Donnerstag, 17. März 2016, 21:50 Uhr

"High": Die Killerpilze sind wieder da

Die Killerpilze melden sich mit ihrem sechstes Album „High” zurück. Und das Trio macht klar: Hier ist hörbar, sichtbar und fühlbar etwas anders. Ganz anders. Menschen, Musiker und Bands haben eine Vergangenheit und niemand weiß, wie die Zukunft aussehen wird. Also zurück zu dem, was wir uns gegenseitig jeden Tag aufs Neue vornehmen.

"High": Die Killerpilze sind wieder da

„High” überrascht mit 11 lässig-nachdenklichen Songs über die Major Love, die Jagd nach den perfekten Momenten, über exzessive Nächte, Sex und den manchmal vernebelten Sinn des Lebens zwischen Backstageräumen und Reisen. Aber um das neue Werk zu verstehen, muss man sich zuerst den Menschen dahinter widmen, die es in den vergangenen 14 Monaten geschrieben und entstehen haben lassen. Das sind die Menschen hinter dem Album:

Johannes „Jo“ Halbig. Sänger, seit einiger Zeit Bassist und der Frontmann der Band. Er trägt seine Überzeugungen auf der Zunge, redet euphorisch. Mal ist er der Stenz, mal der versonnene Romantiker. Eigentlich ist der 26-jährige mit Lederjacke immer beides und das macht ihn nicht nur aus sondern das erzählt er auch in seinen Texten. In “Major Love” gibt er sich lässig und spielt es kühl aber am Ende der Party fragt er sich dann doch: „Will ich nur’n Kick oder die große Liebe? / Wenn Du wüsstest was ich plane, was ich sagen soll / Damit ich Dich ins ins Bett … äh ich meine deine Nummer kriege.“ (H.E.A.R.T.)

Denn Jo ist auch so etwas wie der Suchende der Band. Ein „20something“ – zugegebenermaßen ein etwas spröder, aber zutreffender Begriff – der nicht weiß, ob er schon da ist wo er hin will oder weiter unbekümmert durch die Welt streunen soll. Und bei allem Lachen, was er oft und ausgiebig tut, bleibt doch immer diese Nachdenklichkeit, stellenweise Traurigkeit. Auch in der Erinnerung an Sie und die Ruinen der ersten Liebe.

Maximilian Schlichter. Nicht nur als Sänger und Gitarrist sozusagen das Gegenstück, das Komplementärintervall zu Jo. Wenn Jo das Yin ist, ist Maximilian das Yang. Er, der Ausnahmemusiker der Band, hat längst gefunden. Sich selbst und seine Major Love. Er hat seine Herzdame geheiratet und ist high mit ihr.

"High": Die Killerpilze sind wieder da

Und auch wenn sie es beide nach außen nicht sein wollen, so ist die noch gar nicht lang zurückliegende Hochzeit in „Festival” und auch der sogenannte „Junggesellenabschied“ in “Trip” für Maximilian eben genau dies, das große Thema. Sind das die Dinge, über die ein stylisher Mittzwanziger auf einen Popmusikalbum schreiben darf? Manche Plattenfirmen, Marketingstrategen und Verkäufer würden sagen: Nein. Maximilian sagt: Und ob. Weil’s halt so ist.

Fabian Halbig. Schlagzeuger, Rückgrat und Spaßvogel der Band. Bruder von Johannes und irgendwie auch von Maximilian. Nebenbei schauspielert er, macht Filme und ist dennoch mit seinen 23 Jahren am ehesten derjenige, der “Immer noch jung” ist. Ein Typ, der vieles kann, zwischen Witz und Weitsicht jongliert und damit zu so etwas wie dem gut geölten Motor der Band geworden ist. Der die beiden Kreativ-Gegenspieler vorn unterstützt und zusammenhält, an den Drums wie auch als Antreiber und Organisator von fast allem.

Dass „High” so selbstbewusst und unbekümmert klingt, liegt auch an der präzisen Produktion des Hamburgers Henning Sommer (Wilhelm Tell Me), der es versteht, der Gitarrenband Killerpilze zwischen tanzflächentauglichen Pop-Refrains („Hymne“, „High Mit Dir“, „Mantra“) luftigem Indiebeat („Major Love“) und abgeklärtem Neuzeitblues („Stadt Voller Frauen“, „Trip“) eine markante Linie zu geben. “High” ist eklektischer Pop. So, wie man 2016 Musik hört. Im Shuffle.

Scheint, als hätten die Killerpilze eine gute Zeit gehabt in diesen letzten zwei Jahren. Im Studio oder auch beim Fotoshooting zu “High”, bei dem sie nackt durch die Büsche toben. Man spürt: Diese Band hat Spaß. Sie macht das Beste aus jedem Moment. Bei den schweißtreibenden Liveshows, in den pointierten Texten und im Umgang mit denen, die sich keinen Reim darauf machen können, wird das ohnehin deutlich. Und genau dieses „No Risk – No Fun“ hört man.

"High": Die Killerpilze sind wieder da

Übrigens: Das neue Album wurde mit einer Crowdfunding-Kampagne ermöglicht. Insgesamt wurden für die Produktion rund 75.000 Euro gespendet.

Fotos: Simon Lohmeyer