Sonntag, 15. Mai 2016, 9:55 Uhr

Jamie-Lee Kriewitz ist ESC-Letzte: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

Lange Zeit sieht beim ESC-Finale alles nach einem Sieg von Australien aus, doch dann siegt überraschend die Ukraine. Das als Favorit gehandelte Russland wird nur Dritter, die Bundesrepublik nur Sechsundzwanzigster.

Jamie-Lee Kriewitz ist ESC-Letzte: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

Deutschland hat somit beim Eurovision Song Contest (bei dem gestern 9,33 Millionen zusahen) zum zweiten Mal in Folge nur den letzten Platz erreicht. Mit lediglich elf Punkten landete Jamie-Lee Kriewitz (18) in Stockholm mit dem Song ‘Ghost’ ganz hinten im Feld der 26 Finalteilnehmer. Im vergangenen Jahr war Deutschland mit Ann Sophie (‘Black Smoke’) ebenfalls nur auf den letzten Platz gekommen – allerdings mit null Punkten. Den Sieg holte diesmal die krisengeplagte Ukraine, vor Australien und Russland.

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Jamie-Lee Kriewitz ist ESC-Letzte: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

In der Nacht zum Sonntag sagte Jamie-Lee im ARD-Fernsehen, sie sei natürlich ein bisschen traurig, aber sie gebe sich keine Schuld. “Ich war sehr zufrieden mit meinem Auftritt und ich glaube, ich habe mir nichts vorzuwerfen.” Die Siegerin der ProSieben-Castingshow ‘The Voice of Germany’ mit der Startnummer zehn meisterte ihren Auftritt gegen 21.45 Uhr in einem blauen fantasievollen Manga-Outfit-Kleid mit Kopfschmuck und mystischem Waldbühnenbild. Gegenüber ‘Eurovision.de’ sagte die 18-Jährige: “Nächstes Jahr wird Deutschland einen besseren Platz belegen, da bin ich mir sicher. Ich werde jetzt erstmal feiern, ich wünsche euch noch eine wunderschöne Nacht und ich hoffe, ihr habt meinen Auftritt dennoch genossen und mit mir zusammen zelebriert.”

ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber erklärte: “Jamie-Lee ist eine besondere, liebenswerte junge Frau und eine wunderbare Sängerin. Ihr Auftritt war 1-A. Nach unserem Eindruck hat Jamie-Lee – so wie bei den großen Publikumsabstimmungen in Deutschland bei ‘The Voice of Germany’ und ‘Unser Lied für Stockholm’ – vor allem das junge Publikum angesprochen. International und beim Publikum in allen Altersschichten ist es offenbar eher auf Unverständnis gestoßen, dass ein Manga-Mädchen aus Deutschland antritt. Zum ganzen fairen Bild gehört aber auch, dass Jamie-Lee unser gesamtes Team sehr beeindruckt hat – so wie sie die große Bühne für sich eroberte, wie sie gesanglich überzeugt und wie sie mit der Presse und dem ganzen Druck vor Ort umgegangen ist: sympathisch und souverän.”

Jamie-Lee Kriewitz ist ESC-Letzte: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

Auf Platz eins mit 534 Punkten landete diesmal überraschend die Ukraine. Der Song ‘1944’ der Krimtatarin Jamala (32) ist eine moderne Klage-Ballade. Das Lied mit Elektro-Elementen beschreibt die Vertreibung ihrer Minderheit unter Sowjetdiktator Josef Stalin und wurde zum Teil auch als Kritik an Russlands Krim-Annexion 2014 verstanden. Beschwerden gegen den angeblich aktuell-politischen Gehalt hatten die ESC-Veranstalter aber zurückgewiesen.

“Ich wusste, dass es die Menschen berühren kann, wenn man über etwas Wahres singt”, sagte ESC-Siegerin Jamala in der Nacht zum Sonntag bei einer Pressekonferenz.

“Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass man einfach nur an das glauben muss, was man tut.” Die politische Spitze ihres Landes gratulierte überschwänglich zum Sieg: “Unglaublicher Auftritt und Sieg! Die ganze Ukraine dankt dir von Herzen, Jamala!”, twitterte Präsident Petro Poroschenko.

Das Finale des 62. Eurovision Song Contest soll nach vorläufigen Angaben der Veranstalter von der European Broadcasting Union (EBU) am 20. Mai 2017 über die Bühne gehen. Vermutlich wird der Austragungsort die ukrainische Hauptstadt Kiew sein. ESC-Direktor Jon Ola Sand zeigte sich überzeugt, dass die Veranstaltung trotz des andauernden Konflikts der Ukraine mit russischen Separatisten dort steigen kann. (dpa/KT)

Jamie-Lee Kriewitz ist ESC-Letzte: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

Fotos: : Anna Velikova (EBU), Hanses (EBU)