Sonntag, 10. Juli 2016, 17:32 Uhr

Mykki Blanco: Ein großes Video mit dem legendären Woodkid

Mykki Blanco ist anders. Mit seiner Art und seinem Style will er nicht so ganz in das gängige HipHop-Bild passen. Der Rapper? oder doch die Rapperin? Die Grenzen verschwimmen. Doch wie sieht sich Mykki Blanco selbst?

Mykki Blanco: Ein großes Video mit dem legendären Woodkid

„Ich bin ein Er. Mykki Blanco ist eine sie“. Mit dem beeindruckenden Kurzfilm zu seiner neuen Single „High-School never ends“ liefert er ein spektakuläres Video, das im Netz heiß diskutiert wird und dessen Sound vom großen Woodkid produziert wurde. Beim diesjährigen Milkshake Festival ist Mykki mit am Start. Grund für klatsch-tratsch.de-Autor Dennis sich mit dem Rapper zum Talk zu treffen.

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Wie würdest du deine Beziehung zu Deutschland beschreiben?
Seit 2012 reise ich regelmäßig nach Deutschland. Seit ich Mykki Blanco mache, war ich auch schon so ziemlich überall in Deutschland unterwegs. Ich habe krasse Festivals wie das Melt gespielt, war aber auch an Orten wie Essen und habe überall feststellen dürfen, dass ich von den Menschen dort sehr herzlich empfangen wurde. Berlin war eine der ersten Städte in Europa, die ich besucht habe. Die Leute haben dort schon recht früh meine Musik gefeiert. Die Menschen in Berlin haben mich immer sehr inspiriert weiterzumachen, vor allem nach der ganzen Homophobie, die ich in Amerika erlebt habe. Manchmal braucht es nur ein paar Fans, die dir aufzeigen, dass du dich auf dem richtigen Weg befindest und ich kann sagen, dass die Berliner Community mich dabei immer sehr unterstützt hat. Dafür bin ich auch sehr dankbar.

Worum geht es in deiner neuen Single „High School never ends“?
Der Song handelt von jemandem, der ziemlich jung ist und durch eine normale Beziehung, mit ihren ganz normalen Problemen, geht. Der Song hat aber auch dieses düstere, verdrogte, weil es eine Nacht im Leben dieser Person beschreibt, in der sie Drogen an die ganzen rich Kids auf einer fancy Hausparty verkauft. Dabei fühlt sie sich als absoluter Outsider, in einer Welt, in der sie nicht hineinpasst. Es ist quasi eine Geschichte, die von Klassen handelt. Dieser drogenverkaufende Person, die in diese reiche Welt eintaucht, dort ein Fremdkörper bleibt, aber beginnt jemanden aus dieser Welt zu daten. Am Ende wird sie ignoriert und furchtbar behandelt.

Mykki Blanco: Ein großes Video mit dem legendären Woodkid

Mit welchen Gefühlen denkst Du an deine High-School-Zeit zurück?
Ich hatte wirklich eine sehr einfache Zeit in der Schule. Ich hatte damals diese Anarchismus/Punk-Phase, aber hatte schon damals keine Probleme Freundschaften zu schließen. Es war ein sehr unterstützendes Schul-Umfeld, in dem ich mich sicher fühlen konnte. Ich musste mich nirgends outen, weil alle schon wussten, dass ich schwul bin. Klar hier und da gab es mal blöde Sprüche – die bekommt jeder mal zu hören – aber ich konnte mich immer gut verteidigen. Ich hatte schon immer diese Attitude und habe keine Konfrontation gescheut. Früher war ich vermutlich sogar schlimmer, als heute. (lacht) Ich kann also sagen, dass ich eine gute Zeit damals in der High-School hatte.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Woodkid?
Wir haben uns bei einem Festival in Irland kennengelernt. Das Lustige war, dass unsere Hotelzimmer im gleichen Stockwerk waren. Als ich spät nachts nach einer Party nach Hause gekommen bin, traf ich ihn vor seiner Tür weil er sich ausgeschlossen hatte. Wir kamen dann ins Gespräch und er sagte mir, dass er meine Show gesehen hat und dass sie ihm echt gefallen hätte. Ein paar Monate hat er sich dann nochmal ein Konzert von mir in Paris angesehen und meinte dann zu mir wir sollten echt mal zusammen ins Studio gehen uns etwas zusammen machen. Er hatte mir bis dato nicht viel von sich erzählt und ich wusste auch nicht so richtig was er macht. Wir haben uns dann im Studio getroffen. Wir haben zwar nichts Wirkliches aufgenommen, aber uns super verstanden. Letztes Jahr hatte ich eine echt harte Phase, in der ich für mich beschlossen hatte, keine neue Musik mehr zu machen. Er hat mir dann eine E-Mail geschrieben, dass er gerne mit mir Musik aufnehmen würde und ich zu talentiert sei, um mit der Musik aufzuhören. Er muss von meinen Problemen gelesen haben, die ich mit homophoben Produzenten hatte und auch die anderen Probleme, die ich zu dem damaligen Moment in meinem Leben hatte. Wir sind dann zusammen ins Studio gegangen und es lief sogar so gut, dass er mein halbes Album aufgenommen hat.

Mykki Blanco: Ein großes Video mit dem legendären Woodkid

Was waren das für Probleme, die dich damals so aus der Bahn geworfen haben?
Ich hatte Probleme mit meinem Management. Die waren einfach zu jung und unerfahren und konnten mir nicht die Möglichkeiten geben, die ich gebraucht hätte. Ich musste die ganze Zeit touren, um Geld zu verdienen, anstatt Unterstützung von meinem Label zu bekommen, um aufnehmen zu können. Die Struktur hat einfach gefehlt und in meinem Privatleben waren einige Dinge, die mich heruntergezogen haben. Beispielsweise dass ich mich damals noch nicht öffentlich zu meiner HIV-Infektion bekannt habe. Ich hatte das Gefühl, als ob ich in meinem Leben festhängen und nicht weiterkommen würde. Aber dann ging diese berühmte Tür auf, die sich öffnet, sobald sich eine andere schließt und ein anderes Label bot mir einen Vertrag an.

Wie waren die Reaktionen auf dein HIV-Outing?
Es war groß. Alle haben darüber berichtet, das TIME Magazine und die ganzen anderen. Ich habe es wegen mir gemacht und hatte wirklich große Angst, aber habe echt so viel Unterstützung erhalten. Mir war bewusst, dass es eine Phase geben würde, in der alle darüberschreiben würden und meine Infektion mit meiner Musik assoziieren würden. Mir war aber auch klar, dass wenn ich weiter neue Musik und neue Videos rausbringe, dass das aufhört. Ich kann jetzt sagen, dass die Leute dieser Info jetzt überdrüssig sind und sich wieder auf meine Arbeit konzentrieren. Im Zeitalter von Social Media und Realityshows wollen Fans persönliches von einem wissen und das Gefühl haben einem noch näher zu sein, als Person. Jetzt ist es eine Sache, die jeder weiß und jetzt können sich alle wieder auf meine Arbeit konzentrieren. Ich denke aber auch die Tatsache, dass ich trotz Infektion super gesund bin und mein Leben so leben kann, wie ich es will inspiriert viele Leute. Es sendet die Nachricht „Ja, du kannst gesund und glücklich sein“ und ich glaube das gibt vielen Leuten mehr Kraft, als ich im vornherein gedacht hätte.

Mykki Blanco: Ein großes Video mit dem legendären Woodkid

Zurück zu Woodkid. Wie war den eigentlich die Zusammenarbeit?
Die war echt super, denn er ist sehr diszipliniert. Ein Album machen ist absolut nicht dieser Rock’n‘Roll-Listestyle, wie ihn sich viele vorstellen. Von wegen man kommt und geht, wie man lustig ist und wenn man mal nicht will, dann will man nicht. So läuft das nicht. Wir haben täglich pünktlich um 10 Uhr angefangen und standen dann meistens auch bis um 8 noch im Studio. Er hat mich dazu gebracht meine Stimme anders zu nutzen, wie bisher, was mir für meine weitere Karriere echt neue Perspektiven aufzeigt und die ich garantiert für meine weitere Karriere nutzen kann. Die Zusammenarbeit war wirklich sehr inspirierend und lehrreich.

Dein neues Video erinnert mich an eine moderne Vision von „Romeo und Julia“. Wie kam das zustande und warum gerade Brandenburg aus Schauplatz dafür?
Matt Lambert und ich wollten schon länger zusammen ein Videoprojekt realisieren, denn ich liebe seine Arbeiten, aber es kam nie dazu. Wir sind uns dann irgendwann mal wieder den Weg gelaufen und ich hatte ihm von meinem neuen Label-Deal und dem Projekt mit Woodkid erzählt und er meinte „Hey, das könnte unsere Chance sein“. Wir haben uns dann zusammengesetzt und schnell festgestellt, dass wir gerne etwas Cinematisches machen wollen. Wir kamen dann schnell zu dieser Hippie-Kommune und der Idee, dass ich ein Flüchtling bin und mich in einen Skinhead verliebe. Wir wollten dem ganzen dann noch einen klassischen Touch geben und wollten es in eine „Romeo und Julia“-Lovestory verpacken und es in die Gegenwart holen. Wir wollten Queerness/Homosexualität so darstellen, wie sie noch nie gezeigt wurde. Freyenstein haben wir gewählt, weil wir Zugang zu einem Bauernhof brauchten und in Brandenburg viele Ortschaften sind, die vom Look so aussahen, wie wir uns das vorgestellt haben. Die Menschen dort waren wirklich süß. Sie waren wirklich freundlich und neugierig uns haben unser verrücktes Treiben von den Fenstern aus beobachtet. Die Innenstadt war ja für einen Tag komplett gesperrt.

Warst du selbst schon mal in einer – nennen wir es jetzt mal – verbotene Liebe-Situation?
Ich hatte schon Beziehungen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht funktioniert haben, aber eine verbotene Liebe war nicht darunter. Ich stehe nicht so auf verbotene Leute. Darauf lasse ich mich gar nicht erst ein. (lacht)

Du trittst dieses Jahr beim Milkshake Festival auf. Was darf man live von dir erwarten?
Eine wilde Zeit. Sobald ich die Bühne betrete, habe ich einen Blackout und weiß auch nicht, was ich mache. Jedenfalls gibt es sehr viel Energie und wenig Kleidung. Alles kann passieren, aber niemand wird verletzt. (lacht)

Im Herbst kommt dein Album auf den Markt …
Genau, es hat 13 Songs und wurde von Woodkid und Jeremiah Meece produziert. Ich denke, dass auch meine Fans der Meinung sein werden, dass dieses Album mein bisher bestes Album ist. Es beinhaltet auf der einen Seite tanzbare Musik, aber ist auch sehr emotional und ehrlich in den Texten. Das Album ist an sich sehr melodiös und die zweite Single daraus wird ein Song namens „Loner“, zu dem das dazugehörige Video Ende Sommer erscheinen wird. Ich bin auf jeden Fall schon jetzt sehr aufgeregt das Album mit meinen Fans zu teilen.