Freitag, 19. August 2016, 19:49 Uhr

"Antonio, ihm schmeckt's nicht": Zu dick aufgetragen?

In der Komödie „Antonio, ihm schmeckt´s nicht!“ (seit gestern im Kino) fliegen Christian Ulmen, sein übergriffiger Film-Schwiegervater und seine frischgebackene Ehefrau Sara in die Flitterwochen nach New York.

"Antonio, ihm schmeckt's nicht": Zu dick aufgetragen?

Sara (Mina Tander, 37, „Buddy“, „Frau Müller muss weg!“) und Jan (Christian Ulmen, 40, „Männerherzen“, „FC Venus“) haben geheiratet. Sara ist hochschwanger und bevor sie deshalb nicht mehr fliegen darf, spendieren sich beide Flitterwochen in Big Apple. Schwiegervater Antonio (Alessandro Bressanello) ist beleidigt. Er möchte viel lieber, dass alle zusammen Flitterwochen in ihrer Heimat Italien machen. Als das abgelehnt wird, dreht der alte Mann den Spieß um: dann kommt er eben mit nach New York und er wird sich mit dem einen oder anderen Einfall auch durchsetzen.

Komisch sind sie alle nicht und unverzeihlich ist auch, dass die Figur des Schwiegervaters, der ohne seine Tochter nicht sein möchte, durchweg als reine Witzfigur (allein schon der Name „Marcipane“ ist so Hahaha!) angelegt ist.

Dass das Zusammenprallen der Welten Deutschland und Italien nicht per se komisch ist und auch durch die Verlagerung der „Handlung“ nach New York nicht zündet, wird in „Antonio, ihm schmeckt´s nicht!“ konsequent ignoriert. Eine Plattitüde folgt der anderen, jedes noch so an den Haaren herbeigezogene Klischee wird umständlich in Szene gesetzt.

Das ist weder subtil noch komisch, aber dafür ist der Klamauk-Regisseur Sven Unterwaldt („Siegfried“, „7 Zwerge – der Wald ist nicht genug“) ja auch nicht bekannt. Man merkt allen Beteiligten das Bemühen an, witzig zu sein. Nicht von ungefähr kommt die Binsenweisheit aus der Filmwelt, dass die Komödie das schwerste Sujet ist.

"Antonio, ihm schmeckt's nicht": Zu dick aufgetragen?

Die Leichtigkeit, das unangestrengte Daherkommen von absurden Situationen, pointierte Dialogen, das Timing dafür- alles Fehlanzeige. In „Antonio, ihm schmeckt’s nicht!“ schimmert das Können der Schauspieler immer dann durch, wo eben nicht das große Weltabenteuer gefakt werden muss: dafür muss ein Protzo-New-York-Werbefilmchen in einer kitschigen Endlosschleife mit Bombastsound herhalten! Das Schauspiel-Ensemble ist immer dann ganz bei sich, wenn es um das „wahre“ Leben in der Spießi-Normalo-Welt der deutschen Vorstadt und den täglichen Wahnsinn namens Familie geht, denn da hat die italienisch-deutsche Ehefrau Sara (Mina Tander) recht: „Familie ist Nahkampf!“

"Antonio, ihm schmeckt's nicht": Zu dick aufgetragen?

„Antonio, ihm schmeckt’s nicht!“ ist der vergebliche Versuch, an den Komödienerfolg von 2009 „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ anzuknüpfen. Das Ergebnis sieht sehr bemüht und konstruiert aus und in fast jeder Szene wird die Absicht, komisch sein zu wollen, unerträglich dick aufgetragen. (Katrin Wessel)

Anmerkung: Diese aktuelle Kritik ergänzt die in dieser Woche bereits veröffentlichte.

Fotos: 20th Century Fox