Montag, 06. Juni 2016, 20:08 Uhr

Rock am Ring 2016: "Keine Sternstunde der verantwortlichen Behörden"

Der Veranstalter zeigte sich enttäuscht, dass er das Musikfestival ‚Rock am Ring‘ absagen musste. Marek Lieberberg sah sich aufgrund der schweren Unwetter gezwungen, sein Festival abzusagen, bei dem am Freitag 82 verletzt wurden. Daraufhin wurde ihm die Genehmigung entzogen.

Rock am Ring 2016: "Keine Sternstunde der verantwortlichen Behörden"

Im Interview mit ‚RP Online‘ erklärte er, was er von der Entscheidung hält: „Für mich und meine Mitarbeiter ist immer oberste Maxime, dass die Fans Spaß haben und dabei sicher sind. Die Entscheidung der Verbandsgemeinde Mendig, die sich stark an der Empfehlung der Polizei orientiert hat, trage ich aber nicht mit. Die Entscheidung ist falsch. Die Absage ist die schlechtest mögliche Entscheidung – das habe ich immer wieder betont.“ Am Sonntag hat sich das Wetter dann tatsächlich gebessert. „Für Sonntag waren zwischen 14 und 17 Uhr einige Gewitter angesagt. Wir hätten die Besucher bei einer konkreten Gefährdung auffordern können, sich in die Autos zu setzen, und das Programm fortgesetzt, wenn die Gefahr vorüber ist. Also gegen 17, 18 Uhr. Das wäre richtig gewesen.“ Ob man wieder mit der Gemeinde zusammenarbeiten werde, ist fraglich, wie er weiter erzählte: „Das ist eine berechtigte Frage, mehr will ich dazu jetzt noch nicht sagen. Außer: The show will & must go on. So viel ist sicher.“

Rock am Ring 2016: "Keine Sternstunde der verantwortlichen Behörden"

Bei dem Festival in der Eifel waren am Freitagabend mehr als 70 Menschen durch Blitzeinschläge verletzt worden. Sie erlitten vor allem Verbrennungen und klagten über Herz-Rhythmus-Störungen. Weil weitere schwere Unwetter angekündigt waren, hatte die Verbandsgemeinde am Sonntag die Genehmigung für die Fortsetzung des Festivals mit rund 90 000 Besuchern entzogen.

Ihre Entscheidung begründete die Gemeinde nun mit der „Abwehr von drohenden Gefahren für Leib und Leben“. Der Abbruch sei aufgrund des überragenden Schutzinteresses der Festivalbesucher und der auf dem Festivalgelände tätigen Menschen erfolgt.


Lieberberg sagte in dem Interview der ‚Rheinischen Post‘: „Es hat schon eher an Fahnenflucht erinnert, als sich die Fans ihre Wege über die Felder bahnten und ihr Hab und Gut zurückließen.“ Das sei nicht gerade eine „Sternstunde der verantwortlichen Behörden“ gewesen. Er hätte es besser gefunden, die Besucher am Sonntag bei konkreter Gefahr zu warnen und das Programm anschließend fortzusetzen. „Die Behördenvertreter haben sich aber nicht darauf eingelassen und stoisch auf ihre Sichtweise verwiesen.“ Eine Entschädigung für die Besucher ist derzeit nicht geplant. So mussten Fans unter anderem auf Black Sabbath verzichten und am Sonntag die Heimreise antreten. (Bang/dpa)

Fotos: dpa/Thomas Frey