Mittwoch, 14. September 2016, 17:16 Uhr

Burlesque-Ikone Marlene von Steenvag: "Wir brauchen keine Frauenquote"

Marlene von Steenvag gilt hierzulande als „Königin des Burlesque“. Die Künstlerin und Unternehmerin erlaubt sich ihre Weiblichkeit zu leben und trotzdem in der Geschäftswelt ernst genommen zu werden.

Burlesque-Ikone Marlene von Steenvag: "Wir brauchen keine Frauenquote"

Neben der Burlesque-Kunst beschäftigt sich die studierte Literaturwissenschaftlerin mit Themen wie Selbstverwirklichung und Weiblichkeit. Sie prägt den Begriff „Postemanzipation“ indem sie eine These der Philosophie des Individuums – und nicht mehr wie bisher des Geschlechtergedankens – aufstellt. Sie erklärt auch, warum dies entgegen dem Anschein nach etwas mit Nacktheit zu tun haben kann: „In Zeiten der Selbstständigkeit brauchen wir keine Frauenquote und keine Diskussion über Diskriminierung der Geschlechter. Die Emanzipation ist überholt. Es geht um das Individuum und die Selbstverwirklichung und nicht mehr um das Geschlecht. Sowohl Männer als auch Frauen können ihr volles Potenzial umsetzten und das ist für beide gleich schwer und gleich leicht“, so Marlene von Steenvag.

Das Rollenbild der Frau hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Im Berufsfeld waren es Frauen gewohnt, sich möglichst männlich zu verhalten, um entsprechend ernst genommen zu werden. Gerade in Führungspositionen. Doch Marlene von Steenvag sieht hier eine ganz spezielle Entwicklung: „Es wächst heute eine neue Generation von Frauen heran. Röcke sind nicht mehr tabu oder das Dekolleté gar kontraproduktiv. Unsere Zeit erlaubt es zum ersten Mal, weiblich zu sein und Weiblichkeit zu Leben und dennoch in der Geschäftswelt ernst genommen zu werden. Ich würde hier sogar von ‚Postemanzipation‘ sprechen“, so die Künstlerin weiter.

Burlesque-Ikone Marlene von Steenvag: "Wir brauchen keine Frauenquote"

Sie benutzt dieses Wort gerne, um zu verdeutlichen, dass die vorangegangene Emanzipation einen Weg für eine gleichberechtigte Weiblichkeit geöffnet hat, die jetzt beginnt gelebt zu werden. Die Emanzipation war gestern, heute seien die Frauen mehr weiblich und werden als Selbstständige und Gründerinnen eher weniger nach dem Geschlecht, sondern mehr nach dem Können beurteilt.

Auch als Unternehmerin erlaubt sie sich ihre Weiblichkeit zu leben und trotzdem in der Geschäftswelt zielführend zu verhandeln. Die Verhandlungen werden nicht hart und männlich geführt, sondern eher charmant und unterhaltsam. Dabei jedoch stets nicht ohne weniger Nachdruck.

Die Tanzkunst des Burlesque ist für Marlene von Steenvag Sinnbild für diese Bewegung, denn es spielt und kokettiert mit Weiblichkeit. Die Burlesque liegt heute sowohl in den USA als auch in Deutschland in Frauenhand.

Marlene von Steenvag prägt die Kunstform Burlesque in Deutschland seit 2010 maßgeblich und steht zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit. Nach ihrem Schauspielstudium an der East 15 Acting School in London und ihrem künstlerischen Debüt im Jahr 2009, zog die gebürtige Dortmunderin 2010 nach Berlin. Bis heute tanzt und modelt Marlene von Steenvag europaweit. In Berlin befindet sich auch ihre „Berlin Burlesque Academy“. Zusätzlich zur Burlesque-Kunst beschäftigt sich die studierte Literaturwissenschaftlerin am liebsten mit Themen wie Postemanzipation und Selbstverwirklichung und warum dies entgegen dem Anschein nach etwas mit Nacktheit zu tun haben kann.

Fotos: Esther Haase, Maizucker