Freitag, 10. Juni 2016, 16:40 Uhr

TV-Star Katharina Kowalewski dreht mit Claudia Cardinale und Laetitia Casta

Katharina Kowalewski ist in Deutschland aus der ZDF-Fernsehserie „SOKO Stuttgart“ und der Kriminalfilmreihe „Polizeiruf 110“ bekannt. Zurzeit lebt die Schauspielerin und Regisseurin in New York und steht in den USA mit Legenden wie Claudia Cardinale und Laetitia Casta vor der Kamera.

TV-Star Katharina Kowalewski dreht mit Claudia Cardinale und Laetitia Casta

Mit klatsch-tratsch sprach sie über ihr neuestes Filmprojekt, ihre Jurytätigkeit beim Polnischen Filmfestival in New York und das Reisen.

Du bist ein wahrer Kosmopolit und neben Berlin auch in Paris, New York und Los Angeles zu Hause. Wo fühlst du Dich am wohlsten und was bedeutet Heimat für Dich?
Ich fühle mich überall dort wohl, wo ich Menschen um mich herum habe, die ich liebe und an den Orten wo ich Projekte habe, die mich fordern und mir Spaß machen. Mein Zuhause trage ich im Herzen und auch wenn ich meine Familie und Freunde nur unregelmäßig sehen kann, spreche ich trotzdem täglich mit ihnen. Aktuell ist New York meine Base, aber das wird sich sicher bald ändern, denn ich habe vor, nach dem Sommer nach Los Angeles zu ziehen. Was die Bedeutung von Heimat angeht, bin ich gerade dabei, mich persönlich damit auseinanderzusetzen: Ich arbeite aktuell zusammen mit meiner Schwester Kamila an einem Dokumentarfilm über die Vertreibung meiner ukrainischen Familie. Da merkt man, wie wichtig Heimat ist – vor allem für diejenigen die flüchten müssen oder vertrieben wurden.

Du bist nicht nur viel unterwegs, sondern auch beruflich sehr vielseitig. Neben der Schauspielerei, bist du als Regisseurin tätig und hast als Pariser Korrespondentin für das Oyster Magazine bereits viele Persönlichkeiten interviewt. Was macht diese Mischung für Dich aus?
Ich habe erst kürzlich festgestellt, dass es gar nicht so eine große Mischung ist, wie ich dachte. Ich liebe Menschen, ihre Gefühle und Geschichten. In allem was ich tue, verbinde ich diese Dinge miteinander und bringe sie in ganz unterschiedlicher Form zum Ausdruck. Wenn ich vor der Kamera stehe, geht es nicht um mich, sondern um die Geschichte, die erzählt wird. Gleiches gilt für die Regie, man erzählt Geschichten von Menschen und ihren Emotionen. Für mich ist es das natürlichste auf der Welt. Dass wir für alles immer eine konkrete Berufsbezeichnung brauchen, ist mir ein Rätsel (lacht).

Letztes Jahr warst du in “Arletty” mit Laetitia Casta und Ken Duken im französischen Fernsehen zu sehen. Wie war die Zusammenarbeit mit den beiden und worum geht es in dem Film?
Wie der Titel schon vermuten lässt, geht es um Arletty, die große französische Schauspielikone aus Filmen wie „Kinder des Olymp“ von Michel Carné. Es war toll, für die Vorbereitung auf die Dreharbeiten all diese alten Filme zu sehen.
Der Dreh mit Laetitia Casta war extrem emotional, denn wir spielen eine Schlussszene im Film, in der ich ihr den Tod meines Mannes und ihres Geliebten, gespielt von Ken Duken, verkünde. Wir beide hatten während des gesamten Drehs Tränen in den Augen. Es war super mit so einem tollen Team arbeiten zu dürfen, alle waren sehr konzentriert. Bevor ich am Set auf Laetitia gestoßen bin, war sie in der Maske und wurde auf „alt“ geschminkt. Ich habe sie erst bei der Premiere des Films in Paris ganz natürlich und ohne „Old-Age-Makeup“ gesehen (lacht).

Dein nächstes Projekt ist der Independent Film “The frozen sea” von Alvin Case. Der Film handelt vom Zeitreisen. In welches Zeitalter würdest du gerne reisen und warum?
In die 60er Jahre nach Italien, direkt in das bunte Treiben wie im Kinofilm „8 ½“ von Federico Fellini. Ich finde, dass ich wahnsinnig gut in die 60er Jahre passe (lacht). Ich habe auch die Nouvelle Vague Filme geliebt, den Style, den Look, die Möbel, die Autos, einfach ALLES! Diese Epoche hat für mich so viel Klasse und ich kann nicht genug von Filmen aus dieser Zeit bekommen. Auch heute liebe ich nach wie vor Regisseure wie Paolo Sorrentino oder Luca Guandagnino. Ich bereue es auch, dass ich nie Italienisch gelernt habe (lacht).

Im Juni feiert der Kinofilm “Joy de V” mit dir, Claudia Cardinale und Joséphine de La Baume in New York Premiere  Bist du schon aufgeregt wie der Film beim Publikum ankommen wird?
Ich habe ja schon beobachten können wie er in Paris und beim „Slamdance Film Festival“ ankam. Es gab dort sogar einen Special Jury Preis fu?r den Film. Ich denke, die Tatsache, dass „Joy de V“ jetzt auch in New York gezeigt wird, wo der Film gedreht wurde, ist nochmal etwas Besonderes, denn die Kinobesucher erkennen vielleicht die eine oder andere Straße in Brooklyn wieder und können einen persönlicheren Bezug aufbauen.
Ich werde bei den Premieren sowieso nicht erkannt, weil ich im Film dunkle Haare habe, einen eher strengen Look mit Pferdeschwanz. Wenn ich dann mit blonden, langen, offenen Haaren und einem Lächeln auftauche, müssen alle erstmal überlegen welche Rolle ich gespielt habe (lacht).

TV-Star Katharina Kowalewski dreht mit Claudia Cardinale und Laetitia Casta

Du warst in der Jury vom Polnischen Filmfestival in New York. Wie genau sah deine Jurytätigkeit aus und was macht die polnischen Filme so Besonders?
Ich liebe polnische Filme, vor allem die von Kieslowski. Und dieses Jahr gab es auch eine Retrospektive von seinen Filmen. In einem Interview hat er dort über die Rolle seiner Filme als Gegenpol zur politischen Situation im Land erzählt. Ich finde, dass die polnischen Filme eine gewisse Tiefgründigkeit, Spiritualität und einen sehr coolen Humor haben. Darüber hinaus kann man dort die besten Kameramänner finden. Der diesjährige Gewinner ist übrigens „Body“ von Malgorzata Szumkowska, der Film wurde bereits auf der Berlinale ausgezeichnet. Der Jury Preis war vor allem für Filme, die einem internationalen Publikum gefallen und ich finde es faszinierend wie die polnischen Filmemacher es immer wieder schaffen, sich durchzusetzen. Da muss man nicht lange suchen: „Ida“ von Pawel Pawlikowski hat den Oscar gewonnen, Filmemacher wie Polanski und Jerzy Skolimowsk sind international sehr angesehen. Es ist ein intellektuelles Kino, gepaart mit perfekten Bildern, Tiefgründigkeit, aber auch Humor.

Neben Deutsch sprichst du auch Französisch, Englisch und Polnisch. Bist du multilingual aufgewachsen oder einfach ein Naturtalent?
Ich bin mit so vielen unterschiedlichen Sprachen aufgewachsen. Meine Großeltern mütterlicherseits sprachen ukrainisch, meine andere Oma deutsch, meine Eltern polnisch. Ein anderer Teil meiner Familie kommt aus Kanada, mein Patenonkel wohnt hier in New York. Bereits als Kind war es also notwendig mehrere Sprachen zu beherrschen, um sich verständigen zu können (lacht). Ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern wie genau ich sie gelernt habe. Als Kind ging das ganz schnell …

Welche Destination steht als Nächstes auf deiner Reiseliste?
Ich möchte gerne nach Brasilien zu John of God und nach Mexico, um dort einen spirituellen Film zu drehen. Ich selbst habe bereits viele spirituelle Reisen gemacht. Alvin Case, der Regisseur von „Frozen Sea“ möchte mit mir auch noch einen zweiten Film machen in dem ich eine Frau spiele, die aus einer oberflächlichen Welt in einen spirituellen Kosmos eintaucht und daraus etwas mitbringt, um die Welt etwas besser zu machen.

Fotos: Philipp Müller, Christian Borth