Donnerstag, 07. Juli 2016, 17:10 Uhr

Filmkritik "Ferien": Detlev Buck im Super-Regiedebüt seiner Tochter

Ein ambitioniertes Debüt und zwei großartige Schauspieler: Detlev Bucks Tochter Bernadette Knoller (Foto oben) bringt mit ‚Ferien‘ ihren ersten Spielfilm ins Kino. Die Kulisse liefert eine Nordsee-Insel.

Filmkritik "Ferien": Detlev Buck im Super-Regiedebüt seiner Tochter

Vivi braucht dringend Ferien. Das meint zumindest ihr Vater. Kurzerhand verfrachtet er die völlig erschöpfte, angehende Staatsanwältin Vivi zur Entschleunigung auf eine Nordsee-Insel. Das hat ungeahnte Folgen. ‚Ferien‘ ist das Debüt von Bernadette Knoller, der Tochter von Schauspieler und Regisseur Detlev Buck (Foto unten, ‚Bibi & Tina‘, ‚Die Vermessung der Welt‘) – und durchaus ambitioniert.

Buck selbst spielt in ‚Ferien‘ den auf seine ganz eigene, sehr lässige und unkonventionelle Art über den Sinn des Lebens grübelnden Vater von Vivi. Zweiter Star des Films ist ganz eindeutig die Vivi-Darstellerin Britta Hammelstein (‚Freier Fall‘, ‚Das Zeugenhaus‘).

Filmkritik "Ferien": Detlev Buck im Super-Regiedebüt seiner Tochter

Die 34-jährige Theater- und Filmschauspielerin Hammelstein trägt den Film mit ihrem intensiven, berührenden Spiel auch durch schwächere Stellen des Drehbuchs (Paula Cvjetkovic und Bernadette Knoller). In der Begegnung mit einigen ziemlich skurrilen Inselbewohnern schöpft Vivi neue Kraft und neuen Lebensmut – das spielt Hammelstein mit großen Einfühlungsvermögen und ausgeprägtem Sinn für die Absurditäten des Lebens.

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Vivis neue Freunde sind sehr eigenwillige Charaktere. Da ist zum Beispiel der schrullige Kramladen-Besitzer Otto (Ferdinand von Schirach), bei dem Vivi jobbt – bis sie Otto eines Morgens tot an seinem Schreibtisch findet.

Oder die alleinerziehende Biene, in deren chaotisches Haus Vivi einzieht. Langsam freundet sich Vivi dann auch mit Bienes scheuem 13-jährigen Sohn Eric (Jerome Hirthammer) an und kann so über den Tellerrand ihres eigenen Lebens blicken.

‚Ferien‘ ist ein Film über eine Frau, die aus ihrem scheinbar vorbestimmten Leben mit Karriere, Freund und erster gemeinsamer Wohnung ausbricht. Wohin die Suche nach Sinn am Ende führt, das weiß der Zuschauer am Ende von «Ferien» allerdings nicht. Da bleibt die episodenhafte Erzählung, wohl bewusst, vage. Vivi genießt derweil ihre Inselzeit in einer Art Parallelwelt mit einigen surreal anmutenden Momenten – von der tot vom Himmel fallenden Taube bis zum gestrandeten Wal. (Elke Vogel, dpa)

Filmkritik "Ferien": Detlev Buck im Super-Regiedebüt seiner Tochter

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Foto: Nicolai Mehring/ DCM