Samstag, 27. August 2016, 20:15 Uhr

Jack Unterweger im Kino: Der Serienkiller, der nach ganz oben will

In einer Winternacht stirbt ein Mädchen, brutal zugerichtet und erfroren. Jack Unterweger wird für diesen Mord zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis kanalisiert er seine kriminelle Vergangenheit und dunkle Gedanken in Gedichte und literarische Texte; er schreibt einen Roman.

Jack Unterweger im Kino: Der Serienkiller, der nach ganz oben will

Den Anschluss an die Welt draußen sucht Jack über Briefkorrespondenz mit Frauen, die er über Worte in seinen Bann zieht.
Die Schreibmaschine wird zu seinem Weg in die Freiheit. Als Jack nach 15 Jahren frühzeitig aus der Haft entlassen wird, avanciert der „Häfnpoet“ schnell zum Frauenschwarm und Fixstern der Wiener Society.

Neben unzähligen Flirts und sexuellen Begegnungen mit Frauen, ist es die Affäre mit der Architektin Susanne (Corinna Harfouch), die für Jack einenPlatz ganz oben in der Gesellschaft in Aussicht stellt; und dort möchte er hin: ganz nach oben.
Jack wird herumgereicht wie eine Trophäe. Er tritt in Fernsehshows auf, das liberale Bürgertum schmückt sich mit einem resozialisierten Frauenmörder, und sein Roman verkauft sich gut. Kann er seine Chance nutzen? Gibt es einen Weg zurück, nachdem man einmal die Grenze, einen Menschen zu töten, überschritten hat?

Als Jacks Mutter unerwartet auftaucht, bekommt die neue Fassade einen Riss. Zudem setzt sich eine Spirale aus Gerüchten in Gang, die Jack nicht aufhalten kann. Denn so gut er die Spielregeln im Gefängnis kennt, so wenig sind ihm die Regel der Kultur-Schickeria und der Medienwelt vertraut.

Die Stimmung droht, endgültig zu kippen, als eine Serie ungeklärter Prostituiertenmorded die Titelseiten der Zeitungen beherrscht und Polizei und Presse sich auf einen Hauptverdächtigen einschießen: Jack. „Einmal Mörder, immer Mörder?“, fragt Jack seine neuen Freunde. Die bleiben ihm die Antwort schuldig. Der Dandy im weißen Anzug wird fallen gelassen.
Für Jack wird die Frage nach der Schuld zu einer Frage über Leben oder Tod. Hat er nach seiner Haftentlassung elf Frauen ermordet? Oder liefert Jack für die Öffentlichkeit und die Justiz nur das perfekte Bild eines Serienkillers?

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Jack Unterweger im Kino: Der Serienkiller, der nach ganz oben will

‚Jack‘ ist der zweite Kinospielfilm der österreichischen Autorin, Dramaturgin, Filme- und Radiomacherin Elisabeth Scharang, die nach der TV-Produktion „Franz Fuchs – Ein Patriot“ wieder einen spektakulären kriminalhistorischen Hintergrund verarbeitet hat. Der Film erzählt eine fiktive Geschichte, die sich in Eckpunkten an dem Fall des Literaten und Frauenmörders Jack Unterweger orientiert. Ein rasantes und eindringliches Psychogramm mit Johannes Krisch in der Titelrolle.

In weiteren Hauptrollen sind Corinna Harfouch, Birgit Minichmayr, Sarah Viktoria Frick und Paulus Manker zu sehen.
Jack Unterweger wurde 1992 für die Morde an elf Frauen angeklagt und 1994 nach einem Indizienprozess für neun Morde schuldig gesprochen. Er hat sich wenige Stunden nach der Urteilsverkündung in der Zelle erhängt. Sein Fall konnte nicht in die nächste Instanz gehen, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig. Ein deutscher Kinostart ist noch nicht bekannt.

Jack Unterweger im Kino: Der Serienkiller, der nach ganz oben will

Fotos: PICTURE TREE INTERNATIONAL GMBH