollte das ZDF doch den Eindruck erwecken, die prominenten Filmemacher seien höchstselbst auf die Idee ihrer Streiche gekommen.“

"Die versteckte Kamera" scheitert grandios und so drischt die Presse drauf

‚Die Frankfurter Neue Presse‘ schreibt: „Beurteilt wurden die von den Prominenten präsentierten Filme von einer dreiköpfigen Jury aus Til Schweiger, Carolin Kebekus und Heiner Lauterbach. Die Jury machte nicht wirklich Sinn, da es am Ende der Zuschauer war, der den besten Film per Telefon wählen sollte.“

Der Branchendienst ‚Meedia‘ zeigt sich ebenso enttäuscht: „Die Wiederbelebung der “Versteckten Kamera” fiel im ZDF nicht nur bei den Kritikern durch, auch die Quoten sehen nicht so aus, wie sich der Sender das erhofft hatte. 3,62 Mio. Seher entsprachen nur 12,0%.“

"Die versteckte Kamera" scheitert grandios und so drischt die Presse drauf

Die ‚Berliner Morgenpost’ urteilt: „Ex-ProSieben-Mann Steven Gätjen sollte sie eigentlich retten, die Samstagabend-Unterhaltungsshow. Stattdessen dürfte er sie ausgerechnet bei seiner ZDF-Premiere dank nicht durchdachtem Konzept und unlustiger Ideen noch tiefer in die Krise gestürzt haben. Allein hat er die Sendung allerdings nicht an die Wand gefahren. Til Schweiger hat kräftig geholfen. (…) Statt auf innovative Ideen zu setzen, hechelt der Sender alten Erfolgsgaranten hinterher oder versucht, erfolgreiche Shows zu kopieren.“

Der Branchendienst ‚Quotenmeter’ nennt die Sendung „Fernsehen aus dem T-Rex-Zeitalter“. Weiter heißt es: „Eine tragische Note hat dies vor allem für Steven Gätjen: Stand er noch vor knapp zwei Monaten für eines der kreativsten Formate des deutschen Fernsehens, präsentierte er nun einen TV-Anachronismus.“

"Die versteckte Kamera" scheitert grandios und so drischt die Presse drauf

Foto: ZDF/Patrick Seeger