Sonntag, 11. September 2016, 11:18 Uhr

Lollapalooza-Festival zwischen Einhörnern und Rockstars

Das Lollapalooza ist eins der buntesten Festivals überhaupt. Zirkusartisten, Seifenblasen und viel gute Musik. Doch nicht alle können es in Berlin genießen.

Lollapalooza-Festival zwischen Einhörnern und Rockstars

Zehntausende Musikbegeisterte feiern mit ihnen auf dem wohl buntesten aller deutschen Festivals, dem Lollapalooza in Berlin. Zum zweiten Mal macht der europäische Ableger des US-Festivals Station in Berlin. Geboten wird auf vier Bühnen ein knallbunter Stilmix zwischen Elektro-House und Indierock, Schmusepop und Hip-Hop. Die Besucher schwitzen bei 30 Grad selbst in Hotpants, die Glitzerschminke verläuft. Endlich mal ein Festival mit Sommerstimmung – nachdem Rock am Ring und das Hurricane in diesem Jahr in Regen und Gewittern absoffen. 70 000 Tickets sind für jeden der zwei Tage verkauft.

Am späten Samstagabend müssen sich die Fans zwischen Kings of Leon und New Order entscheiden. Offizieller Headliner ist die US-Rockband Kings of Leon, die am Vortag erst ihre neue Single ‚Waste a Moment‘ vorgestellt hat. Am Sonntag soll Radiohead das einzige Deutschland-Konzert in diesem Jahr geben.

Philipp Poisel (Foto unten), bei dem die Menge fast jedes Lied laut mitsingt, tanzt wild über die Bühne: „Als gäb’s kein Morgen mehr“. Max Herre und sein Kahedi Orchestra mixen Reggae mit Hip-Hop, Soul mit Folk. Schon am Nachmittag wird es voll bei den Kaiser Chiefs. Die Jüngeren stehen auf den britisch-norwegischen DJ Alan Walker.

Und sonst? Einhörner sind überall, ob aufgeblasen, selbst gebastelt oder auf dem Brillenglas. Indianerschmuck hat die Blumenketten abgelöst. Viele haben die regenbogenfarbenen Windräder aus der Deko mitgehen lassen. Und selbst Männer tragen Goldglitter zu Basecap und Achselshirt.

Lollapalooza-Festival zwischen Einhörnern und Rockstars

Verdrängt sind die Anwohnerproteste, wegen derer das Festival noch Tage vor dem Start auf der Kippe stand. Weil auf dem Tempelhofer Feld Flüchtlinge untergebracht sind, musste das Fest von dort in den Treptower Park umziehen. Anwohner befürchteten nicht nur Lärm, sondern auch, dass Park und Wiese zerstört werden. Zehn Botschafter aus Staaten des ehemaligen Ostblocks haben schriftlich protestiert, weil im Park auch ein sowjetisches Ehrenmal steht.

Erst Tage vor dem Start gibt ein Gericht die endgültige Genehmigung. Die Lollapalooza-Organisatoren hatten die Tickets zuvor auf eigenes Risiko verkauft – doch für Berlin, das sich gern mit dem Image der hippen Partystadt schmückt, wäre eine Absage eigentlich auch undenkbar gewesen.

Lollapalooza-Festival zwischen Einhörnern und Rockstars

Das Ehrenmal wird eingezäunt. Anwohner bekommen Hotelzimmer. Die Veranstalter hinterlegen eine Millionenkaution für den Park. Die meisten Festival-Gäste kriegen davon nichts mit. Sie tragen Indianerfedern im Haar, lassen Seifenblasen in den Sommerhimmel steigen. Das Einhorn in ihrer Hand wippt im Takt. (Theresa Münch, dpa)

Fotos: Britta Pedersen