Samstag, 27. August 2016, 17:36 Uhr

Beginner endlich wieder da: Das ehrliche Interview

Es ist das Comeback des Jahres: Denyo, DJ Mad und Eizi Eiz aka Jan Delay veröffentlichen nach 13 langen Jahren endlich ein neues Beginner-Album!

Beginner endlich wieder da: Das ehrliche Interview

Vor 25 Jahren gründete sich das Trio in Hamburg und mischte mit den Alben „Flashnizm“, „Bambule“ und „Blast Action Heroes“ die deutsche HipHop-Szene kräftig auf. „Advanced Chemistry“ heißt nun das neue Werk, das am 26. August erscheint – und alles deutet daraufhin, dass es ähnlich einschlagen wird wie seine Vorgänger. klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers sprach mit der Band über den Beginner-Stil, ganz viel Liebe und ihr sensationelles Video zur Single „Es war einmal“.

Das Video zu „Es war einmal“ muss ein Mammutprojekt gewesen sein. Wie aufwendig war’s wirklich?
Denyo: Es hat lange gedauert, bis alles im Kasten war. Es waren vier normale Drehtage angesetzt. Aber bei den ganzen Gästen kann man sich ja vorstellen, dass nicht gleich jeder Zeit hatte. Zumal wir es auch noch mitten in den Sommerferien gedreht haben. Es musste also viel nachgedreht werden. Andere Leute haben auch etwas eingeschickt. Inklusive Editierung und Textänderungen müsste es bestimmt drei Wochen gedauert haben.

Haben Sie eine Lieblingsstelle?
Jan Delay: Es sind viele Sachen, die ich geil finde. Man entdeckt auch immer wieder ein Detail, das einen wegflasht, obwohl man das Video schon 200 Mal gesehen hat. Ich finde Gzuz als Beginner-Fan Jonas super. Ich finde auch mich gut als Menschen. Ich habe Mut zur Hässlichkeit bewiesen. Aber das war auch lustig.

Und dass Oliver Kalkofe Sie als „hampelnden Pimmelkopp“ bezeichnet, ist OK für Sie?
Delay: Wenn man Oliver Kalkofe in seinem Video haben will, dann muss man auch damit rechnen, dass man niedergemacht wird. Sonst braucht man ihn ja gar nicht fragen.

Haben Sie eine Gebrauchsanweisung für das Video, damit man nichts verpasst?
Delay: Nein, da sind ja so viele kleine Gags eingebaut. Eigentlich war das für die Obernerds gedacht, die das 300 Mal gucken. Dabei haben wir aber die Rechnung ohne das Internet und die Pausentaste gemacht. Nur 20 Minuten, nachdem der Clip draußen war, gab es in den sozialen Netzwerken schon Posts mit Stills von den ganzen Nerd-Sachen. Somit konnte man das sehen, ohne es selbst im Video entdeckt zu haben. Das ist natürlich schade. Aber wir sind nicht eingeschnappt.

In dem Song rappen Sie: „Kein Bock, Popstars zu sein, darum gehen wir zu ‚The Dome’, ohne da zu sein.“ War das damals ein Skandal, als Sie durch eine Fake-Band Ihren TV-Auftritt absolvieren ließen?
Delay: Nein, das war einfach nur ein Flash.

Denyo: Hinterher hat es für Wirbel gesorgt, aber es hat sich nie zu einem bundesweiten Skandal ausgeweitet. Aber für uns war es total geil, weil wir den Twist hinbekommen haben, uns einer breiten Masse zu präsentieren, ohne unsere Seele an den Teufel zu verkaufen.

Beginner endlich wieder da: Das ehrliche Interview

Setzen die Beginner mit Ihrer Rückkehr nicht ihren Status als deutsche HipHop-Legende aufs Spiel?
Delay: Nein, das hängt einzig und allein von der Musik ab. Wenn wir die Musik hören und sie vor allem nach zwei Monaten immer noch geil finden, dann macht das Sinn. Aber dafür mussten wir erst einmal rumprobieren. Bis 2013 kam nicht viel dabei raus. Dennis und ich haben also weiter an unseren Soloplatten geschrieben, bis wir gemerkt haben: Jetzt geht was! Und dann haben wir mit den Beginnern richtig losgelegt.

Denyo: Ein paar Jahre jeden Tag zu schreiben musste auch sein, um den kreativen Muskel für den Rap-Spaß wieder zu stählen.

Wie gehen Sie mit dem Druck um? Die Erwartungen sind ja riesig.
Denyo: Worauf wir eigentlich gepfiffen haben. Es ging eher darum, für uns selbst zu bestimmen, wann wir uns beatmäßig und textlich flashen. Dann brauchen wir uns auch keine Sorgen machen, ob das auch bei den Leuten gut ankommt.

Mit dem Single-Vorboten „Ahnma“ haben Sie gleich wieder ins Schwarze getroffen: Auf dem Papier ist das Stück noch erfolgreicher als Ihre Durchbruchs-Single „Liebes Lied“ von 1998.
Delay: Dabei war der Song eigentlich nur als ein erstes Yo! nach unserer Rückkehr gedacht. Und dann wird das Lied zu unserem ersten Top-Ten-Hit! Was wohl auch damit zu tun hat, dass man vor 13 Jahren schon eine ziemlich geile Band war, die ziemlich viele Leute bewegt hat.

Mit Gzuz von der 187 Strassenbande ist ein straßenkredibiler Gangster-Rapper mit auf der Platte. Hilft das der Kredibilität?
Delay: Genau so war das geplant, weil wir dachten, bei uns geht nichts mehr und da brauchen wir so’nen Typen… (lacht)

Denyo: Der hat ja auch voll viele Klicks auf YouTube!

Delay: Genau, wir wollten Klicks. (lacht)

Denyo: Der war Nummer 1 in Deutschland, wir aber nicht! (lachen alle)

Beginner Advanced Chemistry Cover - CMS Source

Delay: Nein, Quatsch. Am Ende des Tages ist es alles eine Klasse, eine Familie. Zumindest ist es in Hamburg so. Der Beat des Stücks war fertig, und ich hatte so einen Song von Kendrick Lamar im Kopf, auf dem ein jamaikanischer Dancehall-Artist über einem ganz normalen HipHop-Beat zu hören ist. Und der Einzige, der so eine krasse Stimme in Deutschland hat, ist Gzuz. Und deshalb ist er auf diesem Song. Und natürlich Gentleman. Aber wir sitzen nicht da und fragen uns: Wer kommt jetzt gut rüber? Wir machen kein Marketing, wir machen Musik!

Denyo: Genau. Das ist alles nur Liebe, das ist alles nur ein Flash. Das ist wirklich so, das verstehen so wenige Leute, deswegen ist es das Geheimrezept der Beginner. Der Flash. Wenn man dem folgt und mit aller Konsequenz, dann ergeben sich Dinge, und hinterher sieht das dann manchmal so aus, als hätte man sich das ausgedacht.

Sie haben sich in Ihren Soloplatten in allen möglichen Stilistiken ausgetobt, Herr Delay. Hat das auch die Beginner-Platte beeinflusst?
Delay: Wenn ich eine Reggae- und Funkplatte gemacht habe, war das nur die Ausarbeitung dessen, was es auf Beginner-Platten bereits gegeben hat. Wir hatten immer schon multiple Stylerose. Das wurde uns auch oft angelastet. Es gab Genre-Fetischisten, die damals meinten, dass wir keinen richtigen HipHopper wären, weil wir Live-Instrumente und Reggae- oder Punk-Einflüsse hatten und nicht so waren wie der Durchschnitt. Früher haben wir quasi von so einer Zeit wie heute, in der jeder alles machen kann, ohne dafür verurteilt zu werden, geträumt.

Denyo: Meine Lieblings-Beginner-Textzeile war früher: „Wer HipHop macht, aber nur HipHop hört, betreibt Inzest.“ Wir hören privat so viel verschiedene Musik. Wir haben auch immer andere Samples benutzt als die anderen. Bis zum ersten De-La-Soul-Album Ende der Achtziger dachten auch alle, man kann nur Parlament und James Brown sampeln. De La Soul waren die blöden Outsider-Hippies, die von der ganzen Real-Rap-Shit-Bande gehasst wurden. Dabei haben sie die goldene Ära des US-HipHop erst möglich gemacht.

Und wie ist das beim neuen Album „Advanced Chemistry“?
DJ Mad: Der Dreh für das neue Beginner-Album ist, sich den Luxus erlauben zu können, Neo-Einflüsse auf dem Album zu haben, aber auch ‚classic’ zu bleiben. Es ist eine schöne Mischung aus alten Produktionsstilen, Zitaten, Samples und BigBand, gleichzeitig aber auch echte Soundcloud-Mucke und Low-Bass.

Album: Beginner „Advanced Chemistry“ (Vertigo Berlin/Universal, VÖ: 26.8.)

Die Beginner sind vom 8.11. bis 5.12.2016 und vom 12.3. bis zum 27.3.2017 auf großer Deutschlandtour.