Montag, 23. Mai 2016, 19:15 Uhr

Lemo: Die Entdeckung des Sommers im Interview

Der Wiener Musiker Lemo singt Songs mit wunderbaren Melodien. Seine raue Stimme sorgt dafür, dass es dabei nicht zu lieblich zugeht. Und die Texte? Die sprechen uns direkt aus der Seele. Kaum jemand kann so tiefe Gefühle so direkt ausdrücken, ohne dabei schwer zu wirken.

Lemo: Die Entdeckung des Sommers im Interview

Das liegt dann doch am Schmäh, Wiener hin oder her. Bei Lemo geht es um den Alltag, der einen umtreibt, um diese speziellen Stimmungen, durch die einen das Leben spült. Gleichzeitig verfügt der 31-Jährige über eine Coolness, über ein Selbstbewusstsein und eine Präsenz, die uns umhaut. Echte Österreichische Popmusikschule, mit Lässigkeit vertreten. Unsere Österreicherin Geraldine hat sich mit ihrem Landsmann getroffen.

Die Wurzeln im Indierock, gleichzeitig geprägt von der Stuttgarter Kolchose und internationalen Künstlern wie Jamie Cullum, Ben Howard oder John Mayer fand Lemo im Zuge seiner Ausbildung zum Tontechniker schließlich seinen ganz eigenen Zugang zur Popmusik.

Erzähl mir doch was zu deinem Album, wann ist es entstanden und wie?
Es hat sehr lang gedauert – der ganze Prozess. Es hat begonnen 2013, da es das erste Album war und auch eine Suche nach Liedern war. Wir haben
Songs auch sehr oft verworfen. Wir mussten gucken, in welche Richtung es gehen soll.

Du klingst für einen Österreicher auf deiner Platte schon sehr deutsch. Ist das gewollt?
Das ist nicht absichtlich, es kommt einfach hochdeutsch bei mir heraus. Das war kein Kalkül.

Du warst 2016 für den “Amadeus” nominiert in der Kategorie “Songwriter des Jahres.” Wie war das für dich?
Das war ich letztes Jahr auch schon und ich wusste, dass ich ihn auch dieses Jahr nicht gewinnen werde (lacht). Aber ich habe mich darüber
gefreut, denn das heißt ja, dass irgendjemand da draußen das hört und es gut findet.

Lemo: Die Entdeckung des Sommers im Interview

Wo möchtest du denn musikalisch hin?
Ich möchte musikalisch die Weltherrschafft (lacht). Ich möchte natürlich, dass es besser wird. Jetzt kommt das erste Album und ich arbeite auch schon am zweiten. Das, was gut funktioniert, möchte ich einfach verbessern und das, was nicht gut funktioniert hat, einfach weglassen.

Wie kam es zu deinem Künstlernamen “Lemo”?
Das ist ein Spitzname und kommt von meinem Namen Clemens, am Anfang war es noch Clemo und dann wurde daraus Lemo (lacht).

Bist du das erste Mal in Berlin?
Nein, meine Freundin hat zwei Jahre hier gelebt, aus diesem Grund war ich schon sehr oft hier. Ich habe auch unter anderem hier schon als Support Act für Revolverheld gespielt.

Was empfiehlst du einem Wiener der nach Berlin kommt? Was sollte er oder sie unbedingt sehen oder machen?
Auf jeden Fall am Sonntag zum Karaoke in den Mauerpark gehen. Dann auch unbedingt auf die Warschauer Straße gehen und dort alle Läden unsicher machen. Es gibt hier unglaublich viele coole “Beisl” (zu deutsch Kneipen, die Red.) und es gibt in Mitte eine Bar die heißt “Meine Bar.” Das ist meine Lieblingsbar. Sie ist eigentlich relativ unspektakulär, aber sie sieht aus wie meine Bar, wenn ich eine Bar eröffnen würde (lacht).

Für einen österreichischen Künstler ist das schon sehr ungewöhnlich, sein erstes Album auch gleich in Deutschland zu präsentieren. Woran liegt das?
Ich habe ein wahnsinniges Glück mit meinem tollen Team. Das ist echt superwichtig, denn ich bin echt unfähig, was Marketing und Planung, etc. angeht.

Wovon lässt du dich musikalisch inspirieren?
So banal es auch klingen mag – vom Leben. Alles was passiert, eben auch Liebe.

Ich hab letztens von der Band “Voxxclub” gehört, dass einer seine Songs auf der Toilette schreibt. Kannst du das nachvollziehen?
(Lacht) Ich schreibe viele meiner Songs auf der Toilette. Ich habe das Gefühl, dass ich da am ungestörtesten bin.

Lemo: Die Entdeckung des Sommers im Interview

Das erklärt einiges, denn das ist doch ein sehr intimer Ort. Wo und wie entsand die Single “Der Himmel Über Wien”?
Der ist zum Beispiel von vorne bis hintem auf dem Klo entstanden, aber der hat natürlich eine wahnsinig tiefe Bedeutung. Es geht um das Ende einer Beziehung.

Aber du hast ja jetzt eine Beziehung, oder? Wie entstand der?
Der ist ausgedacht, eher eine Rückerinnerung…autobiografisch.

Warum macht man, wenn man in einer intakten Beziehung ist, einen Song über das Ende einer Beziehung?
Gute Frage – weiß ich auch nicht genau. Vielleicht ist sie mir gerade auf die Nerven gegangen (lacht). So etwas kann auch vorkommen, auch wenn es passt. Auch in intakten Beziehungen ist nicht immer alles super.

Hast du neben der Musik auch noch Projekte oder ist der Fokus nur auf der Musik?
Im Moment ist es nur musik. Ich würde vielleicht gern mal im Radio moderieren, aber vielleicht nicht unbedingt etwas am Morgen (lacht). Bin
kein Frühaufsteher.

Was hörst du privat für Musik?
Jamie Cullum zum Beispiel oder John Mayer, eher englischsprachige Musik oder auch Foo Fighters. Ich finde aber auch Joris gut.

Fotos: klatsch-tratsch.de/Georg Krause