Samstag, 10. September 2016, 15:48 Uhr

"Tschick" kommt ins Kino: Alles über die beiden Hauptdarsteller

„Ich habe den Roman entdeckt und war sofort Feuer und Flamme“, so Fatih Akin („Soul Kitchen“, „Gegen die Wand“) über Wolfgang Herrndorfs Bestseller ‚Tschick‘, der über 2 Millionen Leser begeistert und zahlreiche Preise gewonnen hat.

"Tschick" kommt ins Kino: Alles über die beiden Hauptdarsteller

Von vielen sehnsüchtig erwartet, kommt der „beste Sommer von allen“ nun am 15. September auf die große Leinwand: Voller Witz und Poesie inszeniert – mit Newcomer Anand Batbileg als Titelheld „Tschick“, Tristan Göbel („Westen“) als „Maik“ und Mercedes Müller als „Isa“.

Entstanden ist die Verfilmung in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

„Als erstes ist da der Geruch von Blut und Kaffee“. Mit diesem Satz beginnt der zweite Roman des ehemaligen „Titanic“-Illustratoren Wolfgang Herrndorf. Die Geschichte über die ungewöhnliche Freundschaft eines 14-jährigen Außenseiters aus Ostberlin mit einem gleichaltrigen Spätaussiedler aus Russland, die mit einem geklauten Lada das Abenteuer ihres Lebens erleben, traf einen Nerv und entwickelte sich unmittelbar nach seinem Erscheinen im Jahr 2010 zum Phänomen.

Bis heute hat sich ‚Tschick‘ über 2,2 Millionen Mal verkauft, wurde in mehr als 25 Ländern veröffentlicht.

"Tschick" kommt ins Kino: Alles über die beiden Hauptdarsteller

Eine ganze Reihe renommierter Filmemacher bekundete brennendes Interesse an der Verfilmung.

Aber gerade weil Herrndorf ein leidenschaftlicher Cineast war (nicht von ungefähr steht dem Roman ein Zitat aus Todd Solondz’ Film ‚Welcome to the Dollhouse‘ voran), weil er ein Kenner der deutschen Filmszene war, fiel es ihm schwer, eine Entscheidung zu treffen, wer der Richtige für die Verfilmung sein könnte.

"Tschick" kommt ins Kino: Alles über die beiden Hauptdarsteller

Erschwerend kam hinzu, dass bei dem Schriftsteller bereits im Februar 2010 ein bösartiger Hirntumor festgestellt worden war (Herrrndorf brachte such 2013 um) und die fortschreitende Krankheit eine konzentrierte Beschäftigung mit einer Filmadaption einfach nicht zuließ. „Er wollte, dass das Buch verfilmt wird, konnte sich aber aufgrund seiner Krankheit nicht mehr selbst darum kümmern“, berichtet Produzent Marco Mehlitz. „Nach seinem Tod habe ich mein Interesse an einer Verfilmung erneut bekräftigt und Herrndorfs Freund Lars Hubrich als Drehbuchautor vorgeschlagen.

"Tschick" kommt ins Kino: Alles über die beiden Hauptdarsteller

Das war ein Bonus: Ohne dass ich es wusste, hatte Herrndorf gegenüber dem Verlag den Wunsch geäußert, dass Hubrich das Drehbuch zu Tschick schreiben solle.“ Hubrich und Herrndorf kannten sich von der gemeinsamen Schreibtätigkeit für das Internet-Portal ‚Die höflichen Paparazzi‘.

Der erste Name auf der kurzen Liste der Produzenten für einen Regisseur war der Hamburger Fatih Akin, der fu?r ‚Gegen die Wand‘ nicht nur einen Goldenen Bären erhalten hatte, sondern von der damaligen Jurypräsidentin Frances McDormand gelobt worden war mit den Worten: „Ihr Film ist Rock’n’Roll.“ Einen Rock’n’Roller brauchte auch ‚Tschick‘. Und Akin hatte Zeit.

"Tschick" kommt ins Kino: Alles über die beiden Hauptdarsteller

Für Anand Batbileg, den Darsteller des Tschick, waren es die ersten Dreharbeiten. Sein Vater hatte ihm den Casting-Aufruf ausgedruckt und ins Zimmer gelegt. Erst Wochen später fand ihn Anand, bewarb sich erfolgreich und lernte erst einmal von einem Stuntman, wie man Auto fährt. Über Tschick sagt er: „Am Anfang erscheint er mysteriös. Man glaubt, das ist ein Typ, der es nicht weit im Leben schafft. Aber dann ist er wirklich nett und schlau.“ Diese Entwicklung habe ihm besonders gut gefallen. Über seinen Regisseur sagt er: „Fatih ist ein witziger Kerl. Ein bisschen jugendlich, sag ich mal.“

Batbileg, geboren 2001 in München, besucht die internationale Schule und kommt im Herbst in die 10. Klasse. Er spielt Schlagzeug in einer Big Band, mag Taekwondo und Animes. ‚Tschick‘ ist seine erste Filmrolle.

"Tschick" kommt ins Kino: Alles über die beiden Hauptdarsteller

Tristan Göbel (der mit den langen  Haaren), der schon ungleich mehr Dreherfahrung aufweist als Anand, sagt über Tschick und Maik: „Sie sind total unterschiedlich, aber auch ziemlich gleich. Beide sind Außenseiter und können sich auf ihre Eltern nicht verlassen.“ Besonders sind ihm die Szenen im Stausee in Erinnerung geblieben. Gedreht wurde im November, das Wasser war entsprechend kalt. Akin schickte sie trotzdem immer wieder hinein und sprang dann aber aus Solidarität auch selber hinterher. Dennoch schätzt Tristan seinen temperamentvollen Regisseur: „Fatih ist ausgerastet, wenn wir etwas gut gemacht haben, und er ist ausgerastet, wenn wir etwas schlecht gemacht haben.“

Sein Verhältnis zu Anand, den er vor den Dreharbeiten nicht kannte, hat sich entscheidend verändert. „Anfangs waren wir gute Freunde, und am Schluss wurden wir so richtig gute Freunde.“ Wenn nach den Ferien die Schule wieder beginnt, ist Tristan in einer angenehmen Situation. Es gibt eine Liste der Bücher, die in der 9. Klasse gelesen werden müssen, Tschick ist dabei. „Ich komme jetzt in die 9. und der Film ist draußen, das ist ziemlich cool.“

"Tschick" kommt ins Kino: Alles über die beiden Hauptdarsteller

Tristan Göbel, geboren 2002, spielte die Hauptrolle in André Erkaus Kinderfilm Winnetous Sohn (2014). Er war auch in Neele Leana Vollmars Rico, Oskar und die Tieferschatten (2014) und der Fortsetzung Rico, Oskar und der Diebstahlstein (2015) zu sehen. Der 14-Jährige spielte in Christian Schwochows Westen (2012) und in Phillip Stölzls Goethe! (2010). Im Fernsehen sah man ihn unter anderem in Viviane Andereggens Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut (2015).

Fotos: Studiocanal/Lago Film