Mittwoch, 17. August 2016, 19:10 Uhr

Filmkritik "Antonio, ihm schmeckt's nicht": Solide Humor-Hausmannskost

Mit dem Schwiegervater in die Flitterwochen: Christian Ulmen spielt noch einmal den treuen Teutonen, der mit seiner italienischen Sippe sein blaues Wunder erlebt. Eine Culture-Clash-Komödie zum Schmunzeln.

Filmkritik "Antonio, ihm schmeckt's nicht": Solide Humor-Hausmannskost

Deutsche und Italiener passen einfach nicht zusammen. Bei uns regieren Ordnungssinn und Disziplin, jenseits der Alpen herrschen Schlendrian, Dolce Vita und Chaos. Oder etwa nicht? Ob die uralten Klischees wirklich noch stimmen, ist allerdings eher zweitrangig für eine gelungene Komödie über das Kollidieren von Kulturen. Wichtig ist, dass Timing und Pointen sitzen.

Im Falle von ‚Antonio, ihm schmeckt’s nicht!‘, dem Komödien-Nachschlag zu ‚Maria, ihm schmeckt’s nicht!‘ von 2009, ist das Ergebnis durchaus passabel geraten. Regisseur Sven Unterwaldt hat zwar kein Vier-Sterne-Menü angerichtet, aber besser als die übliche deutsche Humor-Hausmannskost ist der Film allemal geworden.

Dies liegt vor allem am Hauptdarsteller: Christian Ulmen (‚Herr Lehmann‘) spielt wieder überzeugend und schön tapsig den sympathischen, etwas naiven Autor Jan, der mit seiner italienischen Sippe sein blaues Wunder erlebt.Eigentlich will der arme Jan ja nur mit seiner hochschwangeren Ehefrau Sara (etwas blass: Mina Tander) die Flitterwochen nachholen, und zwar allein und in New York, und nicht in einem staubigen Kaff in Apulien.

Aber Jans renitenter Schwiegervater Antonio Marcipane (Alessandro Bressanello) hat anderes im Sinn. Der Mann mit dem süßen Nachnamen entpuppt sich als echter Stinkstiefel. Beim Abflug des Paares nach New York schmuggelt er sich mit durch die Kontrollen, richtet mächtig Chaos an und sitzt schließlich mit seinem Schwiegersohn im Flieger – während Sara zunächst allein und hochschwanger in Köln zurückbleibt.

Filmkritik "Antonio, ihm schmeckt's nicht": Solide Humor-Hausmannskost

In New York übernachten Jan und Antonio in der Honeymoon-Suite, entfachen im Asia-Imbiss einen Küchenbrand, kommen mit Kleinkriminellen in Kontakt, und werden in der Hochzeitskutsche durch Manhattan gefahren. Sehenswürdigkeiten wie der Times Square oder Central Park dienen als nette Kulisse für das sich permanent behakelnde Chaos-Duo.

Es ist allerdings ein wenig schade, dass der kreuzfidele Schwiegervater Antonio fast durchweg als reine Witzfigur angelegt ist. Der Typ hat mehr Potenzial: Am Anfang des Films erleben wir seine Verabschiedung aus dem Betrieb. Nach vierzig Jahren Maloche in Deutschland wird der ehemalige Gastarbeiter, der längst im piefigen westdeutschen Reihenhaus Zuhause ist, mit einer Anstecknadel und dem schief singenden Werks-Chor reichlich lieblos in Rente geschickt. Der Südländer hat seine Schuldigkeit getan.

Filmkritik "Antonio, ihm schmeckt's nicht": Solide Humor-Hausmannskost

Von diesem Antonio, der nie ganz in Deutschland dazugehören durfte, hätte man noch mehr erfahren wollen. Stattdessen lösen sich natürlich alle Konflikte in Wohlgefallen auf: Der Schwiegerpapa sitzt am Ende in der Hollywood-Schaukel und wiegt sein Enkelkind im Arm. (Johannes von der Gathen, dpa)

Fotos: 20th Century Fox