Samstag, 23. Juli 2016, 15:00 Uhr

Taylor Swift: Absturz eines Megastars

Wer gerade die sozialen Medien sowie die US-Presse aufmerksam verfolgt, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass alle nur auf das „Scheitern“ von Popstar Taylor Swift (26) gewartet zu haben scheinen.

Taylor Swift: Absturz eines Megastars

Das „Enthüllungsvideo“ von Ich-Darstellerin Kim Kardashian (35), das die Sängerin vermeintlich einer Lüge überführte, kam dann vielen Swift-Hassern offenbar gerade recht. Mit mehreren Snapchat-Clips hatte die Gattin von US-Rapper Kanye West (39) bewiesen, dass die Pop-Sängerin (zumindest teilweise) vom Inhalt dessen Songs ‚Famous’ Bescheid wusste. Prompt feierten viele offensichtlich von der Ex-Freundin von Calvin Harris (32) Genervte unter dem Hashtag #TaylorIsOverParty auf Twitter schon den „Untergang“ der Musikerin.

Es ging dann sogar so weit, dass der australische Graffiti-Künstler „Lushsux“ ihr in Melbourne ein gemaltes Porträt auf einer Betonwand mit der Aufschrift widmete: „In stillem Gedenken an…Taylor Smith 1989 – 2016.“ (Namensänderung ganz offensichtlich, um juristischen Konsequenzen aus dem Weg zu gehen). Aber es geht noch weiter mit: „Keine Plakate bitte. Respektiert die Toten.“ Das Beste kommt jedoch noch: Das Porträt schien nämlich für kurze Zeit eine Art Pilgerstätte für alle geworden zu sein, die sich von einer jahrelang erfolgreichen Miss Swift „verabschieden“ wollten. Ein richtig böser Seitenhieb auf die Sängerin, was auch der Betroffenen offenbar nicht verborgen blieb.

Taylor Swift: Absturz eines Megastars

Der Graffiti-Künstler ließ nämlich verlauten, dass ihm deren Anwälte mit Konsequenzen gedroht hätten, wenn er das Bild nicht unverzüglich beseitige. Mittlerweile wurde es (von wem auch immer) übermalt und dem getöteten Gorilla Harambe aus dem Zoo in Cincinnati gewidmet, in dessen Gehege ein kleines Kind gefallen war.

Doch warum scheint in der Öffentlichkeit derzeit eine 180-Grad-Umdrehung stattgefunden zu haben, was die ursprüngliche Sympathie für „Everybody’s Darling“ anbetrifft? Nun, das könnte zum einen vielleicht daran liegen, dass sich die Dame mit ihrer neuen Liebe, Britenstar Tom Hiddleston (35) ein wenig zu übertrieben in der Öffentlichkeit inszeniert. Aber soll das etwa schon alles gewesen sein?! Es ist ja nicht so, dass die 26-Jährige früher nicht auch schon mit einigen der begehrtesten Junggesellen Hollywoods (Harry Styles (22), Jake Gyllenhaal (35), John Mayer (38) etc.) unterwegs gewesen war – zugegeben, vielleicht nicht ganz so nach Aufmerksamkeit schreiend, wie in Mister Hiddlestons Fall aber immerhin.

Und obwohl Miss Swift im Laufe ihrer Musikkarriere zahlreiche kurze Affären nachgesagt wurden, für die andere bereits mit dem Titel „Schlampe“ betitelt würden, konnte das ihrem Unschuldsimage nicht wirklich etwas anhaben. Clever, wie die Dame ist, verarbeitete sie die „bösen Stimmen“ zu ihren vielen Männergeschichten dann sogar in ihrem Song ‚Shake It Off’. Damit nahm sie ihren Kritikern aber gleichzeitig auch den Wind aus den Segeln. Taylor Swift, die 2006 ihre Musikkarriere im Country-Bereich startete und dann in die Poprichtung wechselte, schien von jeher das Image der berühmten, erfolgreichen und trotzdem ach so unschuldigen jungen Dame mit Vorbildcharakter aufrechterhalten zu wollen.

Besonders in den USA ist das eine Illusion, an die viele vor allem sehr junge Fans – zufällig auch ein großer Teil des Zielpublikums von Miss Swift – glauben wollen. Illusion, weil sich Berühmtheit und „Unschuld“ im Normalfall ausschließen. Die vollkommene Aufgabe der Unschuld, Tugend, Würde, Moral und möglicher Wertvorstellungen ist nämlich üblicherweise genau der Preis für die schnelle Berühmtheit. Manche, wie unter anderem auch Popstar Justin Timberlake (35) zu seiner *N Sync-Zeit, bezeichneten es sogar ganz deutlich als „Prostituieren für die Öffentlichkeit.“

Wohlgemerkt: Nicht alle sind dazu bereit, bei diesem Spiel mitzumachen. Für diejenigen, die es NICHT sind, ist es üblicherweise jedoch ein ungleich härterer und schwierigerer Weg, bis sie – wenn überhaupt jemals – endlich zu Erfolg kommen. Da verhält es sich bei Promis nicht anders wie bei Normalos, die vielleicht trotz zahlreicher Qualifikationen, Fleiß und Können im Job nie die verdiente Anerkennung erhalten. Was die musikalischen Fähigkeiten der jungen Dame anbetrifft: Taylor Swift ist nun nicht gerade für große Vielfalt in ihrer Popmusik bekannt.

Bei Taylor Swift gilt ganz offensichtlich der Grundsatz „More of the same“ und trotzdem hatte sie bisher riesigen Erfolg damit. Dazu noch das Image eines angeblichen „Unschuldslamms“, wobei sie sich – wie die nervige Kim Kardashian kürzlich so treffend verlauten ließ – häufig als „armes Opfer“ der Angriffe anderer inszeniert. Kann es sein, dass den Leuten nun „endlich“ die Augen aufgegangen sind, dass das lange Jahre so gepflegte Unschuldsimage einfach zu gut ist, um wahr zu sein? Kann es sein, dass viele alles „endlich“ als gut inszenierte Fassade erkennen? Es gibt eben diejenigen Promis, die wie Pop-Göre Miley Cyrus (23) oder Ego-Rapper Kanye West ganz offen und unverblümt mit ihren Handlungen und Aussagen zu verstehen geben: „Seht her, ich bin ein Schwein und ich bin stolz darauf.“ Dann gibt es diejenigen, die versuchen, das, was sie für ihren schnellen Erfolg und ihre Berühmtheit geopfert haben, immer noch unter einem angeblichen „Heiligenschein“ zu verbergen. Das Dumme ist nur: „Heilige“ wird man in diesem Business aber vergeblich suchen…(CS)

Fotos: WENN.com, Sarah Barlow