Sonntag, 10. Juli 2016, 16:49 Uhr

Cristiano Ronaldo: Warum wir ihn alle lieben sollten

Wir Deutschen tun uns immer noch schwer mit Weltfußballer Cristiano Ronaldo. Dafür gibt’s keinen Grund. Zeit aufzuräumen mit den Vorbehalten gegen einen eitlen Gockel, der viel mehr hat als dieses Beauty-Image. Wir sollten ihn lieben lernen.

Cristiano Ronaldo: Warum wir ihn alle lieben sollten

Endspiel in Paris, im Stade de France: Der Sieger vor dem Spiel Frankreich gegen Portugal scheint ausgemacht. Die Tippgemeinschaft legt sich auf den Gastgeber fest. Klare Sache? Nein! Außenseiter Portugal hat Cristiano Ronaldo. Den vielleicht komplettesten Fußballer unserer Zeit.

Ronaldo polarisiert. Für viele ist er der Schnösel, Ganzkörper rasiert, fein gestriegelt und geschniegelt, egozentrisch, perfekt durchgestylt, verliebt in sein Spiegelbild mit dem maskenhaften Gesicht. Das alles mag sein, wären da nicht die ausdrucksstarken Daten und Statistiken, die mehr sagen als Worte und seinem Auftreten Bestätigung geben.

Seit dem Ronaldo für Real Madrid spielt, schoss er in der höchsten Spielklasse Spaniens 260 Tore in 236 Spielen! Mehr noch: Drei Mal wurde er bereits zum Weltfußballer gewählt, gewann mit Madrid die Königsklasse und holte zum fünften Mal die Torjägerkanone in der Champions League.

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Der Beste sein, darauf kommt es Ronaldo an. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen absolvierte er mit 12 Jahren ein mehrtägiges Probetraining bei Sporting Lissabon. Von da an ging es steil bergauf, sein sportliches Leben kannte nur noch Siege. Mit 18 wechselte er zum goßen englischen Klub Manchester United, wechselte 2009 für die Rekordablöse von 94 Millionen Euro zu Spaniens Top-Klub Real Madrid. Für den er bis heute spielt.

Cristiano Ronaldo: Warum wir ihn alle lieben sollten

Nun ist er sogar Mannschaftskapitän der Nationalmannschaft. Er hat eine Athletik wie kein anderer Spieler, ist technisch brillant, pfeilschnell, schuss- und abschlussstark mit beiden Beinen und ist mit seinen ,.85 m äußerst kopfballstark. Wie sein Tor im Halbfinale gegen Wales beweist. Mustergültig: Gefühlte Ewigkeiten in der Luft platzierte es den Ball mit 76 km/h unhaltbar ins walisische Tor. Und seine Fertigkeiten am Ball? Eine Augenweide.

Für die „Seleção das Quinas Tugas“ ist er ein echter Anführer. Mit 31 Jahren menschlich gereift, stellt er sich in den Dienst der Mannschaft. Er motiviert, gibt jüngeren Spielern Anweisungen, geht voran, dirigiert gekonnt das Spiel und – noch wichtiger -: Er ist Vollblutprofi. Mit seiner professionellen Einstellung ist er auch abseits des Spielfeldes ein Vorbild. Das zeigt sich im Training.

Durchschnittlich eins bis zwei Stunden mehr als Mannschaftskollegen trainiert er mit ohne Ball. Trainiert Muskelgruppen, die eher untypisch für Fußballer sind. Der Erfolg gibt ihm recht: Kaum ein Profi ist so selten verletzt. Auch nach Jahren hat er eine Dynamik und Antrittsschnelligkeit, die im Profisport seinesgleichen sucht.

Für Ronaldo könnte der heutige Abend der größte seines Lebens werden. Wenn er mit seinem Land den Titel holt, als Kapitän einer Mannschaft, die sich von Spiel zu Spiel im Turnier steigerte und sich mit einem Endspielsieg den Titel holt. Dann könnte Ronaldo sich den EM-Thron aufsetzen. Verdient hätte er es sich, trotz aller Allüren. (FE)

Cristiano Ronaldo: Warum wir ihn alle lieben sollten

Fotos: dpa/Franz Waelischmiller/Sven Simon, CR7, WENN.com