Samstag, 23. April 2016, 9:47 Uhr

Fall Böhmermann: Merkel rudert zurück

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor ihrer heutigen Reise zu Recep Tayyip Erdogan, dem Sultan vom Bospurus, Fehler eingeräumt.

Fall Böhmermann: Merkel rudert zurück

Nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder in Berlin sagte Merkel auf Nachfrage, sie ärgere sich über ihre Äußerung, das Schmähgedicht von Satiriker Jan Böhmermann sei „bewusst verletztend“.”Das war im Rückblick betrachtet ein Fehler”, so die Kanzlerin selbstkritisch. Denn ihre Aussage habe zu der Interpretation geführt, dass ihre „persönliche Bewertung zu irgendetwas etwas zählt“, bzw.„Meinungsfreiheit sei nicht mehr wichtig, Pressefreiheit sei nicht mehr wichtig“. „Menschenrechte, Freiheitsrechte, Pressefreiheit sind unverzichtbare Güter“, betonte Merkel. „Und dass eine Situation entstehen kann, dass gedacht wird, das würde jetzt aufgegeben, weil wir gerade mal mit der Türkei ein Abkommen gemacht haben, das ist fehlerhaft gewesen.“ Bemerkenswert, was der Fall Böhmermann so alles auslöst!

Laut dpa sei übrigens bei der Mainzer Staatsanwaltschaft weder das Strafverlangen der türkischen Regierung sowie die Begründung für den Strafantrag des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wegen Beleidigung eingegangen.


Die Debatte um das Verhältnis von Deutschen und Türken hat sich inzwischen von Merkel gelöst, auch von Erdogan, von Böhmermann, sie erreicht tiefere Schichten, heißt es im täglichen Lage-Bericht des ‘Spiegel’. Es zeige sich, dass etliche Türken und Deutschtürken, schon lange bevor von Ziegen die Rede gewesen ist, ernüchtert auf Deutschland blickten. So fühlten sich die in Deutschland lebenden Türken “verfolgt von deutscher Erniedrigung und Überheblichkeit”, ist das Resümee des Kabarettisten Serdar Somuncu in einem Essay in der neusten Ausgabe.

Foto: WENN.com