Sonntag, 07. August 2016, 19:58 Uhr

Maxwell: Der 90er-Jahre-Superstar meldet sich zurück

In den 90ern gehörte Maxwell zu den prägendsten Künstlern in der damaligen R&B/Soul-Szene. Der nach oben gekämmter Afro war sein Markenzeichen und seine CD’s verkauften sich wie geschnitten Brot und sogar MTV ehrte ihn mit einem Unplugged Album.

Maxwell: Der 90er-Jahre-Superstar meldet sich zurück

Das ist mittlerweile mehr als 20 Jahre her. Inzwischen ist der Afro weg, aber die Zahl 40 in seinem Ausweis da und ach ja, Musik macht er auch noch. klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis hat sich mit Maxwell über Traumfrauen a la Michelle Obama, Haare als Provokation und sein neues Album unterhalten.

Wie würdest du dein Verhältnis zu Deutschland beschreiben?
Es ist definitiv ein besonderes. Ich war schon häufig da und erinnere mich, wie ich – vor bestimmt mehr als 20 Jahren – das erste Mal dort war. Damals wollte ich etwas auf Deutsch sagen und eine nette Dame von der Plattenfirma hat mir geholfen etwas zu lernen. Ich habe es dann später auf der Bühne falsch gesagt und das hatte wohl etwas Anderes bedeutet (lacht). Ansonsten mag ich deutsche Autos – und die Frauen bei euch sind auch ziemlich hübsch.

Sieben Jahre warst du quasi weg. Gab es bestimmte Dinge, die du in dieser Zeit entdeckt hast oder gemacht hast, für die du sonst nie Zeit hattest?
Ich habe einfach mein Leben gelebt. Ich habe versucht nicht den Fehler zu machen, den viele Künstler machen. Nach dem Erfolg einfach blind durch das Leben taumeln oder ihr Leben in einer Seifenblase leben. Ich bin keiner, der eine ganze Armee von Schreibern hat oder ein Team, die einem ein heißes Album aus den neusten Trends zusammenbasteln. Alles, was du hörst, habe ich gelebt und geschrieben. Du musst leben und schreiben. Du musst vor allem leben, um etwas zum Schreiben zu haben. Das kann in manchen Fällen dann halt auch fünf-sechs Jahre dauern.

Worum geht es in deiner neuen Single „Lake By The Ocean“?
Auf der einen Seite geht es um einen See nahe einem Meer. Auf der anderen Seite handelt der Song von einer Person, die in ihrer Beziehung schon sehr viele Enttäuschungen hinnehmen musste. Aus diesen Enttäuschungen kann diese Person dennoch etwas Gutes machen, daraus lernen und eine Art sicheren Hafen für sich kreieren.

Maxwell: Der 90er-Jahre-Superstar meldet sich zurück

“Black Summers Night” ist Teil einer Album-Trilogie. Worum geht es in dieser Trilogie?
Ich weiß nicht. Wenn du dir beispielsweise das erste Album anhörst, dann hörst du Songs, die sehr entspannt sind und eine gewisse Sehnsucht behandeln. Songs wie „Pretty Wings“, die von einer Beziehung handeln, die ins Stocken geraten ist. Die Trilogie soll quasi den Verkauf einer Beziehung darstellen. Ich bin momentan an einem Punkt, wo ich das dritte Album schließe, weil ich einfach zu lange gewartet habe. Es sind in der Zwischenzeit einfach so viele Dinge passiert, die mich weiterentwickelt, geprägt aber auch davon abgelenkt haben. Dennoch habe ich es aber geschafft dieses Album so fertig zu stellen, wie es ist und welches ich jetzt der Welt präsentiere. Ich bin froh dieses Werk jetzt mit der Welt zu teilen, da es den Fans auf der einen Seite das gibt, was sie von mir erwarten, aber auf der anderen Seite auch meine Entwicklung zeigt.

In einem deiner Songs singst du, dass du gerne eine Frau wie Michelle Obama hättest. Warum?
Wer hätte nicht gerne eine Frau, die einem den Rücken freihält, wie Michelle Obama das macht? Vor allem in einer so verrückten Zeit, wie die, in der wir heute leben, mit einer so hohen Waffengewalt, wie noch nie und den Problemen, mit der Polizeibrutalität. Wir reden da normalerweise kaum drüber, aber leben echt in einer Zeit, in der Rassismus ein großes Problem ist. Eine Schreckensmeldung jagt die Nächste. Michelle hat ihn in guten, wie in schlechten Zeiten zur Seite gestanden. Welche Frau würde einen in solchen Zeiten so unterstützen, wie sie es gemacht hat? Ich hatte schon ein paar Mal die Ehre im Weißen Haus sein zu dürfen. Das war dann zu Anlässen wie Weihnachten. Diese Eindrücke, die ich von den beiden und vor allem ihr dort bekommen habe, verarbeite ich in diesem Song.

Maxwell: Der 90er-Jahre-Superstar meldet sich zurück

Deine letzten Alben haben durch die Bank weg gute Kritiken bekommen. Wie hoch war der Druck dann bei diesem Album, an die alten Erfolge anzuknüpfen?
Klar, in diesem Prozess jagen einem ständig Fragen durch den Kopf wie: „Ist dieses Album genauso gut, wie das Erste?“ Ich habe aber trotzdem versucht mich von diesen Gedanken nicht zu sehr führen zu lassen, denn am Ende des Tages bin ich ein Performer und das ist das, was mein Herz schlagen lässt. Der schwerste Punkt an meinem Job ist das designen eines Albums, dass das Level meiner Arbeit hält und mich glücklich macht, es mit der Welt zu teilen. Klar, es muss auch live funktionieren. Touren ist für mich wie atmen, es passiert einfach. Wichtig ist für mich, dass sich die Anfahrt und das Live-Erlebnis damit für meine Fans lohnt. Einige nehmen echt weite Strecken in Kauf, nur um mich zu sehen. Diese Anerkennung bedeutet mir echt viel und damit meine ich nicht die Anerkennung, um mein Ego zu pushen, sondern die für gute Musik.

Dein Markenzeichen war ganz lange dein Afro. Warum hast du dir den abrasieren lassen?
Ganz einfach, weil ich denke, dass meine Frisur nichts mit Musik zu tun hat. Ich bin nicht daran interessiert ein Image zu sein, oder auf meine Optik reduziert zu werden. Ich bin mittlerweile 43 Jahre alt und ich muss auch nicht mehr provokativ sein. Ich bin nicht Justin Bieber. Ich mache keine verrückten Sachen der Aufmerksamkeit wegen. Mit 22 war ich noch in einem Alter wo man mal gucken konnte, wie es ist lange Haare zu haben und meine Eltern ein bisschen zu ärgern, die mich früher meine Haare haben nicht wachsen lassen. Ich wollte davon Abstand gewinnen und mir keine Gedanken mehr um Föhne und ähnliches mehr machen müssen (lacht).

Fotos: Eric Johnson