Montag, 11. April 2016, 20:59 Uhr

TV-Promis Pro und Kontra (3): Enissa Amani

Heute Abend um 23.10 Uhr gibt es die neuste Ausgabe der Late-Night-Show “Studio Amani” mit Enissa Amani (32) bei Pro Sieben. Wir stellen die deutsch-iranische Komikerin in unserer neuen losen Serie etwas näher vor.

TV-Promis Pro und Kontra (3): Enissa Amani

Enissa Amani wird in Teheran als Tochter einer Ärztin und eines Literaturdozenten geboren. Aufgrund politischer Verfolgung flieht die Familie nach Deutschland, lebt dort ein halbes Jahr in einem Asylbewerberheim in Hannover, ehe der Weg nach Frankfurt führt.

Auf den Treppenstufen der Alten Oper macht Klein-Enissa ihre Hausaufgaben, nichtsahnend, welch spektakuläre Wendung ihr Leben einmal nehmen würde. Abitur mit 1,8, Flugbegleiterin, Jura-Studium und dann – reizt sie die große Welt des Fernsehens. Sie quasselt auf QVC Zuschauern fröhlich Kosmetikprodukte an die Backe. Parallel dazu schreibt sie humoristische Texte und tritt auf offenen Bühnen auf, überzeugt dort die Macher von „Nightwash“ und „Quatsch Comedy Club“. Die vorläufigen Höhepunkte: ein frecher Auftritt bei Raab und eine flotte Samba-Interpretation bei der prätentiösen RTL-Revue „Let´s Dance“.

TV-Promis Pro und Kontra (3): Enissa Amani

Amanis Spezialgebiet sind gesellschaftliche Zwischenwelten. Sie nennt Alis und Mustafas, die studieren gehen, „Bildungs-Kanaks“, spricht vom Verlust von Idealen und protestiert gegen ungerechte Verhältnisse. Sie spielt mit den Widersprüchen, die sie kennzeichnen, ihre Nasenkorrektur, hochhackige Gucci-Schuhe und ein Schminkverhalten wie Niki Minaj auf der einen Seite und ihr Fernbleiben von Promi-Partys sowie die Kenntnis um Tolstoi, Mann und Dostojewski auf der anderen. So weit, so gut: Umso überraschender, dass sie in ihrer eigenen Sendung „Studio Amani“ nahezu ausschließlich ihre seichte Seite zeigt.

Klar: Im Privatfernsehen wird eine lockerleichte Generation-Facebook-Art lieber gesehen als differenzierte Gesellschaftsanalyse. Schon deswegen, weil Amani als Erbin von Raab und gemäß dem Motto ihres Heimatsenders unterhalten, unterhalten und nochmal unterhalten soll.

Die Show der 1,60 Meter großen Comedy-Preis-Trägerin polarisiert mächtig. Einige finden sie nervig, trivial und trashig. So meldete sich jüngst Kochlöffel-Posterboy Steffen Henssler auf Twitter zu Wort: „Studio Amani ist ein echter Grund, sich Casino Royal doch zum zehnten Mal anzugucken.“ Knapp 500 Mal wurde dieser Tweet geliked. Und ja, die Sendung wirkt noch nicht ausgereift: Frische, unerwartete Witzperlen reihen sich an langatmige, irrelevante Einspieler. Während sich zu Beginn eine Million Zuschauer für Amani entschieden hatten, sind es mittlerweile nur noch halb so viele. Acht Folgen hat der Sender ihr zugestanden. Es wird sich zeigen, ob die Frau, die ihr Alter Lagerfeld-like verschweigt, dem Format eine klare Linie und Einschaltanreize verleihen kann oder ob Pro Sieben Taschentuch wedelnd zum Entschluss kommt: Adieu Amani.

Unsere Wertung:

Charme: 5 von 10 Punkten
Einzigartigkeit: 7 von 10 Punkten
Witz: 7 von 10 Punkten

Fazit: Wer ist Enissa Amani wirklich? Die derbe Tussi, die durch Flüche und Kraftausdrücke mit der Straße spricht, die hippe Social-Media-Meinungsführerin, die ihre Fans täglich mit neuen Posts und Pics versorgt oder die sozialkritische Kabarettistin, die akribisch beobachtet, mahnt und aufklärt? Noch ist nicht zu beurteilen, ob der Zuschauer diesen komplizierten Dreiklang feiern oder verurteilen wird. (AG)

Fotos: ProSieben/Willi Weber