Samstag, 13. August 2016, 15:22 Uhr

Der Wolf: Comeback nach 15 Jahren mit neuem Album

Er gehört zu den  späten 90ern wie die Fantastischen Vier, Tic Tac Toe oder Blümchen. Mit Hits wie „Gibt’s doch gar nicht“ oder „Oh Shit, Frau Schmidt“ räumte Deutsch-Rapper Der Wolf vor gut 20 Jahren in den Single-Charts ab.

Der Wolf: Comeback nach 15 Jahren mit neuem Album

Jetzt, zwei Jahrzehnte später brachte Jens Albert – wie er mit bürgerlichen Namen heißt – mit „Turbo Funk“ ein neues Album auf den Markt. klatsch-tratsch.de-Autor Dennis hat sich mit dem Wolf über Anmachsprüche, Traumfrauen und die Schattenseiten des Ruhms unterhalten.

Seit „Oh Shit, Frau Schmidt“ ist ja jetzt ein bisschen Zeit vergangen. Was hast du so in dieser Zeit so gemacht?
2001 kam mein drittes Album raus und irgendwann war man an einem Punkt angekommen, wo das mit den Plattenfirmen nicht mehr so passte. Ich habe mich dann vermehrt aufs Auflegen konzentriert – ich bin schon länger DJ, als Rapper. 2006 habe ich dann mit zwei Kollegen unter dem Namen Killergroove Formula ein Album und sechs Maxi-CDs rausgebracht. Drei Jahre später hatte ich ein neues Album fertig, aber ein sehr merkwürdiges Management und die Platte kam nie raus. Ich habe dann auch zwischendurch noch meinen staatlich geprüften Erzieher mit Fachrichtung Pädagogik gemacht, weil ich auch schon länger Musikworkshops gemacht habe. Vor ca. zwei Jahren habe ich dann angefangen das neue Album zu produzieren, weil das 2009er Album aus meiner Sicht dann auch schon wieder veraltet war.

Worum geht’s in deiner neuen Single „Sie hat nichts weiter als das Radio an“?
Der Song ist ein wenig schlüpfrig/frivol, aber das ist gar nicht das Hauptthema. Es geht vielmehr darum, dass ein Typ einer Frau – quasi als Liebeserklärung – sagt, dass sie nicht nur super aussieht, sondern auch eine coole Sau ist. Eine Frau, die weiß, was sie will und keine Uschi-Muschi-Katzenberger-Frau ist. Eine Frau, die einfach das lebt, was sie möchte, sich aber trotzdem ordentlich schick machen kann. Die Frau wiederum erzählt dem Typen im Chorus, dass sie ihn cool findet und das auch ohne Cabrio und dicke Kohle auf dem Konto. Hier geht es eher darum wer er ist und was er macht, als das was er hat. Es ist eine gegenseitige Liebeserklärung.

Ist der Song an jemanden direkt gerichtet?
Sagen wir es mal so: Es geht nicht um eine konkrete Frau, von der ich da spreche. Es ist eher so eine Zusammensetzung von Frauen, die ich mal kennengelernt habe. Man könnte sagen, dass das so ein bisschen meine Traumfrau ist, die ich da beschreibe.

Schon mal mit so einem Spruch angemacht worden im Stile von „Komm vorbei, Ich trage heute nur ein Softeis und sonst nichts“ oder eben deinem neuen Titel?
Nein, diese Formulierung so jetzt noch nicht. Aber wer weiß, vielleicht wird das durch den Song noch irgendwann so eine Anspielung geben.

Der Wolf: Comeback nach 15 Jahren mit neuem Album

In den Songs, die ich von dir im Kopf habe, geht es immer in humorvollerweise um deine Erlebnisse, Probleme/Abendteuer mit Frauen. Muss man sich dein Privatleben auch so vorstellen?
Für mich ist Hip-Hop tatsächlich autobiografisch. Frau Schmidt war tatsächlich eine Lehrerin von mir. Dementsprechend erzähl ich von Dingen, die ich tatsächlich erlebt habe oder was Freunde von mir erlebt haben. Das können Dinge sein die mir positiv oder auch negativ auffallen. Das ist der Antrieb für mich überhaupt Musik zu machen. Man könnte sagen, dass ein Album für mich so etwas wie ein öffentliches Tagebuch ist.

Apropos Frau Schmidt: Hast du von ihr jemals ein Feedback zu diesem Song bekommen?
Indirekt. Ich habe meine Schulkarriere damals relativ unbefriedigend abgeschlossen und hatte auch kein Interesse mich mit denen danach großartig zu unterhalten. Hier und da haben die Lehrer und sie speziell sich negativ in der Presse über den Song geäußert. Das war etwas, das mir gezeigt hat, dass ich alles richtiggemacht habe. Es war ja ein bisschen meine Absicht, dass die sich darüber ärgern. Hätten sie den Song witzig gefunden, dann hätte ich etwas falsch gemacht.

Lass uns über dein neues Album „Turbo Funk“ reden. 
Featuretechnisch sind keine prominenten Leute aus der HipHop-Szene drauf. Das war mir aber auch wichtig, da ich mein Album so gestalten wollte, dass genau die Leute drauf sind, mit denen ich die letzten Jahre auch zu tun hatte. Das ist für mich irgendwie realistischer und realer. Insgesamt sind drei Songs auf dem Album – wie beispielsweise „Radio an“ – die ursprünglich auf das 2009er Album gekommen wären. Allerdings haben wir die nochmal geremixt. Das Album hat einen elektronischen Einfluss und daraufhin haben wir die alten Songs nochmal upgedatet.

Mit welchen Gefühlen denkst du an deine Frau Schmidt-Zeiten zurück?
Definitiv mit gemischten Gefühlen. Einerseits war es damals alles sehr erfolgreich, anderseits habe ich damals auch die Schattenseiten kennengelernt. Je erfolgreicher man ist, umso mehr ist man für die Plattenfirmen ein laufender Geldsack. Da geht es dann irgendwann auch nicht mehr um die Verwirklichung und die Musik an sich, sondern eher, dass man den Erfolg hält oder sogar steigert. Das geht dann oft zu kosten der Kreativität. Es war dann sogar so, dass ich oft in TV-Shows war, auf die ich jetzt nicht so wirklich Bock hatte, wo es dann aber vom Plattenfirmen-Management hieß: „Das ist aber wichtig. Hauptsache präsent“. Ich habe dann auch für mich feststellen müssen, dass ich zwar immer sagen kann, was ich will, aber dass man manchmal echt Scheiße wegkommt, wenn man da und da ist. Es kam dann vor, dass man von Leuten angesprochen wurde so nach dem Motto: „Was hast du denn in dieser Talkshow zu suchen gehabt?! Voll albern!“. Das sind dann so Sachen, die vermisse ich nicht. Ich meine erfolgreich zu sein ist cool und man verdient auch Kohle und man steht auf großen Bühnen, aber dann sind das manchmal große Bühnen, auf denen man gar nicht so wirklich stehen will.

Wie sind die Reaktionen auf dein Comeback? Alle happy oder kriegst du so Sprüche wie: „Noch einer aus den 90ern dem die Kohle ausgegangen ist“?
Ich würde sagen persönlich und über Social Media sind die Stimmen zu 95% positiv und das noch nicht mal zwangsläufig von Leuten, die mich noch von damals kennen. Also es sind auch viele Leute Anfang-Mitte-Zwanzig. Natürlich gibt es aber auch Leute die sagen: „Aus welchem Loch ist der denn jetzt gekrochen?! Was soll das jetzt auf einmal?“ Oder dann gibt es natürlich auch die Leute, die sowieso sehr kritischen HipHoper, die mit Dingen wie „Pop-Rapper“ kommen. Um ehrlich zu sein blende ich aber so negative Sachen aus, weil es irgendwo auch Geschmackssache ist. Solange ich ein Album mache und es mir und ein paar anderen Leuten gefällt ist das ok. Mir ist wichtig, dass ich ein Album abliefere, das ich auch selbst kaufen würde, wenn es nicht von mir wäre.

Der Wolf: Comeback nach 15 Jahren mit neuem Album

Dieses Jahr ist ja auch das Jahr in dem die Beginner ihr Comeback versuchen. Wie gefällt dir Ahnma?
Ich finde den Song für einen Beginner-Song sehr düster. Das Video finde ich echt super. Persönlich muss ich halt sagen, dass ich nicht auf so Düsteres/Bedeutungsschwangeres stehe. Ich hatte die so irgendwie anders – vor allem etwas lockerer – in meinem Kopf abgespeichert. Es ist aber dennoch ein echt gut gemachter Song.

Wen aus den 90ern würdest du denn gerne zurückkommen sehen?
Da gibt es einige und das ist wohl auch schon im Gespräch. Ferris MC zum Beispiel. Der ist ja in der Zwischenzeit bei Deichkind untergekommen und ihn fand ich schon immer super. Ich fand es echt schade, als er meinte, dass er kein Album mehr rausbringen würde. Da ist aber wohl etwas am Köcheln. Und natürlich die Formation Eins Zwo. Da habe ich aber auch schon die Leute munkeln hören, dass da was im Busch ist. Über ein Comeback von Fünf Sterne Deluxe würde ich mich auch sehr freuen.

Was hast du für dieses Jahr noch geplant?
Wir sind dieses Jahr recht viel unterwegs und zwei Singles sind geplant. Unter anderem die 2016er Edition von „Gibt’s doch gar nicht“. Im September wird die Single dann 20 Jahre alt. Das muss natürlich gefeiert werden.

Fotos: Bounty Records, Der Wolf