Mittwoch, 08. Juni 2016, 20:20 Uhr

Filmkritik "Stolz und Vorurteil" und die Zombie-Apokalypse

Kaum ein Roman ist so oft verfilmt worden wie Jane Austens ‚Stolz und Vorurteil‘. Jetzt kommt eine sehr ungewöhnliche Version ins Kino: Hoch- trifft Popkultur, Jane Austen trifft ‚Game of Thrones‘ – und Eliza Bennet auf die Zombie-Apokalypse.

Filmkritik "Stolz und Vorurteil" und die Zombie-Apokalypse

Die Welt der britischen Schriftstellerin Jane Austen (1775-1817) zeichnet sich – zumindest auf den ersten Blick – durch die sanften, grünen Hügel der englischen Grafschaft Hampshire aus, zurückhaltende Damen in pastellfarbenen Kleidchen und galante, schwarz gekleidete Gentlemen, die ihnen die Hand küssen. Eine Neuverfilmung ihres Klassikers ‚Stolz und Vorurteil‘, die jetzt in die Kinos kommt, fügt der Austen’schen Farbpalette eine ganz neue hinzu: Blutrot.

Nach klassischen Verfilmungen wie der mit Keira Knightley von 2005 oder der etwas verfremdeten in Form von ‚Bridget Jones‘ hat der neue Film von Regisseur Burr Steers (‚Wie durch ein Wunder‘), den Oscar-Preisträgerin Natalie Portman (‚Black Swan‘) mitproduziert hat, einen einigermaßen ungewöhnlichen Zugang in die eigentlich doch so romantische Welt Austens gefunden: Er verbindet sie mit nichts Geringerem als der Zombie-Apokalypse.

Stolz und Vorurteil & Zombies‘ heißt der Film dann auch folgerichtig, der auf der gleichnamigen Romanvorlage von Seth Grahame-Smith beruht, einem Buch, das 2009 zu einem kleinen Popkultur-Phänomen wurde.

In der Geschichte kommt zu dem großen Problem der Familie Bennet, gleich fünf Töchter irgendwie an den Mann bringen zu müssen, noch eine beinahe ebenso große Sorge: England ist im Jahr 1811 im Begriff, von einer Zombie-Welle überrannt zu werden.

London droht, vor der Armee Hirn fressender Zombies zu fallen, Untote tummeln sich in den Wäldern. Das Gemeine dabei: Kurz nach der Zombie-Infektion sind die Untoten noch nicht als solche zu erkennen – aber trotzdem mordsgefährlich. Jeder könnte ein Zombie sein. Weil das so ist, hat der unerschrockene Mr. Darcy (gespielt von Alexandra Maria Laras Ehemann Sam Riley) immer ein paar Schmeißfliegen in einem Reagenzglas dabei.

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Die erkennen totes Fleisch nämlich auch dann, wenn es noch lebendig aussieht – und Darcy schlägt dann erbarmungslos zu, ersticht, köpft, verbrennt. Das hat er mit Eliza Bennet (Lily James) gemeinsam, die – wie ihre Schwestern – die hohe Kampfkunst in China gelernt hat und Zombies im Zweifel noch unerschrockener zur Strecke bringt als Darcy.

Frei nach dem Motto: „Zombies oder nicht – Frauen müssen heiraten“ wird nebenbei ganz in Ruhe Austens Geschichte ganz klassisch mit dem Originaltext erzählt – und auch Riley springt als Darcy im weißen Hemd fast so formvollendet in einen Teich wie schon der Darcy schlechthin, der spätere Oscar-Preisträger Colin Firth, in der legendären BBC-Verfilmung.

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Die heftige Liebe zwischen Eliza und Darcy, die zarte Liebe zwischen ihrer Schwester Jane und Mr. Bingley, das erfolglose Werben des unerträglichen Cousins und Erben des Bennet-Vermögens, Pfarrer Collins, um Eliza – und ihre spektakuläre Fehleinschätzung des charmanten George Wickham kommen auch im Zombie-Film vor. Die Konsequenzen sind hier nur sehr viel brutaler, blutiger und endgültiger.

Zwischendurch wird immer wieder anhand mittelalterlich anmutender Karten gezeigt, in welche Richtung sich die Zombie-Meute bewegt, oder wohin Mr. Darcy auf seinem edlen Ross gerade reitet. In der Optik erinnert das manchmal an den Serien-Hit ‚Game of Thrones‚. Aber vielleicht liegt das auch nur daran, dass die furcht- und kompromisslose Zombie-Vernichterin Lady Catherine de Bourgh von Lena Headey gespielt wird – in ‚Game of Thrones‘ gibt sie das Serienbiest Cersei.

Filmkritik "Stolz und Vorurteil" und die Zombie-Apokalypse

Dass Jane Austens Welt mit der Zombie-Apokalypse in etwa so viel zu tun hat wie ‚Game of Thrones‘ mit dem ‚Traumschiff‘, sorgt für die durchaus unterhaltsamen, ironischen Brüche, die sich durch den gesamten Film ziehen. Da werden die Bennet-Schwestern kurzfristig zu Charlies Engeln, wenn sie ihre Strumpfbänder mit Waffen ausstatten, bevor sie zum bei Austen unvermeidlichem Ball im Herrenhaus ziehen.

Hier sind es die Heldinnen, die ihre Männer vor den blutrünstigen Zombies retten. So abwegig diese Splatter-Momente auf den ersten Blick scheinen – von Austens für ihre Zeit unglaublich fortschrittlichem Frauenbild ist der Film irgendwie gar nicht so weit entfernt. (Britta Schultejans, dpa)

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Fotos: Square One/Universum