Sonntag, 14. Februar 2016, 13:35 Uhr

Parson James: "In diesem Jahr wird man noch viel von mir hören"

Mit Parson James startet ein neuer Singer-Songwriter durch, der sich schon jetzt problemlos mit Größen wie Sam Smith, James Morrison oder auch Ed Sheran vergleichen kann. Im letzten Jahr ging es für den 24-Jährigen mit seiner Single ‘Stole The Show’ zusammen mit Kygo von 0 auf 100. Jetzt will der Mann aus den Südstaaten als Solist durchstarten. klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis hat sich mit ihm zum Talk getroffen.

Parson James: "In diesem Jahr wird man noch viel von mir hören"

Hast du eine besondere Beziehung zu Deutschland?
Ich würde sagen ja. Beispielsweise stammen die Vorfahren meiner Mutter aus Deutschland. Meine persönliche Erinnerung von Deutschland ist etwas tragisch. Ich sollte letztes Jahr bei „Germanys next Topmodel“ auftreten und kurz bevor wir auf die Bühne gehen sollten gab es einen Bombenalarm und die ganze Arena musste evakuiert werden. Ich musste dann gehen und musste wegen einem anderen Termin auch wieder Deutschland verlassen. Dieses Mal hier  ist es aber viel besser. (lacht)

Du beschreibst deine Musik ganz dramatisch als „Conflicted Pop Gospel“. Warum eigentlich?
Ich schreibe sehr viel über Selbstreflektion. Viel handelt von den beiden Seiten in mir. Als ich aufwuchs, trug ich deshalb sehr viele Konflikte in mir. Das hat schon mit meinem familiären Hintergrund und der Gegend zu tun, in der ich aufwuchs. Ich bin das Kind einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters. Das hatte schon sehr großes Konfliktpotenzial, da beide Familienseiten ziemlich rassistisch waren. Es war also nicht ganz einfach. Als ich das Album geschrieben habe, ist mir bewusst geworden, wie sehr mich diese Zeit geprägt hat.
Daher das Wort „Conflicted“. Meine Musik beinhaltet auch sehr viele Gospelelemente, was auch sehr für die Gegend spricht, aus der ich stamme. Ich wurde sehr durch die Kirche geprägt und habe immer viel Gospel gehört. Durch Gospel habe ich auch meine ersten Auftritte im Chor gehabt. Diese Einflüsse sind in meiner Musik nicht zu überhören. Dennoch ist es sehr poppig. Da meine Musik sehr Genre-Übergreifend ist, habe ich sie so getauft.

In Kürze erscheint deine EP. Man findet auffallend wenig Infos dazu …
Das ist durchaus beabsichtigt. Den Titel verrate ich auch noch nicht. Auf der EP verarbeite ich sehr viele persönliche Erlebnisse. Die Essenz der EP verstehe ich als eine universelle Nachricht, dass man sich selbst einfach feiern sollte. Man sollte verinnerlichen, dass man es im Leben nie allen recht machen kann. Ich glaube, Ehrlichkeit ist eine Sache, die das Album sehr gut beschreibt. Beim Durchhören wird das klar.

Werden Features auf dem Album sein?
Das ist noch nicht ganz klar. Noch ist nichts fest, aber es könnte sich etwas ergeben.

Gibt es schon irgendwelche Pläne für einen weiteren Song mit Kygo?
Momentan nicht. Wir haben so einen starken Song zusammen und ich weiß nicht, wie natürlich das wäre, das auf Teufel-komm-raus zu wiederholen. So einen Song noch mal zu toppen wäre auch ganz schön schwer, denke ich. Wir haben aber schon mal darüber gesprochen. Wobei man dazu auch sagen muss, dass ich den Song alleine geschrieben habe und er ihn dann geremixt hat. Deshalb würde ich jetzt nicht unbedingt sagen, dass wir im klassischen Sinne zusammengearbeitet haben. Er ist ein brillanter Klavierspieler. Möglicherweise machen wir mal etwas in dieser Richtung zusammen. Aktuell möchte ich mich aber in erster Linie als Solist präsentieren.

Wie kam es eigentlich zur ersten Zusammenarbeit mit Kygo?
Ich habe „Stole The Show“ vor zwei Jahren geschrieben und ursprünglich war es eigentlich eine Ballade, die ziemlich langsam war, aber bei allen gut ankam. Eine Person, die bei meinem Label arbeitet, hat diesen Song an Kygos Management vorgespielt. Kygo hat mir daraufhin bei Facebook geschrieben und mir gesagt, wie toll er den Song findet. Daraufhin haben wir ein paar Monate an dem Song gearbeitet und er hat mir dann irgendwann die schnellere Version zugemailt, die man so kennt. Man kann also echt sagen, dass alles ganz natürlich entstanden ist.

Parson James: "In diesem Jahr wird man noch viel von mir hören"

Seitdem hat sich dein Leben sicher um 180 Grad gedreht …
Definitiv. Ich sehe seitdem viel mehr Flughäfen. (lacht) Vorher bin ich immer vor 10-20 Leuten aufgetreten. Mit diesem Song hat sich das echt total verändert. Mittlerweile spiele ich vor Hallen mit 15.000 Leuten. Das ist echt unglaublich. Alles in meinem Leben hat sich geändert und es macht auch alles Spaß. Ich bin echt für jeden Moment dankbar.

Was findest Du an deinem Fame am seltsamsten?
Wenn Fans weinen, wenn sie mich treffen. Das finde ich noch immer etwas seltsam. Wenn Fans zittern und weinen, dann macht mich das immer voll traurig und ich weiß dann auch immer noch so genau, wie ich reagieren soll.

Deine aktuelle Single „Temple“ handelt davor zu verstecken, wer man ist. Ist das ein Gefühl, das du kennst?
Ja, dort aufzuwachsen, wo ich es bin, war nicht so einfach. Mir fiel es schwer auszudrücken, wer ich bin. Durch meine Sexualität und meinen Ursprung fiel es mir da nicht leichter. Ich konnte mich damals nicht für das lieben, was ich war. Es hat sich damals so angefühlt, als ob ich nicht in mein Umfeld passen würde. In „Temple“ reflektiere ich selbst. Ich reflektiere darüber, den Wunsch zu haben einfach ich selbst sein zu können. Der Song endet mit dem stillen Sich-selbst-Feiern und selbst lieben zu können. Der Erkenntnis, dass es am Ende des Tages egal ist, was die anderen über einen sagen, denn sie formen einen nicht. Man muss einfach lernen sich in seiner eigenen Haut wohlzufühlen.

Dass du bei dir selbst angekommen bist und dich in deiner eigenen Haut wohlfühlst, merkt man, wenn man sich beispielsweise dein Instagram-Profil ansieht. Dort zeigst du dich sehr privat und postest auch Bilder mit deinem Freund. Ist deine Offenheit deiner Vergangenheit geschuldet?
Ja, ganz bestimmt. Das Schlimmste war damals einfach, dass ich mich nicht so ausdrücken konnte, wie ich das gerne wollte. Heute ist es mir nicht mehr so wichtig, was Leute über mich sagen. Instagram ist aber auch eine Sache für sich. Man hält Momente fest und teilt sie und genau das, tue ich.

Bekommst du auch schlechtes Feedback auf deine offene Art?
Natürlich. Wir haben 2016 und da sollte man eigentlich denken können, die Leute seien weiter. Leider ist das aber nicht immer der Fall. Es gibt immer irgendjemanden, der negativ ist und das in einer Art ausdrücken muss, damit diese sich auch schlecht fühlen. Ich bin gerade echt an einem Punkt in meinem Leben, in dem ich mich sehr wohl mit mir fühle und ich weiß, dass ich nichts tue, was der Welt schadet. Deshalb kann ich das getrost von meiner Schulter abschütteln.

Du beschreibst deinen Umzug nach New York als absolute Veränderung in deinem Leben. Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem du das realisiert hast?
Da gibt es einige Momente. Es ging eigentlich auch recht schnell. Alleine schon durch die Umgebung. Ich komme aus einem Kaff und schon aus diesem Umfeld auszubrechen, war der erste Schritt dahin. Alles, was ich seitdem gemacht habe wie Auftritte, die Suche nach einem Manager und alles Weitere habe ich als einen großen Schritt nach vorne gesehen. Ich denke, das letzte Jahr und der Song mit Kygo war der Moment, in dem ich mir gedacht habe “Wow, fas hat sich alles ausgezahlt“. Es ging alles so schnell und ist noch immer schwer für mich zu fassen.

Wie hat deine Mutter reagiert, als du dich – nachdem du nach New York gezogen bist – bei ihr geoutet hast?
Sie ist eine unglaublich tolle Frau. Ich hatte echt Glück. Nicht alle Leute bekommen diesen Zuspruch. Meine Mutter wurde beispielsweise von ihrer Familie auf die Straße gesetzt, als sie mich bekam, da ich einen schwarzen Vater habe. Sie weiß, wie es ist, wenn man von der eigenen Familie verurteilt wird und ihr war immer wichtig, dass ich nie dieses Gefühl zu spüren bekomme. Wir haben echt eine sehr enge Beziehung und reden mehrmals täglich. Ich war immer offen und ehrlich. Ihre Reaktion war eher: „Warum bist du damit nicht schon früher zu mir gekommen? Dich hat schon früher etwas bedrückt und das hat man dir in deinem Verhalten und deiner Art angesehen.“ Sie hat es auf jeden Fall gut aufgefasst und hat mich immer unterstützt.

Ist es deiner Meinung nach, immer noch eine große Sache in der Musikindustrie offen homosexuell zu sein?
Ich bekomme das nur sehr oberflächlich mit. Man hört nur immer mal wieder gewisse Dinge und manchmal auch von kleineren Problemen. Leider ist es noch immer ein Thema, da es einfach nicht so viele von uns gibt. Ich denke, dass das, was Sam Smith und ein paar andere damals gemacht haben, echt großartig war und die Reaktion darauf echt gut. Meiner Meinung nach hat das für mehr Offenheit in der Industrie gesorgt.

Durch deinen Erfolg hast du vermutlich schon alle Leute treffen können, die du immer mal kennenlernen wolltest. Wer hat dich am meisten inspiriert?
Da gab es einige. Spontan fällt mir da Tove Lo ein. Sie ist so eine gute Songschreiberin und hat so einen klaren Geist. Sie ist wirklich sehr inspirierend und arbeitet echt hart für ihren Erfolg. Wir haben uns kennengelernt, noch bevor alles so richtig losging.

Hast du deshalb ihren Song „Habits“ bei „BBC Live“ gecovert?
Ja, es ist aber auch ein unglaublich guter Song.

Wenn ein Film über dein Leben gedreht werden würde. Wie würde er heißen und wen würdest du darin spielen – außer dir selbst?
Vermutlich würde ich mich als Frau verkleiden und meine Großmutter spielen. Ich würde vermutlich sehr viel Zeit in der Maske brauchen, um wie eine 85-Jährige auszusehen. Ich glaube, das wäre wirklich eine sehr interessante Rolle. „A Sinner Like You“ würde der Titel lauten.

Und sonst so?
Dieses Jahr kommt von mir noch viel neue Musik. Sehr viele coole Projekte stehen an. Wir werden viel auf Tour sein – Konzerte und Festivals spielen – und die Musik bekannter machen. In diesem Jahr wird man noch viel von mir hören.

Fotos: Koury Angelo