Freitag, 25. März 2016, 17:09 Uhr

Interview: US-Band Walk the Moon und der Hit mit den Zumba-Moves

Mit ihrem Song „Shut Up and Dance“ lieferten die Jungs von Walk the Moon einen der ganz großen Sommerhits 2015 ab. Der hatte bis heute allein bei Youtube über 179 Millionen Aufrufe.

Interview: US-Band Walk the Moon und der Hit mit den Zumba-Moves

Mit ihrer neuen Single „Work This Body“ haben die Herrschaften aus Ohio auch wieder Großes vor. klatsch-tratsch.de-Autor Dennis hat sich mit Kevin, dem Sänger und Bassisten der US-amerikanischen Pop/Indie-Rock-Band über Bandzickereien, geschminkte Männer und Blinddates unterhalten.

Hast du eine besondere Beziehung zu Deutschland?
Tatsächlich habe ich die. Ich habe auf dem Gymnasium Deutsch als Fach gehabt. Ich weiß nicht, aber ich habe mich irgendwie schon immer sehr für das Land und die Leute interessiert. Viele Leute finden ja, dass die Sprache irgendwie komisch klingt, aber ich mag sie ganz gerne. Es war auch immer mein Traum mal nach Deutschland zu kommen und als ich mein erstes Mal dann da war, war ich der Ton-Typ für Whitney Houston. Das ist schon wieder sieben Jahre her und ich bin mit ihr durch Deutschland getourt. Mit Walk the Moon waren wir jetzt auch schon 3-4 Mal hier.

Perfekt, dann können wir das Interview ja jetzt auf Deutsch weiterführen …
(lacht) Ich habe es zwar gelernt, aber ich bin echt schlecht darin. Ich muss zu meiner Verteidigung aber auch sagen, dass ich den letzten Unterricht vor zehn Jahren hatte. Ich kann es aber relativ gut verstehen, aber so ein richtiges Gespräch kann ich nicht führen.

Ihr habt jetzt vor kurzem euer Live-Album „You Are Not Alone“ veröffentlicht …
Liveshows sind quasi das Zentrum im Walk-the-Moon-Universum. Alben im Studio machen ist schön und gut, aber Konzerte sind uns sehr wichtig, weil wir da unsere Musik vor Leute bringen und beobachten können, wie sie sich damit verbinden. Das ist immer so ein bisschen wie ein Ausgleich für die harte Arbeit, die wir in unsere Musik stecken. Wir wollten so einen Live-Moment aufzeichnen und für die Ewigkeit konservieren. So können Leute zuhören und dieses Erlebnis immer wieder neu durchleben. Dafür haben wir uns das Konzert im Greek Theater in Los Angeles rausgesucht. Es war echt eine magische Nacht und ich denke, dass man das hören kann. Diese besondere Energie kann man auf den Aufnahmen deutlich spüren.

Warum habt ihr diesen Titel für das Album gewählt?
Es hat mehrere Gründe: Zum einen ist das ein Ausschnitt aus einem unserer Songs namens „Portugal“. Der entstand als wir unterwegs waren und überall auf der Welt gespielt haben. Ich denke dieser Text bedeutet den Leuten eine ganze Menge. Wir sind davon überzeugt, dass wir bei den Liveshows eine Verbindung zu jedem im Publikum aufbauen können. Egal, wo sie stehen. Damit wollen wir einfach sagen: „Hier ist etwas, um dich daran zu erinnern, dass du nicht alleine bist. Wir werden immer Musik machen und dabei an dich denken, wenn wir sie machen. Wir können es nicht abwarten loszuziehen, um die Musik mit dir live zu teilen“.

Für eure neue Single habt ihr eine Kollabo mit Zumba-Fitness am Start. Wie kam es dazu?
Unser Song „Work this Body“ hat diese besondere Dynamik und auch so ein bisschen dieses World-Music-Rhythm-Ding, es hat einen guten Beat und ein gutes Tempo. Die Leute von Zumba haben diesen Song gehört und uns angesprochen. Den Titel des Songs kann man auch als direkte Aufforderung verstehen sich sportlich zu ertüchtigen und „an seinem Körper zu arbeiten“. Ich denke das passt echt ganz gut zusammen.

Hast du denn so ein paar Zumba-Moves drauf?
(lacht) Nein, ich habe keine Zumba-Moves drauf. Wir bewegen unsere Hüften und shaken es auf der Bühne, aber vielleicht müssen wir echt mal gucken, ob wir eine Zumba-Stunde überleben würden.

Interview: US-Band Walk the Moon und der Hit mit den Zumba-Moves

Ihr malt euch für eure Shows meistens bunte Farbe ins Gesicht. Warum eigentlich?
Bevor wir einen Plattenvertrag hatten und uns die Leute kannten, haben wir mal dieses Musikvideo für den Song „Anna Sun“ gemacht. Wir waren damals sehr von den Lost Boys aus dem Film “Hook” inspiriert und die haben sich auch immer Farbe ins Gesicht gemalt. Das war für sie eine Art sich auszudrücken. Wir dachten es sei eine gute Möglichkeit sich mit seinem inneren Kind zu verbinden und auch wir wollten nie erwachsen werden. Wir haben nie aufgehört zu singen, zu tanzen und zu spielen. Nachdem das Video dann draußen war, haben die Fans angefangen mit angemalten Gesichtern zu unseren Shows zu kommen. Wir haben das dann weitergeführt, weil wir denken, dass das eine schöne Art ist, sich mit Leuten zu verbinden. Viele Leute malen sich auch gegenseitig bei unseren Konzerten an und das ist eine tolle Möglichkeit neue Leute kennenzulernen.

Welche Farbe malst du dir denn heute ins Gesicht?
(lacht) Keine Ahnung. Das ist immer so eine spontane Entscheidung. Momentan halte ich alles eher minimalistisch. Mal gucken, wie ich mich später vor der Show fühle.

Bleiben wir mal bei Shows. Was war dein Lieblingstour-Moment mit der Band?
Wow, da gibt es einige. Wir sind seit fünf-sechs Jahren eigentlich ständig unterwegs. Im Jahr touren wir 300 Tage. Mittlerweile ist das nicht mehr Touren für uns sondern unser Leben, unser Alltag. Deshalb passiert auch immer sehr viel. Besonders gefällt mir immer, wenn ich Leute treffe. Das tun wir ständig, überall auf der Welt und ich wüsste nicht, wie wir das ohne die Musik schaffen könnten. Das ist echt ein Segen. Wir hatten auch die Chance andere Künstler zu treffen und Leute, zu denen wir immer aufgeschaut haben.

Welche Person hat dich denn am meisten inspiriert, als du sie getroffen hast?
Chris Hadfield. Das ist ein kanadischer Astronaut. Ihn haben wir beim NBA Allstar-Game getroffen. Dort haben wir gespielt und er saß quasi neben mir. Ich habe ihm dann gesagt, dass er quasi mein Held ist und mich sehr inspiriert hat. Er ist eigentlich so der erste Astronaut, der Social Media nutzte, um mit Leuten in Kontakt zu kommen. Damit macht er Weltraumforschung und Exkursionen nahbarer und spannender für die Menschen. Nach der Show kam er zu uns und meinte, dass ihm unsere Show sehr gefallen hat. Das hat mich sehr gefreut. Er ist jemand, der nicht nur mich, sondern auch viele Menschen von der Macht der Weltraumforschung überzeugt. Ich bin tatsächlich so ein Weltraum-Nerd.

Worüber streitet ihr euch so im Touralltag?
Meistens immer so dummer Kleinigkeiten wie beispielsweise, wer meine Chips gegessen hat oder sowas. Wir kommen echt gut miteinander klar, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass wir die meiste Zeit zusammen verbringen. Oft zusammengepfercht in kleinen Tourbussen, wo jeder seine Ecke hat. Da kann es natürlich mal etwas intensiver werden, aber das Gute am Touren ist, wenn man seine Ruhe will, kann man raus und sich eine Stadt ansehen und erkunden, die man davor noch nie gesehen hat.

Klischee-Rockband-Frage: Was macht den schlimmsten Kater?
Keine Ahnung, ich trinke gar keinen Alkohol. Da müsstest du einen der anderen Jungs fragen.

Wie kommt es, dass du nicht trinkst?
Hmh, ich komme aus einem Umfeld, in dem ich motiviert wurde nicht zu trinken, oder zumindest so lange zu warten, bis ich volljährig bin. Ich habe auch viele Freunde, die durch Drogen-und Alkoholmissbrauch durch harte Zeiten gegangen sind. In meiner Jugend habe ich auch ehrenamtlich bei Organisationen mitgeholfen, die sich um Familien und Kinder gekümmert hat, die an den Nebenfolgen von Alkohol zu leiden hatten. Das hat mich dazu motiviert zu warten und als ich dann alt genug war, habe ich realisiert, dass es mir gar nicht schmeckt. Das spart mir eine menge Geld und vermutlich auch sehr viele Kopfschmerzen.

Interview: US-Band Walk the Moon und der Hit mit den Zumba-Moves

Lass uns über dein abgefahrenstes Fan-Erlebnis sprechen …
Nach einer Show in Boston hat sich ein Fan in den Backstagebereich geschlichen und die Tür hinter sich zugezogen und abgeschlossen. Der Einzige, der da nicht im Raum war, war Sean. Sie hat dann herumgeschrien, dass Sean nicht der echt Sean ist, sondern ein Dämon ist und sie wollte uns das wissen lassen. Sie war sehr ernst und von dem Gedanken besessen. Wir mussten sie dann die nächsten 10 Minuten dazu überreden uns aus dem Raum zu lassen und zu gehen. (lacht)

Auch schon seltsame Snaps bei Snapchat bekommen?
Ja, ich liebe Snapchat, aber ich habe da schon echt schon kranke Scheiße gesehen, die ich dir gar nicht beschreiben kann. Snapchat ist eine tolle Sache, aber es gibt Leuten eine Entschuldigung dafür seltsamere Dinge – als sonst – zu verschicken. Die krassesten Dinge, die ich bekommen habe beinhalteten unter anderem Nacktes. Unnötig und nicht von schönster Art.

Apropos unangebracht. Schon mal einen schlechten Anmachspruch rausgehauen?
Nein, oh Gott. Das wäre mir viel zu peinlich. Der schlechteste Spruch, den ich kenne geht so: ‚Na, hat es wehgetan?‘ ‚Was?‘ ‚Also du vom Himmel gefallen bist‘. Das geht so gar nicht. (lacht)

Bei dem Spruch frage ich mich immer, ob der jemals funktioniert hat. Irgendwo …
Man weiß es nicht …

Schon mal ein verrücktes Date gehabt?
Ja, ist aber schon seeeeeehr lange her. Das war bei einem Blinddate. Das Mädchen hat mich zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen. Ich war dann dieser Typ, mit dem sie verkuppelt werden sollte. Bei ihrer Geburtstagsparty, mit all ihren Freunden. Ich kannte da noch nicht mal jemanden. Das war echt seltsam.

Das klingt echt strange. Wie ging es weiter? Gab es ein zweites Date?
Ja und wir waren sieben Jahre zusammen.

Wow. Blinddate mit Happy End …
(lacht)

Fotos: SonyMusic