Donnerstag, 10. März 2016, 16:28 Uhr

Filmkritik "Grüße aus Fukushima": Nicht ohne meinen Geigerzähler

Vor fünf Jahren, am 11. März 2011, setzte ein gewaltiges Seebeben und ein dadurch ausgelöster Tsunami an der Küste Fukushimas eine Kettenreaktion dramatischer Ereignisse in Gang, bei der auch das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi von dem Tsunami getroffen und von der Flutwelle überspült wurde.

Filmkritik "Grüße aus Fukushima": Nicht ohne meinen Geigerzähler

Das Leben von 170.000 Menschen in der Region Fukushima wurde von einem Moment auf den nächsten zerstört. Heute leben in der Region nur noch wenige, hauptsächlich alte Frauen.

Doris Dörrie schickt in ihrem ersten, komplett in Japan gedrehten Film eine verzogene deutsche Göre auf Erleuchtungstrip in das Katastrophengebiet in Fukushima. Für die Regisseurin ist Japan die große Passion schlechthin. Hier findet sie immer wieder ihre universellen Themen und hat den deutschen Kino schon so manche Perle geschenkt. Sie hat es wieder getan: nach so wunderbaren Filmen wie “Erleuchtung garaniert” oder “Kirschblüten – Hanami” ist die bekennende Japan-Verehererin wieder im Land der Morgenröte unterwegs gewesen. Aber was tun, wenn das Sehnsuchtsland von einem Erdbeben, einen Tsumani und einer Atomkraftwerkzerstörung heimgesucht wurde? Schwieriges Thema.

Und darum gehts: Marie (Rosalie Thomass 28, “Das Leben ist nichts für Feiglinge“) hat gerade einen Supergau persönlicher Natur erlebt – die vermeintliche Liebe ihres Lebens hat sie verlassen. Autsch – das tut weh und ja, sowas kommt vor. Marie muss da erstmal weg. Sie engagiert sich als freiwillige Helferin in Japan und bricht auf an den Rand des Katasprophengebiets in Fukushima. Dort leben Menschen, die weder Zeit noch Kraft für einen Neuanfang haben. Ausgerechnet die teutonische, walkürenhafte, superblonde Hünin soll japanische Rentner mit Hilfe einer Clownsnase und Clownsschuhen bespaßen. The Japanese are definetely not amused. Aber Marie nimmt Verbindung zu einer ebenfalls beschädigten Seele auf: der ehemaligen Geisha Satomi (Kaori Momoi). Und dann geht es auch schon los mit den pädagogisch-wertvollen Lektionen über das Leben. Beide Frauen brechen in das Haus der Geisha auf, das in der verstrahlten Zone liegt. Das Haus ist schwer beschädigt, wird aber von den beiden Frauen wieder bewohnbar gemacht und so nähern sich der deutsche Klotz und die japanische Grazie einander an.

Filmkritik "Grüße aus Fukushima": Nicht ohne meinen Geigerzähler

Subtilität geht anders, aber schwarz-weiß scheint das durchgehende Thema zu sein. Das dieses unglaubliche Desaster in Farbe zu zeigen nicht möglich ist, klingt verständlich. Aber die Entscheidung für schwarz-weiß gleich mit “künstlerisch wertvoll” per se zu setzen, erschließt sich nicht wirklich. (Kathrin Wessel)

Fotos: Majestic