Mittwoch, 04. Mai 2016, 19:17 Uhr

Doch kein Aus für Servus TV

Überraschende Wende bei Servus TV: Der von Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz (71) gegründete Sender macht nun doch weiter, wie die Betreiber am Mittwoch mitteilten.

Doch kein Aus für Servus TV

Die erst am Vortag ausgesprochenen Kündigungen der Mitarbeiter wurden zurückgenommen. Nach Gesprächen hätten sich alle Beteiligten darauf verständigt, den in Salzburg ansässigen Privatsender fortzuführen. Die Lösung: Die Arbeiterkammer – die gesetzliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer in Österreich – und die Gewerkschaften akzeptierten bei einem Krisentreffen die Ablehnung der Belegschaft, einen Betriebsrat zu gründen. Dies sei das Ergebnis eines “konstruktiven Gesprächs” gewesen, hieß es in der Firmenmitteilung. “Nicht überraschend für einen Betrieb, der für seine hohen sozialen Standards bekannt ist, lehnt die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter einen Betriebsrat ab”, hielt das Unternehmen fest.

Damit sei nun die “Fortsetzung der partei-politischen unabhängigen Linie” gegeben, was alle Beteiligten begrüßt hätten. Am Dienstag hatte die angekündigte Einstellung von Servus TV samt Kündigung von 264 für Entsetzen in der Branche gesorgt.

Hinweise, wonach eine versuchte Betriebsratsgründung der Auslöser war, wurden der österreichischen Nachrichtenagentur APA zufolge von Mateschitz bestätigt: Es habe eine Initiative per anonymer E-Mail gegeben – “unterstützt von Gewerkschaft und Arbeiterkammer”. Das habe dem Prinzip der Unbeeinflussbarkeit und Eigenständigkeit des Senders widersprochen.

Mehr als 200 Mitarbeiter unterschrieben dann einen offenen Brief, in dem sie sich gegen einen Betriebsrat aussprachen. “Die anonyme Umfrage über die mögliche Gründung eines Betriebsrates unterstützen wir – und das ist die überwältigende Mehrheit aller Mitarbeiter von Servus TV – ausdrücklich nicht”, hieß es darin. Sie lobten in dem Schreiben, das der NDR-Sendung “Zapp” vorliegt, den “visionären Unternehmer” Mateschitz, der ihnen kurz zuvor gekündigt hatte, und dankten für sein Engagement. Weiter schrieben sie: “Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat.” Und: “Es ist uns kein Unternehmen bekannt, das einen derart sozialen und loyalen Umgang mit seinen Mitarbeitern pflegt wie ServusTV/Red Bull.”

Der gebürtige Steirer Mateschitz hat mit Red Bull ein weltweites Getränkeimperium geschaffen. Die Koffeinbrause ist in mehr als 160 Ländern erhältlich und gilt als wertvollste Marke Österreichs. Red Bull ist bekannt für geschickte Marketing-Aktionen und für das Sponsoring von unzähligen Sportarten. Neben Fußballvereinen besitzt Mateschitz auch ein Formel-1-Team. (dpa/KT)

Foto: ATP/WENN.com