Samstag, 25. Juni 2016, 14:32 Uhr

Motsi Mabuse: Schauspieldebüt in "Hexenjagd"

Kein leichtes Sommertheater, sondern ein starkes Bühnenstück mit Aussage und Relevanz. Star-Regisseur Dieter Wedel hat zum Auftakt der Bad Hersfelder Festspiele das Drama ‚Hexenjagd‘ präsentiert. Er begeistert die Premierengäste. Mittendrin auf der Bühne Motsi Mabuse.

Motsi Mabuse: Schauspieldebüt in "Hexenjagd"

Das Ende ist drastisch. Nach erbarmungsloser, hysterischer Hetzjagd hängen Menschen am Galgen. Dann fällt ein Schuss, ein Intrigant aus der ersten Reihe wird ermordet. Der Applaus des Publikums entwickelt sich nach der Schlussszene erst langsam zu einem deutlichen Zeichen der Anerkennung. Die Inszenierung des Dramas ist bedrückend und beeindruckend zugleich. Deswegen braucht es einen Moment, bis einige der 1200 Zuschauer die Auftaktpremiere mit „Bravo“-Rufen belohnen.

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Wedel (73) zeigte über zweieinhalb Stunden eine eindringliche und atmosphärisch dichte Fassung des Klassikers von Arthur Miller. Fachleute und Prominente unter den Premierengästen zeigten sich bewegt von der neuesten Bühnenarbeit des preisgekrönten Filmemachers (u.a. ‚Der Schattenmann‘). Wedels Reaktion: „Ich bin erleichtert. Man weiß ja nie, wie solch ein Stück ankommt. Das kann völlig daneben gehen. Aber man muss die Leute auch mal fordern, damit wir nicht abstumpfen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Eine Triebfeder des Stücks ist das Thema, wie sich Massen mobilisieren und lenken lassen. „Wir zeigen, wie aus unbedeutenden Vorfällen Gerüchte entstehen und diese Gerüchte wiederum eine Lawine auslösen – eine Verfolgungshysterie. Wenn die Herde erst mal in Bewegung geraten ist, trampelt sie besinnungslos alles nieder und ist durch nichts mehr aufzuhalten.“ Wedel siedelt das Stück aber nicht im 17. Jahrhundert an, sondern in den 1930er Jahren: „Das wäre sonst zu romantisierend.“

Um das Stück so zu erzählen, wie es ihm vorschwebt, hat Regisseur Wedel für ein Novum bei den Festspielen gesorgt. Am Rand der Bühne steht ein Leinwand, auf der Filmszenen laufen. Sie liefern den Zuschauern Kontext und Hintergrundwissen zu den Akteuren und Begebenheiten. Großartig eingebunden wird damit Jasmin Tabatabei. Sie steht zwar nicht auf der Bühne, ist aber in den Sequenzen als Erzählerin zu sehen. Sie beweist selbst als Landstreicherin Klasse.

Motsi Mabuse: Schauspieldebüt in "Hexenjagd"

Ihre Klasse demonstrierten auch die Mitglieder des homogen geformten und hochkarätig besetzten Ensembles. Einige aus Film und Fernsehen bekannte Darsteller konnte Wedel verpflichten, darunter Elisabeth Lanz, Christian Nickel, Richy Müller, André Eisermann, André Hennicke, Hans Diehl, Horst Janson und Brigitte Grothum. Neben den durchweg guten Leistungen der arrivierten Branchen-Könner war auch eine Debütantin zu sehen. Motsi Mabuse, Jurorin der RTL-Tanzshow ‚Let’s dance‘, stand erstmals auf der Schauspielbühne – und machte ihre Sache als abergläubische Haushälterin Tituba ordentlich!

„Es ist großartig und macht mir richtig Spaß. Ich hätte schon früher damit anfangen sollen.“, sagte die Strahlefrau im Gespräch mit der ‚Niedersächsischen Allgemeinen‘. Über die Zusammenarbeit mit dem als äußerst präzise agierenden Regisseurs Dieter Wedel fügte sie hinzu: „Er muss mir auch schon mal sagen, dass ich nicht lächeln soll“, (dpa/KT)

Motsi Mabuse: Schauspieldebüt in "Hexenjagd"

Fotos: Klaus Lefebvre, dpa/Uwe Zucchi