Mittwoch, 02. März 2016, 20:17 Uhr

Filmkritik und Verlosung "13 Hours": Bluttriefende Heldenstory im libyschen Chaos

In vielen Hollywoodfilmen über US-Militäreinsätze wird der Zuschauer in das visuelle Gemetzel hineingezogen – teilweise bis jenseits der Schmerzgrenze. Mit ’13 Hours’ knüpft ausgerechnet der Popcorn-Kinoexperte schlechthin an diese Tradition an: Michael Bay (‘Transformers’).

Filmkritik und Verlosung "13 Hours": Bluttriefende Heldenstory im libyschen Chaos

Triefender US-Pathos ist da garantiert. Schon einmal machte sich Bay an die Darstellung einer Kriegsgeschichte auf der Kinoleinwand. Der hoch dosierte US-Patriotismus in ‘Pearl Harbour’ (2001) konnte manch nüchternem Betrachter doch etwas auf den Magen schlagen. Auch in ’13 Hours’ geht es um die Verteidigung amerikanischer Tugenden und den Kampf gegen das Böse, hier nachdem ein islamistischer Mob das US-Konsulat in Bengasi erstürmt hat. Das Motto des Films auf dem Kinoplakat: “Als alles schiefging, hatten sechs Männer den Mut, das Richtige zu tun.”

Protagonisten des Films sind sechs Sicherheitsleute, die zunächst nur eine CIA-Anlage schützen sollen. Als das in der Nähe befindliche Konsulat überrannt wird, machen sie sich auf den Weg, den Botschafter in Sicherheit zu bringen. “Keiner von euch muss mitkommen, aber außer uns kann niemand helfen”, sagt ihr Anführer. Selbstredend kommen alle mit auf ihre Heldenmission, die – titelgebend – 13 Stunden dauert. John Krasinski (‘The Office’) spielt eine der Hauptrollen.

In ‘Black Hawk Down’ irrten US-Amerikaner schwer bewaffnet durch Somalias Hauptstadt Mogadischu. Ridley Scott gelang ein packender Einblick in das Chaos eines gescheiterten Staats, in dem die USA den Überblick verlieren. In ’13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi‘, wie der Film komplett heißt, ist der Plot ähnlich: Hehre Absichten, die mit dem Besuch des US-Botschafters einhergehen, zerbrechen an der Realität. Libyen ist auch nach dem Sturz von Gaddafi weit entfernt vom Frieden, mehrere Milizen stehen sich verfeindet gegenüber.

Regisseur Bay konzentriert sich auf das, was er gut kann: die Inszenierung von Actionszenen. Die Ballerei wird von eher simplen Dialogen zusammengehalten. Wolle er in kurzen Hosen in die Schlacht ziehen, fragt einer der US-Söldner den anderen. “Coole Nummer”, findet der. Herzzerreißende Telefonate mit der Familie daheim in Amerika sollen verdeutlichen, wie groß das Opfer ist, das die Helden bei ihrer gefährlichen Mission bereit wären zu bringen.

Filmkritik und Verlosung "13 Hours": Bluttriefende Heldenstory im libyschen Chaos

In das Schwarz-Weiß-Denken der Filmemacher passt zudem, dass der lokale CIA-Chef geballt inkompetent ist und sich dafür am Ende sogar reumütig-weinend entschuldigt. Entweder Held oder Feigling, so die Sicht von Regisseur Bay und seinem Filmteam auf die US-Figuren. Wobei die Helden beim US-Personal doch deutlich in der Überzahl sind.

Der Mittelteil des Films lässt erahnen, dass in all dem Actionlärm eine Chance auf ein dramaturgisch dichtes Werk verpasst wurde. Fast schon orientierungslos ziehen die Söldner durch die Straßen Bengasis. Mal stoßen sie auf befreundete Milizionäre, mal auf Gegner, mal erweisen sich die Gegner als Freunde – und umgekehrt. Einer der Milizenführer will vermitteln – und ruft kurzerhand mit seinem Handy einen Gegner an. Woher er denn die Nummer habe, fragt irritiert ein US-Amerikaner. “Ich bin jetzt einer von den Guten, aber ich kenne auch die Bösen”, sagt der Libyer. Während der Gewaltexzesse von marodierenden Bewaffneten auf den Straßen sitzen Anwohner seelenruhig vor dem Fernseher und schauen Fußball, abgestumpft von der Gewalt.

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Ein Land, das völlig verroht – das hätte Grundlage sein können für eine große Leinwandgeschichte. Doch die Libyer bleiben bloß Statisten und Ziele wie in einem Video-Ballerspiel, mit dem sich die Söldner vor dem Gemetzel die Zeit vertrieben haben. Und so inszeniert Regisseur Bay, mal wieder, eine US-amerikanische Heldengeschichte. Simpel, blutig und sehr, sehr laut. (Wolf von Dewitz, dpa)


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Fotos: Paramount