Dienstag, 19. April 2016, 19:26 Uhr

Seven bei "Sing meinen Song": Unser Interview zur Show

Mit seiner Funk- und Soulmusik ist Seven in der Schweiz längst ein Mega-Star, in Deutschland ist er bislang noch weitestgehend unbekannt. Doch das wird sich jetzt ändern!

Seven bei "Sing meinen Song": Unser Interview zur Show

Denn in der zweiten Folge „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ werden seine Hits vom souligen Gastgeber Xavier Naidoo, von Pop-Ikone Nena, den Cowboy-Rockern Sascha Vollmer und Alec Völkel von „The BossHoss“, „BAP“-Frontmann und Kölsch-Rocker Wolfgang Niedecken, dem deutschen Erfolgs-Rapper Samy Deluxe sowie Pop-Sängerin Annett Louisan in intimer Runde präsentiert – aber in einer neuen Version. Im Interview mit klatsch-tratsch.de plaudert Seven über die Show, sein neues Best-Of-Album und seine 300 Paar Sneakers.

In der Auftaktshow von ‚Sing meinen Song‘ haben Sie zweifelsfrei für DEN Wow-Effekt mit Ihrer funky-Version von Nenas ‚99 Luftballons‘. Hat Sie die Begeisterung der Zuschauer und natürlich ihrer Gesangskollegen überrascht und wie finden sie das?
Vielen Dank für die Blumen. Ich fand die ganze Show der Hammer. Ob ich jetzt den WOW-Effekt geliefert, kann ich nicht beurteilen. Natürlich waren die Leute gespannt was ich mache, weil die meisten mich ja nicht kennen. Dann nimmt der sich einfach frech die „99 Luftballons“, das hat sehr viel Aufmerksamkeit generiert. Das wurde mir aber erst an dem Abend so richtig bewusst ;). Die Reaktionen, die ich jetzt von einem komplett neuen Publikum erfahren darf, sind überwältigend und ich habe nicht ansatzweise mit einer solchen Welle gerechnet.

Sie haben den Nena-Welthit quasi „entschlagert“, was ja hätte auch schief gehen können. Wie sezieren Sie so einen Song, um ihn schließlich zu ihrem zu machen?
Das ist nie und nimmer Schlager…höchstens ein „Kassenschlager“. Ich habe den ganzen Song vom Style auf dem Instrumentalteil kurz vor der Strophe aufgebaut. Dies ist im Original soo funky, er steht so für sich alleine und ich habe als Kind mir immer gewünscht, die ganze Strophe wäre so. Jetzt durfte ich mir diesen Wunsch erfüllen und hab den ganzen Song darauf aufgebaut. Die Herangehensweise ist immer die gleiche. Ich höre etwas und dann beginne ich zu schreiben oder in diesem Fall „umzuschreiben“. Es hat Riesenspaß gemacht diesen Song zu verfunken. Ja, die Risiken gibt es immer, aber wenn ich Musik mache denke ich ehrlich gesagt nicht wirklich daran, dann bin ich voll auf die Musik konzentriert. Meistens begreife ich erst im Nachhinein, was ich eingegangen bin …also jetzt.

In der Schweiz sind Sie seit Jahren ein Star, bei „SMS“ bezeichnen Sie ich selbst noch als Underdog“. Warum solch Bescheidenheit?
Ich bin ein Hybrid Underdog. Die Schweiz ist ein Teil der „Sing Meinen Song“Gemeinde, die sich mit Freude diese Sendung anschaut. Jedoch ist es ein kleiner Teil und somit bin ich für alle Deutschen und Österreicher ein Nobody. Deswegen ist Underdog absolut die korrekte Bezeichnung. Underdog heisst der Unbekannteste – und das bin ich in dieser Runde eindeutig.

Seven bei "Sing meinen Song": Unser Interview zur Show

Sie haben neun Alben veröffentlicht, Konzerte vor insgesamt 700.000 Zuschauern bei rund 1.000 Konzerten gegeben. Wir in der Redaktion haben Sie ja seit fünf Jahren dank ihrer unglaublichen groovenden Songs auf dem Schirm und Xavier Naidoo adelte sie nun als „einen weissen Schweizer, der singt wie Prince.“ Wie haben Sie sich kennengelernt und wie kam es zu ihrer Teilnahme an der Show?
Die Söhne Mannheims gaben in Luzern im KKL, 5 Gehminuten von meinem Zuhause, ein Konzert. Ich ging letzten Sommer als Zuschauer mit meiner Frau zu diesem Konzert und Rolf Stahlhofen, ein sehr guter Freund von mir und Mitglied der Söhne, hat geplant mich zu erwischen. Auf der Bühne sagte dann plötzlich Xavier, dass er sich nun über einen Gastauftritt freue und bat mich auf die Bühne. Ich fragte meine Frau, ob ich das jetzt richtig verstanden hätte. Rolf kennt mich aus Jam-Session-Zeiten. Er gab mir das Mikro und sagte ich soll mal was machen…Hahah…er hat mich voll erwischt. Kurze Absprache mit der Band und ich hab ein wenig gejammt mit denen. Nach dem Auftritt suchte mich Xavier im Backstage und fragte mich direkt, ob ich gerne nach Südafrika kommen würde. Ich war sprachlos.

Was glauben Sie, warum es solange gedauert hat, dass sie Deutschland endlich entdeckt? Was könnte die VOX-Show nun für Ihr hiesiges Standing bewirken?
Bei mir ging alles langsam und immer Step by Step. Ich habe auch in der Schweiz sieben Jahre gebraucht, um so richtig an der Oberfläche zu kratzen und insgesamt bin ich jetzt 14 Jahre dabei, durfte vieles erleben und vor allem durfte ich mich natürlich und ohne riesigen Druck entwickeln und entfalten. Ich konnte ausprobieren und lernen. Ich bin sehr gefestigt und weiss, was ich will, wer ich bin und habe ein eigenes tolles Team, dem ich vertraue. Durch diese Sendung kennen mehr Menschen meinen Namen und wissen was ich mache. Ob wir dann aber wirklich Tickets für die unzähligen Konzerte, die bereits gebucht sind, verkaufen werden, das kann ich Ihnen erst in ein paar Monaten sagen (grinst). Es ist ein nächster Schritt auf meinem Weg und wohin er führt weiss niemand so genau. Ich geniesse den Moment und werde immer mein Bestes geben, damit ich ruhig schlafen kann.

Am Dienstag stehen nun Ihre Songs im Mittelpunkt. Einer wurde sogar ins Französische übersetzt. Nena macht aus „What I“ sogar „Mon dernier Jour“. Wie ist ihre Bilanz nach den Performances, zumal alle Kollegen – außer Xavier Naidoo vielleicht – aus einer ganz anderen musikalischen Richtung kommen!?
Der Abend hatte alles. Ich habe gelacht, mit den Tränen gekämpft und vor allem war ich so überrascht. Ich habe mir vorgestellt wie das wohl sein wird wenn dieser bunte Blumenstrauss aus einzigartigen Künstlern meine Songs interpretieren wird aber es kam alles anders. Mit welcher Hingabe sich alle diese Songs vorgenommen haben und das mit so viel Respekt und auch viel Risiko, das war ein einmaliger Abend. Ich kanns kaum beschreiben…

Bei Annette Louisans Version von ’City of Gould’ haben Sie mit den Tränen gekämpft. Was ist passiert?
Dieser Song bedeutet mir so viel und ist einer meiner schwersten Songs für mich weil so viel Trauer und so viele dunkle Stunden daran hängen. Als sich mein bester Freund als wir 20 waren das Leben nahm fiel alles in einander zusammen. Ich hatte Schuldgefühle und beinahe Angst vor Menschen weil ich ja eh kein guter Freund sein kann für niemanden. Ich habe mich sehr lange in meiner Zimmer verkrochen und war monatelang nicht draussen. Diesen Moment dann 10 Jahre später in einem fröhlichen Song zu verarbeiten weil ich mit der Vorstellung, dass es ihm jetzt besser geht auf meine Art Frieden mit der Sache machen konnte ist viel für ein einziges Lied. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich auch kaum darüber reden. Diesen Song dann vom Engel Anette zu hören hat mich an meine Grenzen gebracht.

Seven bei "Sing meinen Song": Das große Interview zur Show

Was haben Sie nach den zwei Wochen in Südafrika an Erkenntnissen mit nach Hause genommen?
Ich nehme mit: Neue Freunde und Erinnerungen, die ich für nichts auf der Welt hergeben würde.

Gerade ist ihr Best Of-Album hierzulande erschienen. Ein guter Überblick ihres Schaffens von 2002 bis 2016. Erzählen Sie uns mehr darüber.
Diese Scheibe ist mein Tagebuch der letzten 14 Jahre. Es ist von jedem Album Musik mit dabei und es zeigt woher ich komme, was ich alles ausprobiert habe und was aus mir geworden ist. Es ist ein sehr ehrlicher und offener Einblick in meine Entwicklung – sowohl musikalisch wie auch thematisch. Ein echter Zeitraffer in Musikform.

Wann werden Sie in Deutschland touren?
Auf sevenmusic.de ist alles bereits veröffntlicht. Wir spielen 25 Festivals in Deutschland und Österreich und dann auch noch eine Clubtour im Herbst. Im Dezember geht es dann mit den Fantastischen Vier auf gemeinsame Hallentour durch DE,CH und AT.

Seven bei "Sing meinen Song": Das große Interview zur Show

Sie bezeichnen sich als „Bünzli“? Was ist das denn?
Ich mags wenn ich einen Plan habe. Sprich ich muss immer optimieren, da noch was testen und da nochmal was noch eimal proben. Ich bin penibel und ein Kontrollfreak und habe daher sicher eine gute Portion Schweizer „Bünzli“ in mir.

Erklären Sie uns bitte ihren Schuh-Tick und für ihre 300 Paar Sneakers ein eigenes Zimmer. Warum soviele?
Ich habe mit 13 Jahren, 1991, Michael Jordan entdeckt und bin seit diesem Moment an im Herzen ein Basketballer. Ich habe lange im Verein gespielt und spiele heute noch. Damals wollte ich natürlich die Schuhe meines Idols, habe gespart und gespart, bis ich sie endlich kaufen konnte. Dann kam das nächste Model und dann eine andere Farbe und ich habe wieder gespart und gespart – all meine Ferienjobs gingen für den nächsten Schuh drauf, mit denen ich auch auf dem Platz spielte. Wenn sie komplett durchgespielt waren konnte ich sie nicht wegwerfen. Da ist mein Sneakersammlerherz aufgegangen und ich sammle bis heute. Ausschliesslich Nike und nur ein paar wenige Modelle in allen erdenklichen Farben. Ja, ich weiss, es ist eine Sucht und Briefmarken brauchen weniger Platz… aber es ist nun mal so.

Sie sind seit fast sieben Jahren glücklich verheiratet. Sie haben ja auch ganz viele weiblche Fans. Wie geht Zarah damit um und fliegen daheim auch mal die Fetzen?
Meine Frau ist die schönste und beste Frau der Welt. Nur weil ich wegen meinem Beruf vielleicht den einen oder anderen weiblichen Interessenten habe bin ich niemals sooo begehrenswert wie sie. Ich muss froh sein, dass ich SIE habe und nicht umgekehrt..

Mit wem schauen Sie die Shows? Und was hätten Sie im Nachhinein anders gemacht?
Ich schaue die Show zuhause mit meiner Frau. Anders??…hmm…es gibt noch sieben Shows und wer weiss, was noch kommt. Aber bis jetzt kann ich immer noch ruhig schlafen.

Seven bei "Sing meinen Song": Das große Interview zur Show

Fotos: VOX/ Markus Hertrich, SonyMusic