Dienstag, 20. September 2016, 23:34 Uhr

Craig David ist wieder da - das aktuelle Interview

Es scheint, als ob 2016 das Jahr der Comebacks ist. Jetzt meldet sich auch Britenstar Craig David mit einem neuen Album und einem so trainierten Körper zurück, dass sich die Yellowpress auf der Insel kaum noch einkriegt.

Craig David ist wieder da - das aktuelle Interview

klatsch-tratsch.de-Urban-Music-Beauftragter Dennis hat sich mit dem sympathischen Briten über seine neusten Projekte unterhalten.

Seit deinem letzten Album sind mittlerweile sechs Jahre vergangen. Was hast du denn in der Zwischenzeit gemacht?
Ich war für längere Zeit in Miami und habe da regelmäßig Partys bei mir Zuhause zum Vorglühen geschmissen. Erst waren es zehn Leute, die gekommen sind, dann kamen mehr und mehr Leute. Ich habe dann irgendwann angefangen Plattenspieler und ein Mikrofon aufzustellen. Habe angefangen aufzulegen und zu MCen. Innerhalb von drei Jahren wurde es dann zu einer sehr exklusiven Party in der Stadt, zu der man nur mit Gästeliste kam. Gerade haben wir dann unsere Arena-Tour mit dieser Party bekannt gegeben und es ist einfach verrückt: Das letzte Mal war ich vor 15 Jahren mit „Born To Do It“ auf Arena-Tour. Von einer Hausparty mit zehn Leuten zu einer Arenatour … Das beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich darüber nachdenke.

TS5 scheint ja ein echt verrücktes Partykonzept zu sein. Feierst du denn viel so in deiner Freizeit?
Eigentlich nicht. Vor Leuten aufzutreten kratzt mich immer schon so auf, dass das eher meine Art von feiern ist. Ich habe beispielsweise mit meiner TS5-Show eine achtwöchige Residenz bei „Ibiza Rocks“ gemacht und das hat mich so geflasht. Das war einfach großartig und ich wüsste nicht welche Party das für mich toppen könnte. Deshalb bin ich nach den Shows auch nie zu irgendwelchen Aftershowpartys gegangen, weil ich lieber chillen wollte, um am nächsten Tag wieder 100% geben zu können.

Ich würde dich ja voll gerne nach deinem Lieblingsdrink fragen, aber du bist ja momentan auch total auf dem Fitnesstrip und wirst vermutlich auch gar nichts mehr trinken …
Es kommt ganz auf den Anlass an. Wenn ich was trinke, dann sind das Tequila-Shots.

Warum bist du eigentlich wieder nach London gezogen?
Um ehrlich zu sein war das so: Es gibt so einen Typen namens Matt Dott, der arbeitet bei meiner Plattenfirma und war bei einem Meeting dabei, das ich mit meinem Manager Colin Lester hatte. Der stand zwischendrin auf und meinte: „Craig, ich würde dir gerne mal was sagen: Nicht aus einer Managerperspektive, sondern als Fan deiner Musik. Ich habe das Gefühl, dass wir dich verlieren, wenn du nach Miami gehst. Wenn du da bist, dann sagst du, du bist in deinem Studio, läufst dann aber draußen herum, chillst auf deiner Terrasse, sonnst dich und fährst mit dem Auto grundlos durch die Stadt, aber sagst uns, dass du so hart im Studio arbeitest.“ Einerseits wollte ich dem widersprechen, auf der anderen Seite war da auch sehr viel Wahres dran. Ich habe dann gesagt: „Ja, du hast Recht. Das Einzige was ich jetzt machen kann ist, dass ich mein Ticket zurück nach Miami cancele und hierbleibe“. Das habe ich dann auch gemacht und seitdem hat sich auch sehr viel für mich ergeben.

Craig David ist wieder da - das aktuelle Interview

Beispielsweise dein neues Album „Following My Intuition“ …
Genau, ich wollte in erster Linie Songs machen, kein ganzes Album. Ich habe einfach geschrieben und geschrieben und kam einfach an einen Punkt, an dem alles irgendwie perfekt zusammenpasste. Ich wollte mich wieder auf meine R&B-Wurzeln konzentrieren und habe dann aber gleichzeitig mit diesen neuen, frischen Produzenten wie Sigala, Blonde und Major Lazor zusammengearbeitet. Ich habe wieder viel R&B gehört und mir ist aufgefallen, dass die meisten Songs in dem Bereich in letzter Zeit etwas statisch sind und vor allem davon handeln, wie man im Club ist und eine Flasche nach der nächsten bestellt. Das ist schon ok, aber ich denke es gibt da auch noch mehr, über das ich als Songwriter sprechen kann. Der Titel meiner Platte soll einfach ausdrücken, dass ich mich zurück auf meine Spuren als 16-Jähriger begeben habe, der noch nicht mal wusste, was Intuition eigentlich ist. Damals war es etwas, dem ich gefolgt bin, das mich dazu gebracht hat, meinen Freunden zu sagen, dass ich mich heute Nacht nicht in der Disko abschießen will, sondern meine Musik fertigmachen will. Das konnten sie damals nicht verstehen, aber die Songs die da Zuhause entstanden sind, waren „Rewind“, „Fill me in“ und „7 Days“. Ich bin also meiner Intuition schon damals gefolgt, ohne es zu wissen.

Ich habe gelesen, dass du für das Album mehr als 100 Songs geschrieben hast. Ich stelle mir das ziemlich schwer vor aus 100 nur 18 Songs auszuwählen …
Du wirst es kaum glauben aber es ging echt ziemlich einfach. Das waren echt super Songs dazwischen, aber diese 18 haben sich quasi selbst rausgepickt. Man konnte sie einfach nicht überhören und da war sofort klar, welche auf das Album müssen.

Auf dem Album ist ein Song namens „16“ drauf, für den du das Instrumental von „Where are you now“ von Skrillex, Diplo und Justin Bieber verwendest. Wie kam es denn dazu?
Eigentlich hat das als Freestyle angefangen, den ich bei einem britischen Radiosender gemacht habe. Der DJ hat das Instrumental gespielt und ich habe einfach losgerappt und es hat einfach perfekt gepasst. Dieser Take ist dann sofort viral gegangen und sogar Justin Bieber, Diplo und Skrillex haben mir getweetet. Mich haben dann so viele Leute gefragt, wo sie den Song herbekommen können und da haben wir beschlossen den auch noch mit auf das Album zu packen.

Craig David ist wieder da - das aktuelle Interview

Mit welchen Gefühlen denkst du an die „Born To Do It“-Zeit zurück?
Ich habe in dieser Zeit echt viel gelernt. Beispielsweise was mich glücklich macht. Das waren Dinge wie Musik machen und nach Hause kommen und die Musik extrem laut zu hören. Abends dann die neuen Songs in den Club mitnehmen – ich habe schon vor dem singen aufgelegt – und an den Leuten im Club zu testen. Darauf zu reagieren und gegebenenfalls Dinge zu verändern. Es war einfach eine schöne Reise dieses Album damals zu kreieren. Rein gefühlstechnisch hat es sich bei dem neuen Album ähnlich angefühlt.

Gibt es etwas aus dieser Zeit, das du heute vermisst?
Nein, gar nicht. Ich fühle mich heute wieder wie damals mit 16-17. Es fühlt sich alles wieder so komplett neu an.

Momentan probieren sich ja so einige aus dieser Zeit mit einem Comeback. Gibt es jemanden von damals, den du gerne wieder am Start hättest?
Ich habe mich ja riesig über das neue Album von Usher gefreut und ich würde es toll finden, wenn Donell Jones wieder etwas Neues machen würde. Spannend bei solchen Comebacks finde ich immer, dass auch wenn die Welt bereit für ein Comeback ist, dass er Künstler sich dennoch weiterentwickeln muss und seinen Sound irgendwie an die aktuelle Musik anpassen muss. Man kann ja nicht einfach das machen, was man schon damals gemacht hat. So ganz komplett anders ist auch ziemlich schwer. Ich finde Usher hat diesen Spagat auf seinem neuen Album echt perfekt gemeistert. Es ist neu, hat aber vor allen in „Crush“ diesen damaligen „Confessions“-Charme.

Lass uns über dein bewegenstes Fan-Erlebnis sprechen …
Da gab es einige. Beispielsweise wenn mir Leute erzählen, dass sie zu meiner Musik geheiratet haben, oder ihnen beispielsweise „Walking Away“ geholfen hat eine Trennung zu verarbeiten. Ich erinnere mich an Begegnungen mit Fans, die schon etwas surrealistisch waren, in denen sie mir sagten, dass meine Musik sie durch dunkle Zeiten begleitet und vom Suizid abgehalten hat. Man steht dann da und denkt sich, dass ein Song es geschafft hat diese Leute mit so einer Stärke zu beeinflussen.

Mi., 21. September Bi Nuu, Berlin
Do, 22. Sepember, Reeperbahn Festival, Hamburg