Mittwoch, 01. Juni 2016, 22:06 Uhr

Filmkritik "Green Room": Der Horror lauert backstage

In „Green Room“ (Kinostart 2. Juni) gerät die Loser-Punkband „Ain´t Rights“ (u.a. Alia Shawkat, Anton Yelchin) auf einem Konzert-Event in einen Hinterhalt. „Ain´t Rights“ ist so mäßig erfolgreich, dass sie das Benzin für die Anfahrt dorthin klauen müssen, ihre letzte Gage war pro Nase elf Dollar irgendwas.

Filmkritik "Green Room": Der Horror lauert backstage

Die Bandmitglieder pennen im Mini-Tourbus, Körperhygiene oder geregelte Mahlzeiten – wie bitte? Das Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben der Punks gehört zu ihrem Traum von Freiheit und irgendein Manifest von wegen Scheiß-Gesellschaft gibt es natürlich auch.

Nun landen die dünnen Kerlchen von Musiker in diesem abgelegenen Schuppen, schreien ihre Songs in die tumbe Menge und es ist nicht länger zu leugnen: der Stall ist voll mit Nazis. Der Gig wird trotzdem durchgezogen. Und dann kommt es zu einem Zwischenfall, der den Garderobenraum backstage zu einem Ort des Alptraums macht. Eine Sause der finsteren Art beginnt, von dem weder die Punks noch der Zuschauer weiß, was eigentlich los ist. Stell dir vor, du besteigst einen Achterbahnwagen und du hast keine Ahnung welche Gefahrenklasse die Bahn eigentlich hat. Mal davon abgesehen, dass weder Fahrspaß noch eine sicheres Ende der Sause beabsichtigt ist.

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In der Garderobe wird die Band Zeuge eines Mordes und von hier an wird der Raum wahlweise zur Trutzburg, in der man sich verschanzt und dann wieder sicherer Zufluchtsort wider Willen. Es wird undurchsichtig, dunkel und extrem fies. Die hellste Kerze und ebenfalls Zeugin des Mordes ist Amber (Imogen Poots), die ihrer halbrasierten Nazifrisur Lügen straft, denn darunter steckt ein smartes Köpfchen und ein Überlebensinstinkt der Extraklasse. Sie wird in dieser Alptraumnacht zur Verbündeten, aus dem einfachen Grund, weil sonst niemand anderes da ist.

Filmkritik "Green Room": Der Horror lauert backstage

Was dann passiert ist ein Mix aus Horror und Suspense. Es treten Charaktere auf, die man lieber nicht kennengelernt hätte. Ziemlich schnell übernimmt die totale Überforderung die Handlungsstrategien der Punkbandmitglieder. Und dadurch, dass es Durchschnittstypen sind, die nicht wissen, was kommt, wieso Nazi-Anführer Darcy (Patrick Stewart) so fies – und mit so sinistrer Stimme (!) – handelt, macht es „Green Room“ sehr nachvollziehbar. Darcy spielt Katz und Maus, er geht strategisch und äußerst brutal vor, denn niemand soll entkommen. Und gibt es etwas Schöneres, als von dem großen Shakespeare-Barden Patrick Stewart ( u.a. auch unsterblich geworden als Jean Luc Picard vom Raumschiff Enterprise – The next Generation), in „Green Room“ mal so richtig das Fürchten gelehrt zu bekommen? Fazit: Straight erzähltes Horrorkino. (Katrin Wessel)

Filmkritik "Green Room": Der Horror lauert backstage

Fotos: Universum