Udo Lindenberg: Erstes Album seit acht Jahren

Mittwoch, 24. Februar 2016, 18:16 Uhr


Acht Jahre ist es her, dass Udo Lindenberg ein beispielloses, noch immer andauerndes Comeback mit seinem Album „Stark wie Zwei“ gelang, seinem ersten Nr. 1 Album im Laufe seiner nunmehr über 40jährigen Karriere. 2011 folgte dann das noch erfolgreichere Nr. 1 Album „MTV Unplugged – live aus dem Hotel Atlantic“.

Udo Lindenberg: Erstes Album seit acht Jahren

Dafür gab es 11 Mal Gold und 5 Mal Platin und zwei Echos, zudem katapultierte sich die Single „Cello“ auf Platz 4 der Single-Charts. Dazu kamen weitere Charterfolge mit Singles wie „Ein Herz kann man nicht reparieren“ (2011) und die Unplugged-Version „Reeperbahn 2011 (What It’s Like)“ im Jahr 2012. Überwältigend war auch der Erfolg der „Ich mach mein Ding“-Tournee im Jahr 2013, die zu den besten und aufwendigsten Shows gehörten, die ein deutscher Künstler je auf die Beine gestellt hat. Die daraus resultierende Live-DVD/Blu-ray/Audio-CD „Ich mach mein Ding – Die Show“ hielt sich wochenlang auf Platz 1 der DVD- und Platz 3 der Musik-Charts und erreichte Gold. Darauf folgte 2014 seine erste ausverkaufte Stadion-Tournee, 2015 die zweite und 2016 bildet den glanzvollen Abschluss der Stadion-Trilogie.

2016 ist das Jahr, in dem sich Deutschlands erfolgreichster deutscher Künstler, Ikone des deutschen Rocks mit einem neuen Studio-Album zurückmeldet: „Stärker als die Zeit“ erscheint am 29. April und enthält 15 lupenreine Lindenberg-Songs, die von Andreas Herbig, Henrik Menzel & Peter „Jem“ Seifert in Szene gesetzt wurden, die auch für „Stark wie Zwei“ als Produzenten verantwortlich zeichneten. Bereits am 26. Februar wird die Single „Durch die schweren Zeiten“ veröffentlicht und feiert gleichzeitig ihre Radiopremiere. Ab diesem Zeitpunkt kann auch das Album vorbestellt werden.

Neuen Stoff aus dem Studio lieferte der Musiker in den letzten Jahren kaum. Auf dem „Rock-Olymp“ sei die Zeit knapp geworden, sagt Lindenberg. Doch just bevor der Panikrocker im Mai dieses Jahres 70 Jahre alt wird – und damit ein Alter erreicht, das locker 20 Jahre über dem früher von ihm überhaupt erwarteten liegt, wie er sagt – will er es krachen lassen.

Nach Alkoholabstürzen und musikalischen Durststrecken, oft nur noch belächelt bis bemitleidet, dann noch einmal gelobt und gefeiert zurückzukehren – das habe den Druck und die Zahl der schlaflosen Nächte vor einem neuen Album ziemlich erhöht, sagt der Sänger. „Da geht es mir wie einem Stabhochspringer, der muss auch immer wieder mindestens genauso hoch auf der Messlatte, wenn nicht noch höher.“

Doch irgendwann habe er gemerkt: „Okay, ich bin jetzt ready für ’ne neue Platte.“ Themen und Ideen für neue Songs habe er gesucht – „investigativ wie ein ordentlicher Detektiv“. In Hamburg, wo Lindenberg Dauerbewohner des Hotels „Atlantic“ ist, in Berlin, seinem zweiten Zuhause, und auf Reisen, zumeist nach Los Angeles, sei er fündig geworden. Zusammengearbeitet habe er mit anderen Musikern, darunter häufiger die Söhne ehemaliger Kollegen.

Udo Lindenberg: Erstes Album seit acht Jahren

„Durch die schweren Zeiten“ etwa entstand unter anderem gemeinsam mit dem Sohn des Liedermachers Rolf Zuckowski, Alexander. Einen „sehr persönlichen Song“ und einen „Kumpel“ nennt Lindenberg, auf dessen Konto inzwischen 600 Lieder gehen, die erste Auskopplung. „Es geht um Freundschaft – für mich das höchste Gut. Darum, dass dir jemand zuverlässig zur Seite steht, auch wenn die Zeiten mal schwieriger werden, es rutschig wird.“

Solche Zeiten seien ihm ja bestens vertraut, „wenn ich unterm Kneipentisch schwer umnachtet meine Texte auf Bierdeckel gekritzelt habe, nur noch den Highligen Geist an meiner Seite»“ sagt er. „Ich kenne das Leben von oben bis unten, ich kenn die Unterwelt, ich kenn die Oberwelt.“ Eine Hymne auf „Freundschaft, Zusammenhalt und Komplizenschaft“ sei das Lied. Nach dem Motto: „Gemeinsam kriegen wir das gejuckt.“

Über die weiteren Titel auf seiner neuen Platte, die teilweise auch in den legendären Abbey Road Studios in London aufgenommen wurde, will Lindenberg noch nicht viel erzählen. „Wir sind auf den letzten Metern der Fertigstellung“, sagt er. Das große Thema des Albums sei auch wirklich groß: War „Stark wie Zwei“ dem Überleben gewidmet, soll es diesmal um nicht weniger als die „Unsterblichkeit“ gehen. Früher habe er geglaubt, „als ordentlicher Rockstar ist spätestens mit 50 Feierabend“. „Doch irgendwann dachte ich schon, es wäre doch ein bisschen schade drum, wenn die Nachtigall jetzt verstummt. Ist doch ein sehr schöner, privilegierter Beruf, den ich da habe.“

Dass er am 17. Mai 70 wird und trotz einst „diverser Wirkstoffe und dem ganzen Whisky-Gegurgel“ immer noch auftritt, ist für ihn ein „medizinisch-biologisches Wunder“. Vermutlich unterliege er ohnehin nicht der irdischen Zeitzählung, sagt der Sänger, „bin wohl mal von einem Meteoriten über Gronau runtergefallen, direkt ins Doppelkornfeld.“ Kurz nach dem 70. will er zu den letzten Shows seiner dreijährigen Stadion-Trilogie aufbrechen.

Udo Lindenberg: Erstes Album seit acht Jahren

„Was danach kommt? Abenteuer gehen weiter, dann werd ich wieder hinter die Horizonte gucken.“ Eine Abschiedstour käme für ihn nie infrage: „Mit neun Jahren habe ich angefangen mit der Musik und für mich war das immer ein klares Ding. Ich hatte keinen Plan B. Ich werde Musik machen, bis ich eines Tages auf der Bühne sterbe – in den Armen einer schönen Frau oder eines schönen Mannes.“ (KT, Dorit Koch, dpa)

Fotos: Tine Acke



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