Dienstag, 19. April 2016, 15:04 Uhr

Erdogan: US-Satireshow macht sich lustig über Gedichts-Skandal

Dass der Böhmermann-Fall längst auch schon in den USA ein heißes Thema ist, zeigen die jüngsten Artikel der renommierten Washington Post und der New York Times.

Erdogan: US-Satireshow macht sich lustig über Gedichts-Skandal

Der britische Moderator und Komiker John Oliver (38) hat sich nun in seiner satirischen Late-Night-Show ‚Last Week Tonight’ ebenfalls der Schmähgedicht-Affäre um den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (62) angenommen. In der Sendung, die in den USA im Pay-Kanal HBO läuft, widmet sich Oliver immer wieder auch politischen Themen.

In seiner neuesten Ausgabe zieht der Komiker dann auch kräftig über den türkischen Präsidenten und dessen Klagewut her. Nachdem er den Böhmermann-Fall kurz vorstellte, verkündete er zunächst fassungslos, dass Erdogan den ZDF-‚Neo Magazin Royale’-Moderator „[allen Ernstes] wegen eines GEDICHTS einsperren lassen möchte.“ Während dann der aus dem Jahr 1871 stammende Paragraf 103 StGB abgebildet wird, auf den das Strafverlangen gestützt wird, witzelte er: „Ich bin sehr froh, dass Amerika kein solches Gesetz hat. Sonst wäre ich jetzt schon längst in einem Hochsicherheitsgefängnis.“

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Weiter machte sich der 38-Jährige darüber lustig, dass Erdogan seit seinem Amtsantritt als türkischer Präsident im Jahr 2014 fast 2000 Prozesse wegen Beleidigung seiner Person laufen hat. Dann präsentierte er nur ein paar dieser vollkommen absurden Fälle.

Als Beispiel wurde zunächst ein Arzt angebracht, der im Oktober letzten Jahres wegen angeblicher Beleidigung von Erdogan seinen Arbeitsplatz verloren habe. Zudem müsse er jetzt eine zweijährige Haftstrafe befürchten. Und warum das alles? Weil er eine Meme verbreitete, in denen er die Gesichtsmimik des 62-Jährigen mit der von Gollum verglich. Oliver zufolge sei das übrigens „durchaus der Fall und nicht einmal eine Kritik oder ein Witz, sondern einfach eine biologische Tatsache.“ Als Beweis wurden Bilder von beiden präsentiert.

Ein Journalist sei außerdem letzten April auf Bewährung verurteilt worden, weil er einfach nur ein Facebook-Posting „geliked“ hatte, das Erdogan beleidigte, wie er weiter verriet. Das Fazit des Moderators: Der türkische Präsident würde die Reaktionen zu seiner Person geradezu „herausfordern“, weil er es „einem viel zu leicht mache, sich über ihn lustig zu machen.“

John-Olver-Erdogan

Dazu führte er einen Clip aus dem Jahr 2014 auf, in dem Erdogan Israel mit Hitler-Deutschland verglich. In einem weiteren Video aus demselben Jahr erklärte der türkische Präsident außerdem: „Man kann Frauen und Männer nicht auf die gleiche Ebene stellen. Das ist gegen die Natur.“ Das, was diese Aussage noch unverschämter macht: Diese Äußerung erfolgte im Rahmen einer internationalen Frauenkonferenz. Olivers Ansicht nach sei es deshalb auch schwierig, in gewissen Situationen (wie dem schmerzhaften Abwurf eines Pferdes) mit Erdogan Mitgefühl zu zeigen. Schlussendlich gab der Moderator dem Präsidenten aber noch einen guten Rat mit auf den Weg: „Erdogan, wenn Du so scharf darauf bist, nicht beleidigt zu werden, versuch mal die freie Rede in deinem Land und in anderen Ländern nicht zu unterdrücken.“ (CS)

Fotos: WENN.com, Youtube