Freitag, 13. Mai 2016, 23:17 Uhr

Hammer! Antony Hegartys erstes Album als Anohni

Antony and the Johnsons sind Liebe, Schmerz und Selbstaufgabe. Das Gesicht der Band widmet sich unter neuer Identität nun Weltkatastrophen. Anohnis Platte kommt mit frischem Sound – und einem Supermodel.

Hammer! Antony Hegartys erstes Album als Anohni

Sechs Jahre nach ‘Swanlights’ hat Antony Hegarty nun als Transgender Anohni ein neues Album herausgebracht. “Hopelessness” heißt es und bricht mit dem Sound, den man von den Platten ihrer Band Antony and the Johnsons bisher kannte: Dance statt Kammermusik, Electro statt Barock. Bereits seit Jahren lebe sie privat als Anohni, sagt die britische Sängerin der BBC.

Auf ihrem musikalischen Debüt als Frau sind Innerlichkeit und Identitätsfragen politischen Statements gewichen: Es geht um Klimawandel, Drohnenkrieg und Todesstrafe. Doch eines hat die Platte mit Vorgängern wie “I Am A Bird Now” gemeinsam: den Schmerz. Das fantastische “Drone Bomb Me”, in dem leichte Dance-Beats auf radikale Brutalität treffen, sei “ein Liebeslied aus der Perspektive eines neunjährigen afghanischen Mädchens, dessen Familie von einer Drohne getötet wurde”, erklärt die 1971 geborene Sängerin den Album-Opener.

Supermodel Naomi Campbell bewegt im Video wie ein Orakel die Lippen zu Anohnis eindringlicher Stimme: “Blas mir den Kopf weg, lass meine kristallnen Eingeweide explodieren.”

Anohni komponiert Popmusik, die herausfordert. “Ich muss Songs schreiben, die so scharfe Zähne haben wie meine Gedanken”, sagt sie. Erderwärmung (‘4 Degrees’), Totalüberwachung (‘Watch Me’), enttäuschte Hoffnung (‘Obama’): Hopelessness ist ein trauriges Album mit optimistischem Sound. Ein Tanz in den Untergang. Hammer! (dpa)

Demnächst auch live: Anohni spielt am 28. Juni in Berlin und am 29. Juni in Köln.

Hammer! Antony Hegartys erstes Album als Anohni

Fotos: Alice Omally/Rough Trade