Samstag, 02. Juli 2016, 19:48 Uhr

TV-Promis Pro & Contra (11): Reinhold Beckmann

Reinhold Beckmann wird heute Abend um 23:30 Uhr in „Beckmanns Sportschule“ Promis zum aktuellen EM-Geschehen befragen. In Malente hatte er bereits schillernde Fußball-Größen wie Uwe Seeler, Tim Wiese oder Horst Hrubesch zu Gast.

TV-Promis Pro & Contra (11): Reinhold Beckmann

Beckmann legt sein Abitur in Syke ab, bevor er sich in die Vereinigten Staaten wagt, seinen Zivildienst meistert und eine Lehre als Radio-, Fernseh- und Videotechniker absolviert. Danach studiert er an der Universität zu Köln Germanistik sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften – ohne Abschluss. Seine TV-Karriere startet er 1980 als freier Mitarbeiter beim WDR („Aktuelle Stunde“). Auch Sportübertragungen übernimmt er – keine schlechte Idee, denn 1990 zeichnet der „Kicker“ ihn zum „besten Moderator des Jahres“ für die WM 1990-Berichterstattung aus.

Noch 1990 wechselt er von der ARD zu Premiere, wo er die Sportredaktion übernimmt, später in Sat.1 das sportjournalistisch revolutionäre „ran“ – hierfür wird er mit der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet.

In seiner ARD-Talkshow, die er fünfzehn Jahre lang moderiert, schafft er eine persönliche Stimmung. Halb Mensch, halb Journalist, nimmt man ihm stets ab, dass er sich für seine Gäste und deren Geschichten wirklich interessiert. In entscheidenden Momenten, wie etwa der Doping-Enthüllung von Bert Grabsch oder Schilderungen zur Air-France-Katastrophe, kann man eine Stecknadel fallen hören, so intim und vertraulich gebart sich die Szenerie. Folglich kommt es nicht von ungefähr, dass die Liste seiner Gäste – etwa Heidi Klum, Sylvester Stallone, Thomas Gottschalk oder der Dalai Lama – sehr eindrucksvoll aufwartet.

TV-Promis Pro und Contra (10): Oliver Welke

TV-Promis Pro & Contra (11): Reinhold Beckmann

Trotzdem ist der Sport – neben seiner Reportagereihe #Beckmann – das Wohnzimmer des 60-Jährigen – auch wenn seine aktuelle „Sportschule“ etwas aus der Zeit gefallen und konzeptlos zu sein scheint. Anfang des Jahrtausends wird er zu jenem Sportreporter gewählt, mit dem die deutschen Männer am liebsten ein Stadion besuchen würden. Dementsprechend angemessen ist seine Moderation – Wortwitz und Pointen, nie aber in übertriebenem Maße. Stil, Eleganz und Intellekt, nie aber so, dass es den Fußball-Fan verschreckt. Nebenbei tritt Beckmann als Musiker – er beherrscht die Gitarre wie aus einem Guss – in Clubs auf und möchte mit tiefgründigen Texten die Besucher zum Nachdenken anregen.

Löblich: sein soziales Engagement mit dem Verein „Nestwerk“, der in Hamburg Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten helfen möchte, ihr Leben positiv zu gestalten und Visionen zu entwickeln. Im Rahmen dessen organisiert er alljährlich das „Spiel der Legenden“ im Millerntor des FC St. Pauli – mit bunten Promis und gestandenen Sport-Legenden.

Unsere Wertung (bis zu 10 Punkte):

Professionalität: 8
Glaubwürdigkeit: 7
Charme: 7

Fazit:
Glaubwürdiger als Kerner, tiefgründiger als Opdenhövel. Beckmann ist ein gestandener, angesehener Sportjournalist. Auch im Talk zeigt er stärken. Wie wäre es mit einer Sport-Talkshow über bewegende, emotionale Geschichten und Karrieren? (AG)

Fotos: WDR/Herby Sachs/André Poling, WDR/Thorsten Jander