Dienstag, 24. Mai 2016, 23:10 Uhr

Filmkritik: George Clooney als "Money Monster"

Ein frustrierter Kleinanleger verliert all sein Geld – und macht den Experten dafür verantwortlich, der ihm die Anlage empfohlen hat. Der Film “Money Monster” ist eine bitterböse Abrechnung mit der Gier – und ein Beweis dafür, dass selbst George Clooney nicht alles kann.

Filmkritik: George Clooney als "Money Monster"

Lehman Brothers, Börsencrash, Finanzkrise: Wohl die wenigsten Menschen verstehen die Mechanismen hinter den Finanzsystemen dieser Welt. Resignieren vor der scheinbar überwältigenden Masse der Information. Mit diesem Phänomen spielt der Film “Money Monster”, den Regisseurin Jodie Foster, als Schauspielerin (‘Das Schweigen der Lämmer’) oscarprämiert, auf die Leinwand bringt und der in Cannes Premiere feierte. Garniert wird das Ganze mit einem Megastar-Aufgebot: Julia Roberts und George Clooney sind dabei.

Clooney spielt den ebenso erfolgreichen wie eitlen und – zumindest auf den ersten Blick – oberflächlichen Moderator Lee Gates, der wahrscheinlich nicht zufällig den gleichen Namen trägt wie Multimilliardär Bill. Mit seiner Finanzshow “Money Monster”, in der er Anlegern heiße Tipps gibt, ist er selbst reich geworden.

Im Hintergrund zieht Produzentin Patty (Julia Roberts) als Organisations-Genie und gute Seele der Show die Fäden. Und das tut sie – nach einer Schrecksekunde – auch, als der wütende Kleinanleger Kyle (Britenstar Jack O’Connell) schwer bewaffnet die Show stürmt. Frei nach dem Motto: Eine Geiselnahme ist noch lange kein Grund, hart erarbeitete Standards für eine gute Show über Bord zu werden.

Kyle nimmt Moderator Lee als Geisel, weil er nach einem Tipp von ihm sein komplettes Vermögen verloren hat. Er will aber nicht nur Geld, er will Antworten und gibt sich nicht mit Plattitüden zufrieden. Warum ist der verdammte Aktienkurs des Unternehmens eingebrochen, wenn doch vorher alles für einen glänzenden Verlauf sprach?

Filmkritik: George Clooney als "Money Monster"

Während rund um das Studio die Einsatzkräfte des Sondereinsatzkommandos Stellung beziehen, versuchen Lee und Patty, den verzweifelten Geiselnehmer in Schach zu halten und ihn davon zu überzeugen, seine Bombe nicht hochgehen zu lassen. Es ist ein Echtzeit-Thriller. Nach und nach erwachen auch in Lee ein lange in Vergessenheit geratenes journalistisches Gespür sowie der Wunsch nach Wahrheit und einem Fünkchen Moral.

So klassisch die Geschichte vom geläuterten Karrieristen, der erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben (Patty vielleicht?), so klug die Idee, die Finanzkrisen der Welt mit Immanuel Kants kategorischem Imperativ zu verbinden, sich doch bitte endlich wieder des eigenen Verstandes zu bedienen – auch wenn es anstrengend ist.

Filmkritik: George Clooney als "Money Monster"

Foster inszeniert eine bitterböse, zynische, sehr unterhaltsame und streckenweise wirklich witzige Abrechnung mit der Gier und zeigt, dass es zwar bequem ist, zu glauben, niemand könne die Finanzwelt von heute noch verstehen – dass aber möglicherweise einfach der schnöde menschliche Makel hinter einem großen Börsencrash stehen kann.

Apropos menschlicher Makel: Von Clooney war diesbezüglich bislang ja kaum etwas bekannt – doch dieser Film könnte das ändern. Die zweite wichtige Erkenntnis neben der Kant’schen Aufforderung ist, dass Clooney nicht tanzen sollte – und schon gar nicht in der Öffentlichkeit. (Britta Schultejans, dpa)

Filmkritik: George Clooney als "Money Monster"

Fotos: SonyPictures