Sonntag, 10. Juli 2016, 12:15 Uhr

Der gefälschte Alltag der TV-Detektive

Millionen Zuschauer in Film und Fernseher sind immer wieder begeistert, wenn wieder die Geschichte von großen Kriminalfällen erzählt wird. Doch um die Spannung auf einem möglichst hohen Niveau zu halten nutzen die Regisseure tatsächlich gerne auch dramaturgische Mittel.

Der gefälschte Alltag der TV-Detektive

Echte Detektive sehen sich so immer wieder damit konfrontiert, etwas in dieser Beziehung aufzuklären. Ansonsten wäre es wohl nur natürlich, ein falsches Bild von der Berufsgruppe aufzubauen.

Detektive auf der Leinwand
Ein gutes Beispiel ist hierfür der Film The Nice Guys, der im Jahr 2016 in die Kinos gekommen ist. Mit Ryan Gosling und Russel Crowe wurden die Rollen der Ermittler dabei sehr prominent besetzt, was einen großen Teil dazu beigetragen hat, dass der Streifen in den USA zu einem so großen Erfolg geworden ist. Doch wie beispielsweise bei der Detektei aus Frankfurt deutlich wird, handelt es sich auch hier um eine fälschliche Darstellung des Alltags der Detektive. Im Film wird traditionell vermehrt auf eine Konfrontation mit den Verdächtigen gesetzt.

Zwar erhöht dies die Spannung für den Zuschauer, doch genau dies ist ein Punkt, den echte Detektive stets zu vermeiden versuchen. Dennoch wurden Ryan Gosling und Russell Crowe für den Streifen ausgezeichnet, bei dem sie ein bisweilen rabiat einschreitendes Duo von Ermittlern in den bewegenden 1970er Jahren darstellen. Dabei zeigen sich auch bezüglich der angewandten Ermittlungsmethoden klare Unterschiede zu echten Detektiven, die sich häufig bedeckt halten müssen.

Pseudo-Reality-TV
Doch nicht nur auf der großen Leinwand gibt es immer wieder den Versuch, den Alltag von Detektiven gelungen darzustellen. Private Sender wie RTL2 versuchen stets das Programm am Vorabend auf diese Weise zu füllen. Mit Serien wie Privatdetektive im Einsatz werden somit immer wieder neue Fälle konstruiert, welche die Zuschauer an den Bildschirm möglichst fesseln sollen. Doch auch hier fehlt es häufig an der realitätsnahen Darstellung. Daran ändert leider auch die Tatsache nichts, dass manche der Akteure keine professionellen Schauspieler sind, sondern im Vorfeld bereits als Ermittler in das Berufsleben eingestiegen sind. Dabei haben die Protagonisten zum Teil freie Hand, was die Gestaltung von einer bestimmten Szene anbelangt. Genau diese Form der Berufserfahrung im Bereich der Detektive fehlt beispielsweise dem Tatort-Duo Thiel und Börne, weshalb bei deren Verfilmungen zumeist die Komik der Situation einen höheren Stellenwert einnimmt.

Wesentliche methodische Unterschiede
Wer sich also im deutschen Fernsehen nach einer wirklich realitätsnahen Darstellung des Alltags von Detektiven umschaut, wird dabei leider enttäuscht werden. Besonders lange Phasen der Observation von Verdächtigen, während denen ansonsten kaum etwas passiert, lassen sich eben nicht geeignet darstellen. Ähnliches gilt für die Bürokratie, die im Berufsleben der Ermittler eben auch eine zentrale Rolle einnimmt. Vor diesem Hintergrund ist es daher von Bedeutung, sich bereits vor dem Fernseher darüber im Klaren zu sein, dass die Darstellung in erster Linie der guten Unterhaltung dient. Wer sich dagegen tatsächlich einmal anschaut, wie der Alltag eines Detektivs aussieht, wird doch den einen oder anderen Unterschied feststellen können. Mit verschiedenen Mitteln wird schließlich versucht, den Arbeitsalltag deutlich abwechslungsreicher und weniger ausdauernd darzustellen, als er in der Realität ist. (KTAD)

Foto: Concorde