Dienstag, 29. März 2016, 18:10 Uhr

Adesse: Der neue Berliner Überflieger über sein Albumdebüt

Adesse ist waschechter Berliner und besonders stolz auf seinen Westberliner Kiez. Vor allem mit dem Bezirk Wilmersdorf verbindet der 28-jährige viel, denn hier hat er seine Kindheit und Jugend verbracht und wohnt immer noch in unmittelbarer Nachbarschaft.

Adesse: Der neue Berliner Überflieger über sein Albumdebüt

Kein Wunder also, dass er sein Debütalbum “Fechnerstraße” auch nach genau dieser Straße benannt hat, in der alles angefangen hatte. „Fechnerstraße“ heißt sein Erstlingswerk und erschien beim neuen Label von seinem Mentor Rapper Sido. klatsch-tratsch.de traf Adesse zum Interview.

Du wurdest als erster Künstler bei Sidos neuem Label „Goldzweig“ gesignt, eine große Überraschung war das nicht, schließlich habt ihr schon vorher zusammengearbeitet…
Nein, das war schon eine bewusste Entscheidung. Es ist trotzdem immer noch eine große Ehre für mich, als Erster bei diesem Label unter Vertrag genommen worden zu sein.

Ein Album produziert sich nicht von heute auf morgen, was hast du die letzten Monate getrieben?
Ich habe viel live gespielt, danach habe ich begonnen am Album zu arbeiten. Ich habe lange gebraucht um den Sound zu finden, der mir zu 100 Prozent gefallen hat. Dann habe ich einen Produzenten gesucht. Ehrlich gesagt habe ich seitdem Tag an dem klar war, das ich bei „Goldzweig“ gesignt wurde, nur noch am Album gearbeitet. Zwischendurch war ich auch mit Sido auf Tour, das war eine tolle Erfahrung.

„Fechnerstraße“ ist schon ein ungewöhnlicher Name für ein Album, warum war es dir dennoch so wichtig es so zu benennen?
In der Fechnerstraße hat alles angefangen und meine Mutter wohnt immer noch dort. Man hat für sein erstes Album sozusagen sein ganzes vorheriges Leben Zeit gehabt und ich habe dort, also in der Fechnerstraße, so viele Jahre verbracht. In der Straße habe ich das erste Mal Musik gehört, da bin ich zur Schule gegangen und da war unser Bolzplatz. Ich wollte mein Album einfach so nennen, wie es kein anderer Sänger nennen könnte.

Der Produzent mit dem du zusammengearbeitet hast, hat bereits mit vielen internationalen Künstlern gearbeitet, z.B. Drake, Kendrick Lamar oder Tinie Tempah. Wie habt ihr zusammen gefunden?
Ich habe nach einem Sound gesucht, der zu mir passt. Mir war von Anfang an klar, dass ich Popmusik machen will. Wir haben uns mit vielen verschiedenen Produzenten getroffen und herum probiert und bei Crada hat sofort das Bauchgefühl gestimmt. Wir haben uns sofort verstanden und haben oft dieselbe Sicht gehabt.

Adesse: Der neue Berliner Überflieger über sein Albumdebüt

Stell dir vor ich wäre taub und du würdest mir aufschreiben, wie dein Sound sich anhört…
Es ist Popmusik und sehr melodielastig. Es hat Seele und meine Songs haben am Ende immer einen positiven und hoffnungsvollen Charakter.

Die erste Single aus dem Album heißt „Ich bleibe“. Es geht darum, dass du dich nach einer gemeinsamen Nacht nicht wegschleichst, sondern bleibst. Schleichst du dich also für gewöhnlich bei Frauen weg?
Eigentlich ging es mir bei dem Song eher darum, dass wir aus einer Generation entstammen, wo alles sehr schnelllebig ist. Uns fällt es einfach schwer, Entscheidungen zu treffen, weil wir einfach so ein großes Angebot haben. Nehmen wir zum Beispiel dieses ganzes Social-Media Ding. Aufgrund des Überangebots, legen wir uns eben nicht mehr so schnell fest. Anstatt zu sagen, okay wir probieren es einfach. Es ist doch schön einfach mal sagen zu können, „Ich bleibe“! Anstatt immer zu schaue, ob es noch etwas Besseres gibt. Ich glaube der Song hat eine schöne Message, denn am Ende suchen wir ja alle diese eine Person.

Sido ist seit vielen Jahren bereits erfolgreich im Musikbusiness. Was war der beste Ratschlag den er dir als Mentor mit auf den Weg gegeben hat?
Ich denke er würde mich auch vor vielen Fehlern beschützen wollen, die erst selbst begangen hat, als er jung war. Es gab eine Zeit in der ich sehr viel und sehr intensiv gefeiert habe. Ein Ratschlag von Sido war, dass ich schauen soll, wie sich die Feierei auf meine Musik auswirkt. Er hatte mir geraten, mit dem Feiern vielleicht einen Gang runterzuschalten. Er meinte, ob es nicht geiler wäre, sich irgendwann einmal einen Preis abzuholen und danach feiern zu gehen, als jetzt einfach so Party zu machen. Das fand ich schon einen guten Rat und der ist mir im Kopf geblieben. Ich konzentriere mich jetzt einfach auf das Wesentliche, was mich im Leben weiter bringt.

Auf deinem Instagram Account und deinem YouTube-Kanal kann man sehen, dass du ein sehr enges Verhältnis zu deiner Mutter hast. Welchen Song mag so von dir am meisten?
Ich habe Gott sei Dank ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter, sie war immer sehr gut zu mir. Ich bin sehr dankbar dafür, man kann sich seine Eltern schließlich nicht aussuchen. Dafür bin ich ohne Vater aufgewachsen, deswegen war meine Mutter doppelt so stark. Meine Mutter feiert „Männer weinen nicht“ am meisten. Ich denke, weil es eine der erwachsensten Nummern auf dem Album ist. Ich sehe immer, das meine Mama alles bei Facebook liked und ich denke mir immer „Mama, du musst nicht alles liken“ (lacht). Aber ich merke einfach, sie scheint sehr stolz auf mich zu sein.

Adesse: Der neue Berliner Überflieger über sein Albumdebüt

Fotos: Vitali Gelwich