Montag, 27. Juni 2016, 18:20 Uhr

Gina-Lisa Lohfink: "Ich bin überwältigt" - Eklat im Gerichtssaal

Der Gerichtssaal ist mit rot-weißen Absperrgittern gesichert. Der Andrang in Berlin ist riesig, als das Model Gina-Lisa Lohfink kommt. Drinnen werden Zeugen gehört, draußen wird demonstriert. Es geht um einen Strafbefehl, die Wahrheit und die Rechte von Frauen. Und es kommt zu einem Eklat.

Gina-Lisa Lohfink: "Ich bin überwältigt" - Eklat im Gerichtssaal

Dritter Prozesstag: Jubel brandet auf, als das Model Gina-Lisa Lohfink in einer Prozesspause auf die Straße tritt. Vor dem Kriminalgericht in Berlin-Moabit haben sich etwa 100 Unterstützer der 29-Jährigen versammelt und sitzen dort über Stunden auf der Straße. Der Verkehr muss umgeleitet werden. Mit tränenerstickter Stimme haucht Lohfink ihren Anhängern am Montag entgegen: „Ich bin überwältigt…, dass ihr mir so helft.“ Auf Transparenten steht: „Du bist nicht allein“.

Die frühere ‚Germany’s next Topmodel‘-Kandidatin steht wegen falscher Verdächtigung vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Sie hatte einem Fußballer sowie einem VIP-Manager Vergewaltigung vorgeworfen. Der Verdacht bestätigte sich bei ersten Ermittlungen nicht. Die beiden Männer bekamen aber einen Strafbefehl, weil sie einen Film vom Sex mit Lohfink verbreitet hatten. Lohfink bekam wegen falscher Verdächtigung einen Strafbefehl – sie sollte 24 000 Euro zahlen. Weil sie den nicht akzeptierte, kam es nun zu einer öffentlichen Verhandlung. Es stand auch die Vermutung von Lohfink im Raum, dass ihr K.o.-Tropfen verabreicht worden seien.

Der Fall hat bundesweit Aufsehen erregt und spaltet die Gemüter. Die einen sehen Lohfink als ein Opfer der Justiz sowie als Vorkämpferin für die Rechte von Frauen, die sexuelle Gewalt erlitten haben. Andere sehen in dem Fall eine inszenierte Tränenshow. Ein Urteil sollte am Montag voraussichtlich nicht mehr gesprochen werden, wann es fällt, war noch offen.

Die Verhandlung beginnt mit einem Befangenheitsantrag der Verteidiger gegen die Richterin. Der wird zurückgestellt. Der erste Zeuge wird aufgerufen. Es ist der heute 28-jährige Fußballer, der damals in Wolfsburg spielte und Lohfink in einem Berliner Club kennenlernte. Der Sex sei einvernehmlich gewesen – an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Juni 2012. „Ich würde niemals etwas machen, was sie nicht will“, sagte der Sportler. „Das war schon eine engere Bindung zwischen uns.“ Er habe den Strafbefehl wegen der Verbreitung des Videos geschluckt, damit die Sache nicht noch weiter öffentlich werde. „Ich habe sehr darunter gelitten, das hat meiner Karriere geschadet“, sagte der Fußballer, der heute im Ausland spielt. Er habe den Sex auch gefilmt, „aber ich habe das niemals an die Presse gegeben“.

Immer wieder schüttelt Lohfink den Kopf, wischt sich Tränen aus den Augen, atmet schwer und wedelt sich Luft zu. Einer der beiden Anwälte hält kurz ihre Hand. Im Gerichtssaal äußert sich Lohfink nicht, das machen ihre beiden Anwälte. Vor dem Gerichtssaal sind schrille „Nein, nein, nein“-Rufe zu hören. Wachtmeister schleppen eine Femen-Anhängerin weg, die mit nacktem Oberkörper demonstriert.

Als Zeugin spricht auch Lohfinks Ex-Managerin von den damaligen Vorgängen. Die 40-Jährige erzählt, wie Lohfink nach der zweiten Partynacht irgendwann nachmittags mit einem Taxi vor einem Köpenicker Hotel angekommen und torkelnd und verstört ausgestiegen sei. „Da hab‘ ich schon gesehen, da stimmt was nicht.“ Richterin Antje Ebner sagt dazu: „Davon haben Sie kein Wort bei der polizeilichen Vernehmung gesagt, das ist doch aber wichtig. (…) Oder war das gar nicht so?“

Dann kommt es am Nachmittag gegen 16.15 Uhr zu einem Eklat im Gerichtssaal, als das Sex-Video gezeigt werden soll. Die Ich-Darstellerin und ihre Verteidiger verlassen den Verhandlungssaal voller Empörung. Für die Anwälte sei es empörend, dass die Öffentlichkeit bei der geplanten Besichtigung nicht ausgeschlossen werden sollte. Allerdings wollten Richter die Szenen auf einem Laptop anschauen, der für das Publikum nicht einsehbar gewesen wäre.
Zwuischenzeitlich protestierte eine halbnackte Femen-Aktivisten lautstark auf dem Flur, mußte von der Polizei gewaltsam abgeführt werden.

(Jutta Schütz, dpa)