Sonntag, 04. September 2016, 19:23 Uhr

Chartstürmer Gnash: Ein Gespräch unter Männern

Mit „I Hate U, I Love U“ ist Newcomer Gnash ein weltweiter Hit gelungen, mit dem er es selbst hierzulande auf Platz 14 geschafft hat. Kritiker und Musikjournalisten prophezeien dem 23-jährigen Rapper und Produzenten eine fette Karriere. klatsch-tratsch.de-Redakteur Dennis hat sich mit Gnash zum emotionalen Männergespräch getroffen.

Chartstürmer Gnash: Ein Gespräch unter Männern

Deine Single „I hate u, I love u” geht momentan international echt durch die Decke. Wovon handelt der Track eigentlich genau?
Der Song handelt davon jemanden gleichzeitig zu lieben und hassen. Ich glaube das ist ein Gefühl, das jeder mal in seinem Leben haben wird. Das ist vermutlich auch der Grund, warum so viele Leute eine Verbindung zu diesem Song haben. Ich denke die Leute können spüren, dass es ein sehr ehrliches Lied ist, das jedem, der in dieser Lage steckt, etwas geben kann. Man fühlt sich dadurch weniger alleine.

Hast du ein Feedback von der Person bekommen, die dich zu diesem Song inspiriert hat?
Ja, aber darüber spreche ich nicht, das ist Privatsache. Was ich dir aber sagen kann ist, dass es unglaublich toll ist, wie vielen Leuten dieser Song etwas bedeutet – unabhängig davon, was ich damals erlebt habe, als ich ihn geschrieben habe.

Der Song ist sehr offen und sehr gefühlsbetont – bist du so ein emotionaler Typ?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe einen sehr guten Zugang zu meinen Gefühlen und bin mit mir selbst im reinen. Jetzt möchte ich anderen helfen, mit ihren Gefühlen in Einklang zu kommen.

Wenn du einen Song über deine vergangene Woche schreiben müsstest – welche fünf Worte würden garantiert darin vorkommen?
Puh, gute Frage. Müde … Aufgeregt …Amazing …Wobei amazed klingt besser. Das Wort vielleicht würde im Song vorkommen und Empathie.

Warum „Vielleicht“?
Ich bin einfach so ein Typ, der sich selbst ständig in Frage stellt. Wenn ich so zurückdenke: Bis vor 4-5 Jahren war es im HipHop-Biz eigentlich undenkbar, dass ein Rapper offen über seine Gefühle rappt und sich von seiner verletzlichen Seite zeigt. Die Rapper gaben sich quasi als unverletzliche Supermänner ohne Gefühle. Heute ist quasi das Gegenteil eingetroffen und es ist cool emotional zu sein.

Chartstürmer Gnash: Ein Gespräch unter Männern

Was denkst du, wie kam es zu dieser Veränderung?
Ich denke, wir sind gesellschaftlich in eine neue Zeit aufgebrochen. In der sich einige getan, aber auch einiges in den Startlöchern steht. Eine der guten Veränderungen ist aber, dass es ok ist zu seinen Gefühlen zu stehen und auch darüber zu sprechen. Es kommt eher darauf an in wie weit du sie teilen möchtest. Ich denke, das hat vor ein paar Jahren mit dieser Punk/Emo-Bewegung im Pop angefangen, die es in der Musik erlaubt hat seine Gefühle zu zeigen. Egal, ob es in einer eher unterschwelligen bis aggressiven Weise war. Jetzt sind wir aber an einem guten Punkt angekommen und die Menschen können sich damit identifizieren. Drake ist quasi der Erste, der es geschafft hat, seine Gefühle auf den Tisch zu packen und diese Einstellung in der Popkultur unterzubringen. Dafür bewundere ich ihn sehr.

Macht es einen als Künstler aber nicht auch gleichzeitig angreifbarer?
Ich denke nicht. In meinen Fall ist es sogar eher das Gegenteil, weil ich die Leute wissen lasse, wie ich mich fühle. Sie sind eher sensibler und wollen auch, dass ich weiterhin Musik mache. Ich kann nur sagen: ‚Hey, so fühle ich mich‘ und hoffen, dass die Leute es respektieren.

Ein von gnash (@gnash) gepostetes Foto am

Du zeigst insgesamt recht viel Privates bei Instagram und Co. Beispielsweise Bilder mit deiner Freundin …
Ja, die Leute lieben es, wenn ich glücklich bin, denn „I hate u, I love u“ und auch meine EP haben eher diesen traurigen Flair. Die Leute sehen, dass ich vielleicht eher schwerere Musik mache, aber im Privaten ein ziemlich glücklicher Kerl bin. Das sagt ihnen: Es ist okay verliebt zu sein, es ist okay glücklich oder traurig zu sein. Es ist okay sich ebenso zu fühlen, wie man es halt gerade tut. Das eine schließt das andere ja nicht aus.

Du drehst ja sogar ein Videotagebuch für deine Fans. Könntest du dir vorstellen mal so eine eigene Realityshow wie die Kardashians zu haben?
Wir haben da sogar schon drüber geredet, aber eher mehr im Spaß. Ich könnte mich in so einer Show gar nicht so ernst nehmen. Es wäre nur ich- wie ich zuhause herumgammle. Es könnte schon Spaß machen, aber die Videos, die ich mache, sind viel gechillter. Die Kamera läuft halt einfach so mit während ich mein Leben chille.

Zurück zu deiner Musik: Du hast letztes Jahr mit G-Eazy zusammengearbeitet. Wie kam das zustande?
Ich kenne Gee schon echt sehr lange. Der Song „Thinking about you“ – der auf seinem Album gelandet ist – ist der erste Song, an dem ich als Produzent mitgebastelt habe. Er hat den Song damals in der Version von Andy Quinn, die den Song noch featured, gehört – wusste aber nicht, dass ich den Song gemacht habe. Als es dann dazu kam, dass er den Song auf sein Album nehmen wollte, hat er es dann natürlich herausgefunden. Ich habe also quasi mit ihm meine erste Kollaboration gemacht und das, bevor ich einen eigenen Song draußen hatte. Das war echt cool.

Mit wem würdest du noch gerne mal zusammenarbeiten?
Definitiv mit Jack Johnson. Ich bin echt ein Riesenfan von ihm.

Chartstürmer Gnash: Ein Gespräch unter Männern

Durch deinen Erfolg konntest du in den letzten Jahren vermutlich so ziemlich jeden Mal treffen, den du je treffen wolltest. Wer hat dich da am meisten fasziniert?
Jack Johnson (lacht). Wobei ich sagen muss, dass ich ihn mal getroffen habe, aber mich jetzt nicht näher mit ihm unterhalten habe. Ich habe nämlich früher mal ein Praktikum bei seinem Label gemacht und da ist er mir ein paar Mal über den Weg gelaufen. Es hat mir halt echt viel bedeutet, weil ich mit seiner Musik aufgewachsen bin. Dieses Wochenende habe ich Benjamin Madden von Good Charlotte getroffen. Es ist einfach komisch, weil ich momentan einfach all diese Leute treffe, die ich immer mal treffen wollte.

Ok, wer fehlt denn noch in deiner Muss-ich-noch-treffen-Liste?
Kanye West. Er ist der Größte.

Und sonst so?
Dieses Jahr toure ich noch viel – vor allem in den USA. Im November komme ich dann wieder nach Europa und werde hier ein paar Shows spielen. Über Weihnachten bin ich dann zuhause und wenn alles klappt kann ich noch kurz einen Hawaii-Trip dazwischenschieben. Und dann ist schon wieder 2017 – Da wird dann auch viel Arbeit auf mich zukommen. (lacht)