Donnerstag, 15. September 2016, 19:29 Uhr

"Major Tom" Peter Schilling geht wieder auf Tournee

Fast 1300 Konzerte hat er gespielt, doch erst mit 60 Jahren geht Peter Schilling auf seine dritte längere Tournee. Mehr als 30 Jahre nach „Major Tom“, der natürlich im Programm nicht fehlen darf.

"Major Tom" Peter Schilling geht wieder auf Tournee

Der Schöpfer der Astronautenhymne „Major Tom“ aus den 80er Jahren will es nochmal wissen: Sänger und Songschreiber Peter Schilling geht im Herbst wieder auf Tournee. Deutlich entspannter sei er heute als zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle, sagte der Stuttgarter im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Haben Sie „Major Tom“ eigentlich auch mal verflucht?
Das Leben ist eine Wellenbewegung, da ist nicht immer alles gleich. Ich spiele auf den Konzerten alle meine Hits – auch den. Und ich spiele ihn – ehrlich – gern. Ich habe ihn komponiert, getextet, arrangiert und produziert. Das ist ein Teil meines Lebens. Damit habe ich überhaupt kein Problem.

Und er schwebt nicht manchmal völlig losgelöst durch Ihre Alpträume, weil Sie ihn selbst nicht mehr hören können?
Das ist eine Leistung, die weltweit honoriert wurde und immer noch wird. Es gibt keinen Grund, das zu verstecken. Ich bin stolz drauf. Ein Konzert ohne „Major Tom“ geht nicht. Das dürfte ich nicht machen. Aber ich spiele ja zwei Stunden Konzert.

Was unterscheidet den Peter Schilling heute von dem der 80er Jahre?
Jeder Mensch durchläuft eine Entwicklung. Man ist reifer geworden. Man sieht viele Dinge entspannter. Die Konzerte sind ausgereifter. Das ist ein tolles Gefühl, auf der Bühne zu stehen und sie im Griff zu haben.

Was haben Sie denn vor 30 Jahren nicht so entspannt gesehen?
Wenn man wie ich über Nacht erfolgreich wird, muss man sein Leben völlig neu sortieren. Da bleibt wenig Zeit für Entspannung. Man muss ja erstmal verstehen, was da um einen herum passiert. Das ist ja brutal. Von Erfolg träumen, ist eins – Erfolg haben, was ganz anderes.

Inwiefern?
Wenn Sie Erfolg haben, kommt der Druck dazu. Für eine Plattenfirma sind Sie ein Wirtschaftsfaktor. Mein Plattenboss kam damals und fragte: „Wann kommt denn dein neues Album? Du bist in der Kalkulation für das nächste Jahr drin.“ Das sind plötzlich knallharte Fakten.

Sie singen auf Deutsch. Warum?
Ich träume auf Deutsch. Ich lebe in Deutschland. Es ist meine Muttersprache. Deutsch ist eine ganz tolle Sprache. Man kann sehr viel damit machen. In den letzten Jahren hat deutschsprachige Musik nochmal einen Schritt nach vorne gemacht. Das ist gigantisch. Der Wincent Weiss – das ist so genial, easy, entspannt gemacht. Oder Silbermond. Sowas ist auch motivierend für mich als Songschreiber.

Wieviel Schwabe steckt in Peter Schilling?
Oh, eine ganze Menge. Ich bin durch und durch Schwabe, Stuttgarter. Wenn ich mich ärgere oder fluche, dann immer auf Schwäbisch. Auch wenn ich mich freue. Ich bin immer gerne hier, lebe aber auch gerne in München. Wenn ich dort irgendwas nicht vermisse, dann ist es die Kehrwoche. Sparsam oder knausrig bin ich auch nicht. Ich habe gelernt, mit Geld umzugehen. Wer nichts gibt, bekommt auch nichts.

ZUR PERSON: Peter Schilling wurde 1956 in Stuttgart geboren. 1982 wurde er mit dem Neue-Deutsche-Welle-Hit „Major Tom (völlig losgelöst)“ quasi über Nacht berühmt. Die englische Version hielt sich dann 1983 mehrere Wochen auch in den US-Charts. Nach eigenen Angaben spielte er bis heute 1250 Konzerte.

Foto: dpa/Silas Stein