Donnerstag, 14. April 2016, 9:45 Uhr

Fall Böhmermann: Künstler gehen auf die Barrikaden

Im Fall Jan Böhmermann schalten sich nun auch immer mehr Künstler ein und verlangen die Einstellung des Verfahrens.

Fall Böhmermann: Künstler gehen auf die Barrikaden

In einem offen Brief, den das Wochenblatt ‘Die Zeit’ am heutigen Donnerstag, den 14. April, veröffentlichen wird, wird gefordert, dass die Staatsanwaltschaft in Mainz die Ermittlungen gegen Böhmermann einstellen soll. “Diskussionen über und Kritik an Jan Böhmermanns Erdogan-Gedicht gehören in die Feuilletons des Landes und nicht in einen Mainzer Gerichtssaal”, hieß es in dem Dokument. Unterzeichnet haben diesen Brief beispielsweise Thea Dorn, Klaas Heufer-Umlauf, Matthias Brandt, Jan Josef Liefers, Peter Lohmeyer und Katja Riemann. “Kunst kann nicht in einem Klima stattfinden, in dem sich Künstlerinnen und Künstler Gedanken darüber machen müssen, ob ihr Schaffen zur Strafanzeige führt, in dem sie beginnen, sich selber zu zensieren, oder zensiert zu werden”, ist ebenfalls darin zu lesen.

Die Autoren wollen darauf hinweisen, dass Kunst und Satire schon immer zur Aufgabe hatten, öffentliche Diskurse zu entfachen. Außerdem fordern sie, den Paragraf 103 des Strafgesetzbuches (Stichwort: “Majestätsbeleidigung”) gänzlich zu streichen. Auch Kabarettist Dieter Hallervorden hatte sich kürzlich zu dem Konflikt geäußert und ein eigenes Erdogan-Lied veröffentlicht (‘Erdogan, zeig mich an!’).

Die ‘ZDF Neo Royale’ Redaktion veröffentlichte gestern ihr wöchentliches”Fazit”-Video zur Sendung. Dazu hieß es: “Diese Woche war ja tierisch was los. Zeit, eine Einordnung der vergangenen Sendung vorzunehmen.” Böhmermann fehlte in dem Clip.

Unterdessen entlarvt ein Interview von ZDF-Anchorman Claus Kleber den Anwalt des türkischen Präsidenten. Der Moderator der Nachrichtensendung ließ Erdogans beauftragten deutschen Anwalt in einem Interview nicht gut aussehen Hubertus von Sprenger. So fragte Kleber u.a.: „Was hat denn der türkische Präsident davon, wenn Jan Böhmermann zu einer – nach aller Erfahrung – verkraftbaren Geldstrafe verurteilt wird?“ oder „Wie kann es sein, dass sich ein Staatspräsident darum überhaupt kümmert?“. Von Sprenger sagte u.a. kleinsilbig: “Es war Herr Böhmermann, der Herrn Erdogan aufgefordert hat, einen Anwalt zu konsultieren und gegen ihn vorzugehen.” Kleber erwiderte: „Es ist ja doch recht selten, dass sich ein türkischer Staatschef nach dem Rat eines Kabarettisten richtet?“ (…) “Diese Frage können Sie mir als Juristen nicht stellen. Das ist eine höchstpersönliche Frage, die ich nicht beantworten kann”?  Von Sprenger, der u.a. den  britischen Holocaust-Leugner David Irving vertrat, sagte schließlich: “Wenn ich das Mandat annehme, dann ziehe ich es auch durch.” (Hier geht’s zu dem Video).

Fall Böhmermann: Künstler gehen auf die Barrikaden

Fotos: ZDF/Ben Knabe, ZDF/Kerstin Bänsch